GLOBAL 2000: Aus welchen Materialen/Rohstoffen bestehen die Schuhe genau? Ist wirklich JEDER Bestandteil biologisch abbaubar und kompostierbar?

Pistauer: Der Schuh ist zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Die Schwierigkeit besteht dabei bei den vielen „Kleinteilen“ aus denen ein Schuh erzeugt wird: Ösen, Bänder, Kleber, Stoffe, Sohlen, Fussbett usw. Dies ist uns mit sehr viel Aufwand gelungen und darauf sind wir stolz.

Wir arbeiten sehr eng mit dem österreichischen Umweltbundesamt (UBA) zusammen, um die Ergebnisse testen zu lassen. Fast sämtliche Ingredienzien wurden auch nach „cradle to cradle“ zertifiziert. Biologische Abbaubarkeit reicht allerdings aus unserer Sicht nicht: Die Schuhe sollen auch weitestgehend schadstofffrei sein, das heißt aus unserer Definition: Vergleichbar mit natürlicher Erde! Dies konnte mit den bestehenden Schuhen realisiert werden.

Die genaue Zusammensetzung darf ich Ihnen nicht verraten, die wesentlichen Inhaltsstoffe sind allerdings: Zellulose, Wolle, Milchsäure, Nesselfasern, Maisreste (Pflanze nicht Futtermais).

GLOBAL 2000: Wie lange dauert es, bis einer Ihrer Schuhe vollständig abgebaut ist?

Pistauer: Unter sogenannten „optimalen Vorrausetzungen“ – d. h. zerkleinert unter optimalen Bedingungen – baut sich der Schuh in weniger als 100 Tagen komplett ab. Vergräbt man den Schuh im Ganzen im Komposthaufen, dauert es länger, aber auch deutlich unter einem Jahr.

GLOBAL 2000: Auf Ihrer Homepage steht, jeder Flip Flop „lässt sich vollständig in den biogenen Kreislauf zurückführen“. Was genau bedeutet das?

Pistauer: Die Reststoffe sind vergleichbar mit natürlicher Erde sowie Stickstoff. Stickstoff agiert als Dünger.

GLOBAL 2000: Wie sieht der Abbauprozess aus?

Pistauer: Der Schuh baut sich weder in der Luft, im Wasser noch bei normalem Tragen ab! Durch Einwirkung von Bakterien im Boden fängt der Abbauprozess an.

GLOBAL 2000: Wohin mit dem getragenen Flip Flop? In den Hausmüll oder kann der Schuh mit normalem Kunststoff entsorgt werden? Muss er extra irgendwo hingebracht werden? Nehmen Sie die Schuhe zurück?

 Pistauer: Leider ein wichtiges und nicht von uns allein realisierbares Thema. Nach dem Tragen lässt sich der Schuh etwa (zerkleinern beschleunigt) im Komposthaufen  entsorgen. Eine spezielle (staatliche) Kennzeichnung mit separater Entsorgungsmöglichkeiten gibt es (noch nicht). Wenn man den Schuh im Biomüll entsorgt, so muss man davon ausgehen, dass dieser derzeit noch herausgefiltert wird. Wir arbeiten daher an zwei Bereichen: Ein Entsorgungskonzept mit dem Handel sowie einer  staatlichen Unterstützung biologisch Abbaubarer Produkte.

GLOBAL 2000: Woher stammen die Materialien/Rohstoffe und wo findet die Produktion statt?

Pistauer: Die Vorproduktion von Rohstoffen findet in Italien, Österreich, Deutschland bzw. der Schweiz statt. Der Schuh wird in Tschechien bzw. Österreich gefertigt. Einen CO2 Fußabdruck haben wir bis dato noch nicht überprüfen lassen. Ich  bin aber überzeugt, dass dieser aufgrund der lokalen Produktion überragend sein wird im Vergleich zu anderen Schuhen.

GLOBAL 2000: Ist die Unternehmensphilosophie auch abseits der abbaubaren Schuhe „grün“?

Pistauer: Ich würde eher schreiben: Verantwortungsbewusst und nachhaltig! Wir achten auch bei der Produktion etwa auf Verwendung sinnvoller Energieformen, guter Arbeitsbedingungen (daher auch Produktion in Europa!), Recycling von Abfallstoffen etc.

GLOBAL 2000: Wie ist die Idee von abbaubaren Schuhen überhaupt entstanden?

Pistauer: Der leider tödlich verunglückte Mitbegründer Udo Weixelbaumer hatte die Idee. Udo kam aus der Schuhindustrie. Es hatte Ihn entsetzt welche Berge an Müll er mitverursacht hatte. Pro Jahr werden weit über 20 Mrd. Paar Schuhe produziert – die allesamt wohl zwischen 300 -700 Jahre benötigen , um zu verrotten.

GLOBAL 2000: Möchten Sie Ihr Sortiment weiter ausbauen oder wird es bei Flip Flops bleiben?

Pistauer: Bereits im Frühjahr / Sommer 2012 werden Sandalen, Halbschuhe und Sneaker im Sortiment sein.

GLOBAL 2000: Zum Schluss bitte ich Sie noch um einige Fakten zu Ihrem Unternehmen wie Größe, Gründungsjahr, Partner, Sponsoren.

Pistauer: Das Unternehmen wurde auf Basis einer rein österreichischen Initiative privater Personen im Sommer 2009 gegründet. Vorausgegangen sind etwa 10 Jahre intensive Forschung und Versuche der Initiatoren. Bis dato wurde des Unternehmen rein aus privaten Mitteln der Gründer finanziert.

(Marie Therese Wagner)