Bienenfreundliche Pflanzen im Pestizid-Test 2026

Wie gesund sind bienenfreundliche Pflanzen wirklich für Bienen? GLOBAL 2000 hat als "bienenfreundlich" gekennzeichnete Pflanzen auf Pestizide getestet: Ein Drittel der Zierpflanzen ist mit hoch bienengiftigen Pestiziden belastet. Lesen Sie, was das für Auswirkungen auf die Bienen hat und welche Pflanzen sie bedenkenlos kaufen können.

Cover von Binenefreudnliche Pflanzen im Test - 2026

GLOBAL 2000

Was wurde getestet?

GLOBAL 2000 hat gemeinsam mit der Arbeiterkammer Oberösterreich 30 Pflanzen aus österreichischen Gartencentern, Baumärkten, Möbelhäusern, Lebensmittelmärkten und Gärtnereien von einem akkreditierten Labor auf mehr als 600 verschiedene Pestizide untersuchen lassen. 

Die Auswahl umfasste Pflanzen, die ausdrücklich als „bienenfreundlich“ oder „insektenfreundlich“ beworben wurden, vom Verkaufspersonal empfohlen wurden oder allgemein als attraktiv für Bienen gelten.

Getestet wurden Pflanzen von folgenden Händlern: BALDUR-Garten, BAUHAUS, bellaflora, Dehner, hagebau, HOFER, HORNBACH, IKEA, Lagerhaus, Lidl, OBI, Pflanzkompass, Praskac, Gärtnerei-Institut Hartheim (REWISA Netzwerk), STARKL.

Warum Pestizide für Bienen problematisch sind

Besonders gefährlich für Bienen sind systemische Pestizide wie Neonicotinoide, die von der Pflanze aufgenommen werden und bis in Pollen und Nektar gelangen. Bienen und andere Bestäuber nehmen die Pestizide dadurch direkt beim Sammeln von Nahrung auf – selbst dann, wenn die Pflanzen nicht während der Blüte gespritzt wurden.

Die Folgen können gravierend sein: Bienen verlieren die Orientierung, werden anfälliger für Krankheiten oder können sich schlechter fortpflanzen. Dabei sind Bestäuber für unsere Natur und Landwirtschaft unverzichtbar. Rund drei Viertel der wichtigsten Nutzpflanzen sind zumindest teilweise auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen.

Die 5 wichtigsten Ergebnisse

77 % der Pflanzen enthielten Pestizide, 30 % der Proben waren hoch bienengiftig: Auf 23 von 30 getesteten Pflanzen wurden Pestizidrückstände nachgewiesen. Neun Proben enthielten sogar Pestizide, die als hoch bienengiftig gelten. Vier dieser Pflanzen waren mit mehr als einem hoch bienengiftigen Wirkstoff belastet.

Mehrere in der EU nicht zugelassene Pestizide entdeckt: Auf drei Pflanzen wurden Pestizide gefunden, die zum Zeitpunkt der Probenahme keine EU-Zulassung hatten. Besonders auffällig war eine Studentenblume mit vier nicht zugelassenen Wirkstoffen. Auch auf einer Strauchmargerite und einem Rhododendron wurden solche Rückstände festgestellt.

Insgesamt 41 verschiedene Pestizide nachgewiesen: Auf den belasteten Pflanzen wurden insgesamt 41 unterschiedliche Pestizide gefunden. Neun davon gelten als hoch bienengiftig: Acetamiprid, Captan, Chlorpyrifos, Deltamethrin, Flupyradifurone, Lambda-Cyhalothrin, Milbemectin, Pirimicarb und Spinosad.

Rosmarin war am stärksten belastet: Die höchste Anzahl unterschiedlicher Pestizide wurde auf einem Rosmarin festgestellt: Insgesamt wurden dort 16 verschiedene Pestizide gefunden, darunter vier hoch bienengiftige Wirkstoffe.

Nur 7 Pflanzen frei von Pestiziden: Die Liste der Pflanzen, die vollständig frei von Pestizidrückständen waren, finden Sie im Report.

Porträt Karolina Hötzeneder

„Europäische Hersteller verkaufen in der EU nicht mehr zugelassene Pestizide weiterhin in Drittländer, wo sie Mensch und Umwelt gefährden, bevor die dort produzierten Pflanzen wieder in die EU importiert werden. Diese Praxis muss beendet werden. Auch wenn sich die Entwicklung verbessert, sind bienengefährliche Pestizide – insbesondere in als ‚bienenfreundlich‘ gekennzeichneten Pflanzen – weiterhin nicht akzeptabel.“

Karolina Hötzeneder, GLOBAL 2000-Teamleiterin Biodiversität und Chemikalien

Wir haben die Unternehmen um eine Stellungnahme gebeten. Diese finden Sie hier:

Woher kommen die Zierpflanzen?

