Bienen schützen

Bienen sind weit mehr als Honigproduzenten: Sie sichern die Vielfalt unserer Pflanzen, unsere Lebensmittel und das ökologische Gleichgewicht. Doch viele Bienenarten sind bedroht. Pestizide, der Verlust natürlicher Lebensräume und die intensive Landwirtschaft setzen besonders Wildbienen zunehmend unter Druck. Wir brauchen eine Landwirtschaft, die ohne schädliche Pestizide auskommt, die Artenvielfalt fördert und die Gesundheit von Menschen und Tieren schützt.

Warum sind Bienen so wichtig?

Wildbiene sitzt auf Grashalm

GLOBAL 2000 / Martin Wildenberg

Bienen gehören zu den wichtigsten Bestäubern unserer Ökosysteme. Sie übertragen Blütenstaub von einer Pflanze zur nächsten und ermöglichen dadurch die Bildung von Früchten und Samen. Ein großer Teil unserer heimischen Pflanzenwelt ist auf Bestäubung angewiesen. Ohne Bienen und andere Bestäuber wären viele Obst- und Gemüsesorten gefährdet: von Äpfeln, Erdbeeren, Kürbis, Zucchini und Gurken bis hin zu Nüssen wie Mandeln und Sonnenblumen. 

Die Welternährungsorganisation FAO hat errechnet, dass von den weltweit 100 wichtigsten Nutzpflanzen 71 von Bienen bestäubt werden. Diese 100 Pflanzen sichern zusammen 90 % der weltweiten Nahrungsmittelversorgung.

Die Vielfalt unserer Natur würde mit zunehmendem Wildbienensterben spürbar abnehmen. Bienen leisten einen unverzichtbaren Beitrag:

Wildbienen und Honigbienen: Was ist der Unterschied?

Wussten Sie, dass nicht jede Biene Honig produziert? Viele Menschen denken bei Bienen zuerst an Honigbienen, aber die meisten der rund 700 Wildbienenarten in Österreich werden nicht wie Honigbienen vom Imker gehalten. Sie leben allein und sind wichtige Bestäuber unserer Pflanzenwelt.

Wildbienen:

Der Schutz von Bienen bedeutet daher vor allem auch den Schutz von Wildbienen.

Wildbienen fliegt auf Salbei zu

GLOBAL 2000 / Dominik Linhard

Bienensterben in Österreich: Aktuelle Situation

Bienenvölker verschwinden

Mitte der Neunzigerjahre stellten Imker ein zunehmendes Sterben ganzer Bienenvölker fest. Seitdem hat sich die Situation für die Honigbienen kontinuierlich verschlechtert. In Österreich ist die Zahl der Honigbienenvölker von 1995 bis 2015 um 25 % gefallen - das sind über 100 000 Bienenvölker.

Das Wildbienensterben

Über die Hälfte der etwa 700 in Österreich ansässigen Wildbienenarten ist bedroht. Auch in Europa: Erstmals wurden 2015 die europaweite Situation der Wildbienenarten durch die Weltnaturschutzunion untersucht – mit einem alarmierenden Ergebnis. Fast jede zehnte Wildbienenart ist in Europa vom Aussterben bedroht. Weitere 5,2 % stehen kurz davor.

Die Bestandstrends sind alarmierend:

  • Bei 7,7 % der Arten gehen die Bestände zurück
  • 12,6 % sind noch stabil
  • 0,7 % der Arten zeigen eine positive Entwicklung.
  • Die Bestandsentwicklung der restlichen 79 % ist allerdings unbekannt

Warum sterben die Bienen?

Die Ursachen für den Rückgang von Bienen sind vielfältig, doch es ist sicher: Die meisten Gefahren für die Bienen sind menschengemacht. In den 1960er-Jahren vollzogen sich gewaltige Umbrüche in unserer Landwirtschaft: von vielfältigen Strukturen hin zu ausgeräumten industriellen Agrarwüsten. Die industriellen Veränderungen hatten große Auswirkungen auf die Wildbienen und die biologische Vielfalt.

Pestizide gefährden Bienen

Traktor spritzt auf Feld mit grünen Pflanzen

GLOBAL 2000 / Eva Mai

Der Einsatz bestimmter Pestizide kann Bienen direkt schädigen oder ihre Orientierung, Fortpflanzung und Widerstandskraft beeinträchtigen. Besonders problematisch sind Wirkstoffe, die in der Landwirtschaft großflächig eingesetzt werden.

