TFA-Belastung in Österreichs Grundwasser: innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt

Eine wissenschaftliche Auswertung amtlicher Messdaten, die GLOBAL 2000 gemeinsam mit international renommierten Wissenschaftler:innen durchgeführt hat, zeigt einen alarmierenden Anstieg: Die Belastung des Grundwassers mit der Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA) steigt deutlich an. An allen 16 wiederholt untersuchten Messstellen nahm die Konzentration innerhalb von rund fünf Jahren zu – an einer sogar auf mehr als das Vierfache. Diese Ergebnisse sind ein deutliches Warnsignal, weitere TFA-Einträge in Natur und Wasser rasch zu stoppen.

Dr. Helmut Burtscher-Schaden von GLOBAL 2000 im weißen Kittel hält eine durchsichtige Probegefäß mit blauem Deckel vor einem Holzgitter mit Pflanzen

Livia Schaden

Dr. Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000

Erstmals: Datenvergleich über 5 Jahre

Ausgewertet wurden Messdaten des Landwirtschaftsministeriums aus den Jahren 2018/2019 und 2024

Besonders aussagekräftig sind 16 Grundwassermessstellen, die in beiden Untersuchungszeiträumen beprobt wurden. An allen 16 Standorten nahm die TFA-Konzentration zu. An einer Messstelle hat sie sich sogar mehr als vervierfacht.

Die beiden Messserien wurden zwar in den amtlichen Wassergüteberichten veröffentlicht – miteinander verglichen wurden sie dort aber nie. Der Anstieg blieb dadurch unsichtbar.

Auch der Vergleich der beiden gesamten Messreihen zeigt eine deutliche Verschiebung: Der Durchschnittswert der ersten Messserie lag noch bei 0,78 - im Jahr 2024 lag er bei 2,42 Mikrogramm pro Liter. (Dieser Vergleich ist jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, da dabei überwiegend unterschiedliche Messstellen untersucht wurden. Er beschreibt daher keinen gesicherten Österreich-Trend, sondern dient als ergänzende Einordnung.)

Hinweise auf Pestizide aus der Landwirtschaft

Für die wissenschaftliche Auswertung wurden die TFA-Werte mit amtlichen Nitrat- und Pestiziddaten derselben Messstellen verglichen. Dort, wo hohe TFA-Konzentrationen gemessen wurden, waren auch Nitratwerte und Pestizidrückstände erhöht. Mit anderen untersuchten PFAS zeigte sich ein solcher Zusammenhang nicht.

Das Belastungsmuster spricht für einen substanziellen landwirtschaftlichen Beitrag zur TFA-Belastung - andere Quellen können jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Helmut Burtscher-Schaden mit Wasserglas

"Diese Zahlen offenbaren nicht nur ein Belastungsproblem, sondern eines, das sich rasch verschärft. Genau diese Kombination aus bereits hohen Konzentrationen und weiterem Anstieg macht den Befund so besorgniserregend und verlangt rasches Handeln.“

Dr. Helmut Burtscher-Schaden, GLOBAL-2000-Umweltchemiker

TFA ist längst im Wasserkreislauf angekommen

Kind trinkt aus Trinkwasserspender

Volodymyr Tverdokhlib / Shutterstock

Bereits 2024 hatte GLOBAL 2000 gemeinsam mit PAN Europe Wasserproben aus mehreren europäischen Ländern untersucht. TFA wurde dabei in sämtlichen untersuchten Flüssen, Brunnen und österreichischen Leitungswasserproben nachgewiesen.

TFA entsteht unter anderem beim Abbau von PFAS-Pestiziden und fluorierter Kältemittel. Der Stoff ist extrem langlebig - einmal in die Umwelt eingebracht, bleibt die sogenannte "Ewigkeitschemikalie" über extrem lange Zeit im Wasserkreislauf bestehen und lässt sich mit herkömmlicher Trinkwasseraufbereitung kaum entfernen. Die gesundheitlichen Risiken sind noch nicht ausreichend erforscht. EU-Behörden bestätigten 2026 die Fortpflanzungsgefahr durch TFA.

Die Belastung nimmt seit den 2010er-Jahren deutlich zu

Die Grundwasserdaten fügen sich in weitere Untersuchungen der vergangenen Jahre ein. Analysen von Baumblättern, Eisbohrkernen, Trinkwasser und Lebensmitteln zeigen ebenfalls eine besorgniserregende Zunahme der Belastung. Analysen von alten und neuen österreichischen Weinen, die GLOBAL 2000 gemeinsam mit PAN Europe durchführte, belegen, dass die TFA-Belastung über Jahrzehnte langsam zunahm und sich seit den 2010er-Jahren deutlich beschleunigt hat. Die neuen Grundwasserdaten zeigen eine sehr ähnliche zeitliche Dynamik.

Was jetzt passieren muss

Am Wichtigsten ist es jetzt, die Einträge von TFA rasch zu stoppen, damit die Kontamination nicht weiter steigt. Das erfordert ein sofortiges Verbot von PFAS-Pestiziden und anderen Vorläufersubstanzen von TFA, wie fluorierte Gase aus Klimaanlagen, die in der Umwelt zu TFA abgebaut werden.

GLOBAL 2000 fordert

  • einen raschen Ausstieg aus der Verwendung von PFAS-Pestiziden,
  • eine entschlossene Umsetzung des europäischen PFAS-Beschränkungsvorschlags sowie
  • ein dauerhaftes TFA-Monitoring mit wiederholten Messungen an denselben Standorten.

Was einmal im Grundwasser ist, lässt sich kaum mehr entfernen. Umso wichtiger ist es, weitere Einträge an der Quelle zu verhindern.

Unterschreiben Sie jetzt unsere Petition und unterstützen Sie uns, damit wir weiterhin gegen gefährliche Chemikalien vorgehen können!

PFAS & TFA jetzt STOPPEN!