Blumentopf mit bienenfreundlicher Pflanze mit gelben und rot-gelben Blüten, Etikett mit der Aufschrift „Italienische BLÜHFLANZE“.

GLOBAL 2000 / Leo Daublebsky

Viele Zierpflanzen kommen aus globalen Lieferketten. Samen und Jungpflanzen werden oft außerhalb der EU angebaut, zum Beispiel in Ägypten, Kenia oder Vietnam – teilweise mit Pestiziden, die in der EU nicht erlaubt sind.

Die letzte Aufzucht findet häufig in der EU statt. Deshalb steht im Pflanzenpass oft ein EU-Land als Herkunft, obwohl die Pflanzen ursprünglich aus anderen Regionen stammen.

 

Was muss ich beim Kauf berücksichtigen?

Die Bezeichnungen „bienenfreundlich“ oder „insektenfreundlich“ sagen leider nichts über die Produktion der Pflanzen aus – sie beziehen sich meist nur darauf, welche Pflanzen die Insekten anfliegen. Die 9 Pflanzen, die wir als "pestizidfrei" getestet haben, finden Sie im Report.

Achten Sie deshalb beim Kauf auf das EU-Bio-Siegel: Bio-Pflanzen werden ohne chemisch-synthetische Pestizide produziert und sind damit tatsächlich insektenfreundlicher. Noch besser ist es, wenn Sie Ihre Pflanzen selbst aus Saatgut ziehen oder vorziehen.

Darauf können Sie außerdem achten:

  • Pflanzen aus regionalen Gärtnereien wählen
  • nach Herkunft und Produktionsbedingungen fragen
  • möglichst auf eine vollständige EU-Produktion achten
  • heimische und standortangepasste Arten bevorzugen

Auch interessant: Der Preis ist kein Garant für geringere Pestizidbelastung

Beim Vergleich mehrerer Lavendelpflanzen schnitt die günstigste Variante sogar besser ab als teurere Pflanzen, die Rückstände hoch bienentoxischer Pestizide enthielten. Untersucht wurden Pflanzen in unterschiedlichen Preiskategorien (ca. 3 € bis 30 €).

Unterstützen Sie unsere bienenfreundlichen Forderungen

Der Markt ist groß: In Österreich werden jährlich rund 16 Millionen Frühblüher und 28 Millionen Beet- und Balkonpflanzen verkauft. Neben freiwilligen Initiativen braucht es deshalb auch strengere Kontrollen durch die öffentliche Hand. Es fehlen gesetzliche Regelungen für den Umgang mit Pestiziden bei Zierpflanzen. Deshalb hat GLOBAL 2000 eigene Richtlinien entwickelt.

GLOBAL 2000-Aktivist:innen fordern "Schluss mit Pestiziden"

GLOBAL 2000 / Christopher Glanzl

Fordern wir gemeinsam:

  1. Verbot besonders insektengefährdender Pestizide bei „bienenfreundlichen“ Pflanzen
  2. regelmäßige staatliche Kontrollen von Pestizidrückständen
  3. Importverbot für Pflanzen mit nicht zugelassenen Pestiziden
  4. strengere Kriterien für den EU-Pflanzenpass
  5. stärkere Förderung biologischer Zierpflanzenproduktion
  6. kein Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide im Haus- und Kleingarten

Zusammen mit Unternehmen wie bellaflora, Blumen B&B, Hornbach und weiteren Händlern in Deutschland werden bereits regelmäßig Stichproben von Blumen gezogen und auf Pestizidrückstände untersucht - mehr erfahren!. In Kooperation mit den Unternehmen wurden von GLOBAL 2000 in den letzten Jahren bereits weit mehr als 1000 Proben analysiert und jeden Monat kommen neue Ergebnisse dazu, die uns helfen Maßnahmen zur Pestizidreduktion zu entwickeln und umzusetzen. 

Die Eigeninitiative der Unternehmen zeigt ein gesteigertes Bewusstsein für das Thema und eine durchaus positive Entwicklung der Grünen Branche. Ein klares Signal in Richtung Staat, dass es an der Zeit ist, endlich auch von öffentlicher Seite klare Rahmenbedingungen für bessere Kontrollen und zur Förderung von pestidfreien Zierpflanzen zu schaffen.

Unterstützen Sie unseren Einsatz gegen Pestizide - für die Gesundheit von Mensch, Tier und Natur.

Helfen Sie mit einer kleinen Spende! Jeder Euro zählt. Vielen Dank.