Ein erfolgreiches Beispiel für den gemeinsamen Einsatz für Bienen ist das Verbot der Neonicotinoide. Diese Pestizide können Bienen nachhaltig schädigen: Sie beeinträchtigen ihr Orientierungsvermögen und ihre Kommunikation und schwächen dadurch ganze Bienenvölker. Gemeinsam mit anderen Umweltorganisationen setzte sich GLOBAL 2000 jahrelang für strengere Regeln ein. 2013 verbot die EU-Kommission drei besonders schädliche Neonicotinoid-Wirkstoffe – Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid – vorübergehend.

Aktuell im Fokus: GLOBAL 2000 kämpft gegen den Abbau von Schutzregeln durch den geplanten Pestizid-Omnibus der EU. Denn weniger Kontrolle bei Pestiziden gefährdet die Gesundheit von Bienen, Menschen und Umwelt.

 

Zementfabrik Außenaufnahme von oben mit Rauch in der Luft
GLOBAL 2000; Notice: Martin Aschauer

Weniger Lebensräume und weniger Nahrung

Durch intensive Landwirtschaft, Bodenversiegelung und den Verlust von Blühflächen finden Bienen immer weniger Nahrung. Viele Wildbienen sind auf bestimmte heimische Pflanzen angewiesen. Fehlen diese Pflanzen, fehlt auch die Nahrung für Bienen und andere Bestäuber - und die Artenvielfalt nimmt ab.

Bienen verlieren ihre Lebensräume durch:

  1. Monokulturen: Großflächige Monokulturen mit wenigen angebauten Pflanzen bieten Bienen kaum Nahrung. Fehlen Blühpflanzen, Kräuter und Hecken, finden Bestäuber nach der Blütezeit oft keine ausreichenden Nahrungsquellen mehr.
  2. Bodenversiegelung: Durch Straßen, Parkplätze und verbaute Flächen gehen wichtige Lebensräume für Bienen verloren. Versiegelte Böden bieten kaum Nahrung oder geeignete Nistplätze und gefährden die Vielfalt der Bienenarten.3.
  3. Überdüngung: Zu viel Dünger und Gülle verändern Lebensräume und verdrängen Pflanzen, die auf nährstoffarmen Böden wachsen. Gerade diese Pflanzen sind jedoch wichtige Nahrungsquellen für viele Wildbienen.
  4. Mahd: Häufiges und intensives Mähen verringert das Blütenangebot. Wird blühendes Grünland während der Hauptflugzeit der Bienen gemäht, können zahlreiche Bestäuber getötet und wichtige Nahrungsquellen zerstört werden.
  5. Klimakrise: Steigende Temperaturen, extreme Wetterereignisse und die veränderten Blühzeiten stören das Zusammenspiel zwischen Pflanzen und Bestäubern. 

Was passiert, wenn die Bienen verschwinden?

Viele bedeutsame Nutzpflanzen sind auf Wildbienen als Pollenüberträger angewiesen. Würden Bestäuber stark zurückgehen, hätte das Folgen für Pflanzen, Tiere und Menschen:

  • weniger Vielfalt bei Pflanzen
  • geringere Ernteerträge bei bestimmten Nutzpflanzen
  • gestörte natürliche Kreisläufe
  • Verlust wichtiger Tierarten, wie z.B. einige Schlupf- und Goldwespen, Käfer, Fliegen oder Vögel, die auf Wildbienen spezialisiert sind.

Der Schutz von Bienen ist deshalb auch ein Schutz unserer Ernährung und unserer Umwelt.

Mädchen hat ganzen Apfel im Mund und lacht, im Hintergrund ein Apfelbaum

canva

Werden Sie aktiv: 3 Tipps zum Bienen schützen

  1. Pflanzen und gärtnern Sie bienenfreundlich - egal, ob in Ihrem Garten oder auf Ihrem Balkon oder Fensterbrett - entdecken Sie unseren Nationalpark Garten und finden Sie hier wertvolle Tipps zum naturnahen Gärtnern.
  2. Spenden Sie jetzt und helfen Sie, uns gemeinsam langfristig gegen Umweltgifte und für Artenvielfalt einzusetzen. Wir schicken Ihnen unser handillustriertes Wildblumenplakat.
  3. Helfen Sie mit Ihrer Stimme: Bienen können in einer Welt voll gefährlicher Pestizide nicht überleben. Unterschreiben Sie jetzt die Petition gegen die Pestizid-Lawine der EU.

