Neuigkeit, 28.10.2020

Von Alu-Dosen und toten Kühen...

Wir waren am Biobauernhof von Georg Doppler und haben mit ihm über die Gefahren von Müll in der Natur gesprochen. Warum eine weggeworfene Alu-Dose den Tod für eine Kuh bedeuten kann, erfahren Sie hier.

Jeder kennt das Bild von achtlos weggeworfenen Energy-Drinks, Bier-Dosen oder Limos am Straßenrand und in der Natur. Vielen ist aber die daraus resultierende Gefahr für Tiere nicht bewusst. Denn nur allzu oft kommt es vor, dass Bauern und Bäuerinnen scharfkantige und spitze Dosenteile im Futter ihrer Tiere finden.

Weggeworfene Getränkedosen in Wiesen und Felder können dann zur tödlichen Gefahr werden, wenn sie von Mähwerken zu scharfkantigen Metallsplittern zerkleinert und auf diesem Wege in das Futter der Tiere gelangen. Um Fremdkörper im Futter vorzubeugen sind Erntemaschinen zwar mit Magnetsensoren ausgestattet, diese schlagen aber bei herkömmlichen Getränkedosen aus Aluminium nicht an. Erst einmal gefressen, können Alu-Splitter von inneren Verletzungen bis zum qualvollen Tod der Tiere führen. 

Wir haben Biobauer Georg Doppler aus Oberösterreich auf seinem Hof besucht. Er erzählt uns seine Erfahrungen mit Müll in der Natur und dass er erst zwei Tage vor unserem Dreh wieder ein Stück einer Alu-Dose im Futter seiner Zuchtkühe gefunden hat. Doch sehen Sie selbst, was er zu erzählen hat...

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Pfand drauf

Vor jeder Heuernte muss Biobauer Georg Doppler seine Weide mit einem großen Müllsack abgehen und achtlos weggeworfene Getränkeverpackungen und anderen Müll einsammeln. Wie viele seiner KollegInnen ist er wütend, dass vor allem die Weiden neben viel befahrenen Straßen und Spazierwegen immer wieder vermüllt werden. Leider findet auch er nicht immer alle Müllstücke in der Wiese, weshalb sich immer wieder auch spitze Alu-Teile in das Futter seiner Kühe schleichen.

Alois Roitinger, praktizierender Tierarzt und zusätzlich auch in einem großen Schlachthof tätig, erklärt uns warum es so schwierig ist Rindern mit verschluckten Alu-Splittern noch zu helfen. Die scharfkantigen Teile können Schnittverletzungen an der Speiseröhre, den Mägen und der Därme verursachen. Es kann von eitrigen Entzündungen des Herzbeutels bis zu Herzmuskelentzündungen kommen. Was die Beschwerden hervorruft kann meistens nur schwer diagnostiziert werden, weshalb man oft erst im Schlachthof erkennt woran das Tier gelitten hat. Eine Operation ist in einem solchen Fall meist zu kostspielig, weshalb schwerkranke Tiere oft notgeschlachtet werden. 

LandwirtInnen aus ganz Europa betroffen

Georg Doppler ist mit seinen Erfahrungen bei weitem nicht alleine, auch Landwirt Markus Eder aus Schlüßlberg in Oberösterreich berichtet uns: "Unsere Felder grenzen an eine Landstraße, daher haben wir immer wieder Probleme mit Getränkeflaschen und Dosenmüll in unseren Feldern. Das Mähwerk zerfetzt die Dosen und so finden wir laufend scharfkantige, spitze Teile im Futterheu für unsere Tiere. Obwohl ich aufpasse und die Dosen ständig aufhebe, passiert es trotzdem, dass sie hin und wieder unabsichtlich mitgemäht werden. Ich klaube auch aus dem Futtergras immer wieder Dosenstücke heraus, pro Jahr ist das ein ganzer Kübel voll. Das ist fatal für unsere Kühe. Eine Kuh ist bereits daran gestorben, bei der Obduktion wurden die gefährlichen Aluminiumteile im Pansen entdeckt." Das Schicksal von Bauer Eder ist tragisch und leider kein Einzelfall. Auch in der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden beklagten Landwirte in der Vergangenheit bereits das Ableben ihrer Tiere aufgrund von Dosenteilen im Futterheu.

Mit Blick auf die Schweiz sehen wir, dass es sich keinesfalls um ein neues Phänomen handelt. Bereits 2012 meldete der ehemalige FDP-Präsident Schnyder, das sechs seiner Kühe, aufgrund von scharfkantigen Aluminiumteilen im Magen, notgeschlachtet werden mussten. 2014 der nächste Fall: Bauer Michael Jud muss mit ansehen wie eine seiner Kühe unter Schmerzen verstirbt. Auch hier wurden Metallsplitter im Magen gefunden. Die Teile waren zwar nicht mehr eindeutig erkennbar, aber aufgrund der Farben vermutet er, dass es sich um eine Red Bull Dose handelt. Auch 2019 meldete sich wieder ein Landwirt. Die Kuh von Jean-Pierre Philipona ist Opfer eines aufgeschlitzten Darms, zurückführbar auf einen gefressenen Aludosen-Splitter.

In einer Publikation des Recycling Netzwerk Benelux gab die Mehrheit der befragten Landwirte an, dass sich zumindest eines ihrer Tiere in fünf Jahren an scharfkantigen Teilen verletzt hat. Zwei Meldungen im Juni aus England (1, 2) verweisen zudem darauf, dass auch hier Kühe, Pferde und andere Nutztiere Opfer von Getränkedosenmüll geworden sind. In Frankreich berichten Bauer Talvas und seine Familie aus Caudan, dass sie regelmäßig Dosensplitter aufsammeln. Vor allem durch die angrenzende Landstraße landen oft Dosen und Plastikflaschen in ihren Felder. Laut Aussagen des Betriebes mussten bereits sechs Kühe in Folge innerer Verletzungen eingeschläfert oder notgeschlachtet werden.

All diese Geschichten und zukünftige Fälle verbindet eins: Sie sind vermeidbar.

Die Jungbauern und der oberösterreichische Abfallverband arbeiten aufgrund des massiven Litterings aktuell an einer Sensibilisierungskampagne um das Problem zu thematisieren. Kürzlich hat sich auch die Landwirtschaftskammer Oberösterreich für die Einführung eines Einwegpfandsystem ausgesprochen.

Unsere Beispiele zeigen eine längst überfällige Notwendigkeit für ein Einwegpfandsystem und eine bessere Vorbildwirkung. Zusätzlich könnte der stetig wachsende Einwegmüll durch Mehrwegsysteme deutlich reduziert werden. In Österreich ist die Marke Red Bull mit 23 Prozent deutlich am häufigsten in der Natur zu finden. Weit dahinter liegt auf dem 2. Platz die Brau Union mit 15 Prozent.

Kennen Sie schon unseren Spot "Red Bull Dosen in der Natur verleihen Flügel"? Schauen Sie jetzt rein und teilen Sie ihn mit Ihren FreundInnen und Bekannten!

Helfen wir unseren LandwirtInnen, schützen wir unsere Tiere, fordern wir jetzt "Pfand drauf"!

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