Publikation, 15.07.2019

Statusbericht chemischer Pflanzenschutz

Das PRP-Team erstellt jährlich den "Statusbericht chemischer Pflanzenschutz" für die REWE International AG. Hier finden Sie den aktuellen Statusbericht 11 mit den Analysen des Jahres 2019.

Seit 2003 setzt die REWE International AG am österreichischen Markt das GLOBAL 2000 PestizidReduktionsProgramm (PRP) um. Von GLOBAL 2000 werden wöchentlich Proben von konventionellem Frischobst und Frischgemüse aus den Frischdienstlagern nach einem risikoorientierten Plan gezogen, in unabhängigen, akkreditierten Labors auf Rückstände von Pestiziden untersucht und von GLOBAL 2000 auf die gesundheitliche Gesamtbelastung durch Pestizide bewertet. Die aktuellen Untersuchungsergebnisse werden auf der BILLA und der MERKUR Homepage veröffentlicht.

 

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Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Im Jahr 2019 wurden 1671 Proben von 121 verschiedenen Produkten auf Pestizidrückstände untersucht und durch GLOBAL 2000 bewertet. 77 % der Proben (1281) waren mit Rückständen über der Nachweisgrenze belastet (2012: 72 %, 2013: 71 %, 2014: 74 %, 2015: 71 %, 2016: 71 %, 2017: 75 %, 2018: 76 %), und in 56 % der Proben (935) wurden 2 und mehr Pestizide nachgewiesen.

Bei 22 Proben (1,32 %) wurde der gesetzliche Höchstwert überschritten. Solche Ware ist nicht verkehrsfähig und wurde aus den Regalen geholt. Bei keiner der Proben waren die nachgewiesenen Pestizidrückstände akut gesundheitlich bedenklich, insbesondere für sensible Verbraucher (z.B. Kinder und Ungeborene).

Aus den Kriterien mittlerer Summenbelastung und Verbrauchsmenge pro Kopf, den Einzelwertüberschreitungen der gesundheitlichen PRP-Werte und Überschreitungen der akuten Referenzdosis wurden die Belastungswerte über die Produkte des österreichischen Warenkorbs gebildet. Dabei zeigte sich ein Rückgang der Gesamtbelastung für die KonsumentInnen gegenüber den beiden Vorjahren.

Die höchste Anzahl an Pestiziden in einer Probe betrug 17 Pestizide bei Basilikum aus Österreich. Die Wirkung dieser Mehrfachrückstände ist weitgehend unerforscht, wird im PRP aber über die Summenbelastung (siehe S.381) kontrolliert.

Grenzwertüberschreitungen und ihre Folgen

Bei 8,75 % der Proben wurden die strengen Grenzwerte des PRP nicht eingehalten. Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Rückgang an SB-Überschreitungen (2018: 9,24%). Summenbelastungsüberschreitungen wurden am häufigsten in Basilikum, Petersilie, Kirschen, Rucola, Vogerlsalat, Mandarinen, Dille, Brombeeren, Artischocken und Stangensellerie (20 % bis 60 % der Proben) ermittelt. Österreichische Proben schnitten besser ab. Der Anteil an SB-Überschreitungen lag bei 6,70 % (45 Proben von insgesamt 672) (vgl. restliche Herkünfte 9,41 %).Die SB-Überschreitung wurden bei etwa einem Drittel der untersuchten Obst- und Gemüseerzeugnisse festgestellt (35 % bzw. in 43 der 121 Produkte).

Bei Überschreitungen der Grenzwerte des PRP tritt das sogenannte Prozedere in Kraft: (1) die Lieferanten werden informiert, (2) die Produkte werden in Folge häufiger untersucht und (3) im Wiederholungsfall wird das Produkt dieses Lieferanten gesperrt. Die Einhaltung der strengen Grenzwerte im PRP gewährleistet eine geringe Belastung durch gesundheitlich bedenkliche Pestizide. 2019 wurde der Schwerpunkt auf sogenannten Convenience Mischungen fortgesetzt, die bei den VerbraucherInnen eine immer größere Rolle spielen. Es wurden verschiedene Salat-/Gemüse-Mischungen der Marke „Simply Good“ überprüft. Die Analysen zeigten, dass es Handlungsbedarf bei einzelnen Produkten der Mischungen gibt, vor allem bei Rucola und Babyleaf-Salaten.

Hormonell wirksame Pestizide

Im Sinne einer konsequenten, stufenweisen Reduktion der Pestizidbelastung von Obst und Gemüse gelten seit Oktober 2016 halbierte PRP-Obergrenzen für alle hormonell wirksamen Pestizide. Durch diese strengeren Grenzwerte soll die Belastung für KonsumentInnen durch diese Pestizide so gering wie möglich werden.

Die PRP-Obergrenzen für hormonell wirksame Pestizide (wirksam seit Oktober 2016) konnten 2019 größtenteils eingehalten werden. Die Gesamtbelastung durch zehn hormonell wirksame Pestizide, deren Schädlichkeit am besten belegt ist und denen KonsumentInnen durch den Verzehr von Obst und Gemüse am meisten ausgesetzt sind (EDC10-Pestizide), konnte seit Beginn des EDC-Reduktionsprogramms (0,058 mg/kg) um beinahe 50 % reduziert werden. Der mittlere Gesamtrückstand an EDC10-Pestizide betrug 0,033mg/kg (2018: 0,031 mg/kg). Ziel ist ein Nullrückstand für die EDC10-Pestizide.

Unser Fazit

Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig unsere risikobasierten Kontrollen für sicheres Obst und Gemüse sind. Die Durchführung der Kontrolle, die gesundheitliche Bewertung der Proben und die Überprüfung der Sanktionen durch eine unabhängige Organisation ist zudem eine gute Basis für die Sicherstellung der Einhaltung des Vorsorgeprinzips für den Schutz der KonsumentInnen sowie der Umwelt.

Sie finden die Statusberichte der vergangenen Jahre unten im Downloadbereich. Noch ältere Berichte finden Sie hier: Statusbericht 20142013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008 & 2007.