Falschbehauptungen: Wir klagen den Steirischen Bauernbund

Nur einen Monat nach der Botschaft unserer gewonnenen Klage gegen die Industriegruppe Pflanzenschutz gehen wir erneut vor Gericht. Wir haben Klage gegen den Steirischen Bauernbund eingebracht und eine einstweilige Verfügung beantragt.

Der Steirische Bauernbund hatte GLOBAL 2000 eine „absichtliche Falschinterpretation“ von Pestiziddaten und „Panikmache“ vorgeworfen, nachdem wir aufgezeigt hatte, dass besonders problematische Pestizide in Österreich immer häufiger zum Einsatz kommen. Die Begründung: GLOBAL 2000 habe Lagergase wie CO₂ in ihre Berechnung des Pestizidanstiegs einbezogen. Tatsächlich waren diese ausdrücklich ausgeschlossen.

Rufschädigende Falschbehauptungen

Im Dezember 2025 veröffentlichte der Steirische Bauernbund seinen als Faktencheck bezeichneten Artikel. Dort wurden falsche Behauptungen aufgestellt: Der von GLOBAL 2000 aufgezeigte Pestizidanstieg sei auf Lagergase zurückzuführen. Der Artikel erschien auch in der Bauernbund-Zeitung „Neues Land“, auf Facebook sprach der Bauernbund von „Desinformation von NGOs und Grüne“.

Wir verlangen die Unterlassung rufschädigender Falschbehauptungen und einen öffentlichen Widerruf. 

Foto von Helmut Burtscher-Schaden

„Der Steirische Bauernbund hat schwere Anschuldigungen gegen GLOBAL 2000 erhoben. Als er seinen sogenannten Faktencheck veröffentlichte, hätte er längst wissen müssen, dass die Grundlage seiner Vorwürfe falsch ist. Unsere Berechnungsmethode war öffentlich zugänglich und der Ausschluss von Lagergasen ausdrücklich erklärt. Wer öffentlich falsche Vorwürfe verbreitet, muss sie auch öffentlich richtigstellen."

Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000

Mehrfache Aufforderungen zur Richtigstellung ohne Ergebnis

Bereits im Dezember hatten wir dem Steirischen Bauernbund per E-Mail erläutert, dass weder CO₂ noch andere Lagergase in die Auswertung eingeflossen waren, und eine öffentliche Richtigstellung verlangt. Eine Antwort blieb aus.

In einem Verfahren gegen die IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) hat das Handelsgericht Wien mit inzwischen rechtskräftigem Urteil vom 1. September 2026 die Behauptung, GLOBAL 2000 habe CO₂ beziehungsweise Lagergase eingerechnet, als unwahr festgestellt und die IGP zu Unterlassung und Widerruf verurteilt. GLOBAL 2000 informierte den Steirischen Bauernbund und seinen Direktor Bernd Brodtrager über dieses Urteil und bemühte sich erneut mehrfach um ein Gespräch über Art, Inhalt und Form einer öffentlichen Richtigstellung – erfolglos. Eine Richtigstellung blieb aus.

Mit der Klage begehren wir daher einen öffentlichen Widerruf der falschen CO₂-Behauptung auf der Website des Steirischen Bauernbundes sowie in jenen vier Privatradiosendern, in denen Bernd Brodtrager damit namentlich zitiert wurde.

Alexandra Strickner

„Wir haben dem Steirischen Bauernbund wiederholt Gelegenheit gegeben, die falschen Vorwürfe öffentlich zu korrigieren. Darauf ist er nicht eingegangen. Deshalb wollen wir die Richtigstellung jetzt auf dem Rechtsweg erreichen“

Alexandra Strickner, GLOBAL 2000-Geschäftsführerin

Der Bauernbund lenkt vom eigentlichen Problem ab

Die falschen Vorwürfe des Bauernbunds lenkten vom eigentlichen Problem ab: dem starken Anstieg bei der Verwendung von Pestiziden, die als Substitutionskandidaten eingestuft sind, sowie von PFAS-Pestiziden. Leidtragende sind auch die Bäuerinnen und Bauern, die mit diesen Pestiziden als Erste in Berührung kommen.

Eine Klage war für uns das letzte Mittel. Wir hätten uns gewünscht, dass der Bauernbund seine falschen Vorwürfe von sich aus richtigstellt – so, dass auch sichtbar wird, was unsere Auswertung tatsächlich zeigt. Diese Gelegenheit hat er über zehn Monate nicht genutzt, darum mussten wir erneut vor Gericht gehen.

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