Fragen & Antworten

In Österreich leben etwa 700 verschiedene Wildbienenarten, die wilden Verwandten der Honigbiene. Dazu gehören die Hummeln, Pelz-, Zottel-, Sand- und Seidenbienen und eine Vielzahl von kleinen und unscheinbaren Arten, die man leicht mit Fliegen oder Wespen verwechseln kann. Die Populationen vieler Arten sind winzig und empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen. Auch deshalb gelten mehr als die Hälfte der Wildbienenarten in Österreich als bedroht.

Ein Großteil unserer Wildbienenarten lebt in offenen Landschaften wie Wiesen und Trockenrasen. Wildbienen brauchen eigentlich nicht viel zum Glücklichsein: ein ausreichendes Blütenpflanzenangebot mit Pollen und Nektar zum Fressen und für die Larvenaufzucht, geeignete Nistmöglichkeiten sowie Material zumNestbau. Durch den Pestizid-Einsatz und verringerte natürliche Lebensräume fallen genau die Lebensbedingungen für die Bienen weg, die sie brauchen.

Ja. Viele Wildbienenarten in Österreich sind gefährdet, weil ihre Lebensräume immer kleiner werden. Besonders betroffen sind Arten, die auf bestimmte Pflanzen oder spezielle Nistplätze angewiesen sind. 

Zu den größten Risikofaktoren in Österreich und weltweit zählen der Verlust natürlicher Lebensräume, der Einsatz von Pestiziden, intensive Landwirtschaft, fehlende Blühflächen und die Folgen des Klimawandels. 

  • Bienenfreundliche Pflanzen setzen: Heimische Blumen, Kräuter und Sträucher bieten Bienen wertvolle Nahrung. Besonders wichtig sind Pflanzen, die vom Frühjahr bis in den Herbst blühen.
  • Auf Pestizide verzichten: Vermeiden Sie chemisch-synthetische Pestizide im Garten und schaffen Sie natürliche Lebensräume für Bienen und andere Bestäuber.
  • Wildblumenwiesen fördern: Blühflächen bieten Nahrung und Lebensraum. Schon kleine Flächen am Balkon, im Garten oder im öffentlichen Raum können einen wichtigen Beitrag leisten.
  • Nisthilfen schaffen: Viele Wildbienen benötigen geeignete Nistplätze. Natürliche Strukturen wie Totholz, offene Bodenstellen oder Nisthilfen unterstützen sie dabei.
  • Bodenversiegelung vermeiden: Versiegelte Flächen wie betonierte Gärten oder asphaltierte Bereiche bieten Bienen weder Nahrung noch Nistmöglichkeiten. Naturnahe Grünflächen helfen, Lebensräume zu erhalten.
  • Nachhaltige Landwirtschaft unterstützen: Eine vielfältige, naturverträgliche Landwirtschaft mit weniger Pestiziden und mehr Lebensräumen wie Blühstreifen und Hecken schafft bessere Bedingungen für Bienen und andere Bestäuber.
  • GLOBAL 2000 unterstützen: GLOBAL 2000 setzt sich für den Schutz der Artenvielfalt, eine nachhaltige Landwirtschaft und eine pestizidfreie Zukunft ein. Mit Ihrer Unterstützung können wir gemeinsam bessere Rahmenbedingungen für Bienen schaffen.

Besonders hilfreich sind heimische Pflanzen, die über eine lange Blütezeit hinweg Nahrung für Bienen und andere Bestäuber bieten. Im eigenen Garten können zum Beispiel Wildblumen wie Kornblume, Margerite, Natternkopf oder Wiesensalbei, blühende Kräuter wie Thymian, Oregano und Schnittlauch sowie heimische Sträucher wie Wildrose, Schlehe oder Weißdorn gepflanzt werden.

Auch Obstbäume und Beerensträucher wie Apfel, Kirsche, Himbeere oder Johannisbeere sind wertvolle Nahrungsquellen. Ein naturnaher Garten ohne Pestizide, mit vielfältigen Pflanzen, blühenden Bereichen und möglichst wenig versiegelten Flächen schafft wichtige Lebensräume für Bienen und viele andere Insekten.

Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubung durch Bienen liegt in Österreich bei etwa 900 Millionen Europa, europaweit bei etwa 15 Milliarden Euro. Weltweit rechnet man bei einem vollständigen Aussterben der Bienen mit einem wirtschaftlichen Schaden von etwa 250 Milliarden Euro, es gibt aber auch Schätzungen, die bis 310 Milliarden Euro reichen.