Honigbienen und Wildbienen sind bedroht

Mitte der Neunzigerjahre stellten Imker ein zunehmendes Sterben ganzer Bienenvölker fest. Seitdem hat sich die Situation für die Honigbienen kontinuierlich verschlechtert. In Österreich ist die Zahl der Honigbienenvölker von 1995 bis 2015 um 25 Prozent gefallen - das sind über 100.000 Bienenvölker!

Und die Lage der Wildbienen ist ähnlich bedrohlich: Über die Hälfte der ca. 700 in Österreich ansässigen Wildbienenarten ist bedroht. Auch in Europa: Erstmals wurden 2015 die europaweite Situation der Wildbienenarten durch die Weltnaturschutzunion untersucht – mit einem alarmierenden Ergebnis. Fast jede zehnte Wildbienenart ist in Europa vom Aussterben bedroht. Weitere 5,2 Prozent stehen kurz davor. Auch die Bestandstrends sind alarmierend: Bei 7,7 Prozent der Arten gehen die Bestände zurück, 12,6 Prozent sind noch stabil und nur die Bestände von 0,7 Prozent der Arten zeigen eine positive Entwicklung. (Die Bestandsentwicklung der restlichen 79 Prozent ist allerdings unbekannt.)

Wichtige Bienen: Ohne Bestäubung keine Nahrung

Ohne Bienen gäbe es viele unserer Nahrungsmittel nicht - oder zumindest nicht in einer reichhaltigen Fülle. Denn ohne die Betäubung der Blüten durch Bienen oder anere Insekten gibt es auch kein Obst und Gemüse. Etwa 70 Prozent der blühenden Pflanzenarten sind darauf angewiesen, von Bienen und anderen Insekten bestäubt zu werden.

Bienen Infografik: Das leisten die Bienen

Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubung durch Bienen liegt in Österreich bei ca. 900 Millionen Euro, europaweit bei etwa 15 Milliarden Euro. Weltweit rechnet man bei einem vollständigen Aussterben der Bienen mit einem wirtschaftlichen Schaden von etwa 250 Milliarden Euro, es gibt aber auch Schätzungen, die bis 310 Mrd. Euro reichen. Die Welternährungsorganisation FAO hat errechnet, dass von den weltweit 100 wichtigsten Nutzpflanzen 71 von Bienen bestäubt werden. Diese 100 Pflanzen sichern zusammen 90 Prozent der weltweiten Nahrungsmittelversorgung.

Gründe für das Bienensterben

Den einen Grund für das Bienensterben gibt es nicht. Doch die meisten Gefahren für die Bienen sind menschengemacht. In den 1960er Jahren vollzogen sich gewaltige Umbrüche in unserer Landwirtschaft: von vielfältigen Strukturen hin zu ausgeräumten industriellen Agrarwüsten. Die Veränderung hatte große Auswirkungen auf die Wildbienen und die biologische Vielfalt.

Monokulturen

In ausgeräumten, monotonen Agrarlandschaften ohne Kräuter, Blühpflanzen und Hecken finden die Bienen keine Nahrung. Im konventionellen Getreideanbau und in Maisfeldern für Biogasanlagen blüht nichts. Früher wurden in der Landwirtschaft viele verschiedene Nutzpflanzen angebaut. Heute sind es nur noch wenige, die in großflächigen Monokulturen mit verkürzter Fruchtfolge wachsen. Sind diese Pflanzen verblüht, finden die Bienen keine Nahrung mehr.

Überdüngung

Die konventionelle Landwirtschaft setzt massiv Dünger und Gülle ein. Pflanzen, die nährstoffarme Standorte bevorzugen, werden verdrängt. Doch gerade diese Pflanzen sind wichtige Nahrungsquellen für viele Wildbienenarten.

Mahd

Das bleibende Grünland wird intensiver und öfter als früher gemäht. So verarmt das Blütenangebot noch weiter. Wird Grünland mit Löwenzahn oder Klee zur besten Bienenflugzeit bei schönem Wetter gemäht, können in den Mähwerken zehntausende Bienen auf einem Hektar sterben.

Einsatz von Pestiziden

Der massenhafte Einsatz von Pestiziden, wie zum Beispiel Neonicotinoiden, hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Bienenlarven und ihre Larven. Die Mengen an Pestiziden, welche die Bienen aufnehmen, sind zwar oft nicht unmittelbar tödlich. Werden die Pestizide aber in die Bienenstöcke eingeschleppt, so schwächen sie das ganze Volk. Neonicotinoide schädigen auch das Orientierungsvermögen und die Kommunikationsfähigkeit der Bienen. So geschädigt können sie Futterquellen nicht mehr an andere Bienen "weitererzählen" oder sie sind so desorientiert, sie nicht mehr in den Bienenstock zurück finden kläglich verenden. In der Häufung kann das zum Tod ganzer Bienenvölker führen.

Bienen Infografik: Warum die Bienen sterben

Das Bienensterben führt zu weiterem Artenverlust

Bienen sichern aber nicht nur die Ernteerträge, sondern auch die Vielfalt und das Überleben unzähliger Wildpflanzen! Viele Wildbienenarten bestäuben im Laufe des Jahres in den verschiedensten Ökosystemen viele unterschiedliche Blütenpflanzen.

Mit der Gefährdung vieler Wildbienenarten durch die anhaltende Zerstörung der Lebensräume in unseren Landschaften bedrohen wir also nicht nur eine faszinierende Insektengruppe. Wir setzen die vielleicht wichtigsten Arten unserer Ökosysteme aufs Spiel.

Wildbienen sind für die Bestäubung vieler Blütenpflanzen überaus wichtig. Dementsprechend wirkt sich der Rückgang der Wildbienenpopulationen auch auf andere Arten und Ökosysteme aus. Viele bedeutsame Nutzpflanzen sind auf Wildbienen als Pollenüberträger angewiesen. Und eine ganze Reihe anderer Tiere, wie zum Beispiel einige Schlupf- und Goldwespen, Käfer, Fliegen oder Vögel, sind auf Wildbienen spezialisiert. Mit den Wildbienen sterben auch sie.

Wildbienen - die wilden Verwandten der Honigbiene

Die Honigbiene kennt jedes Kind. Aber in Österreich leben auch ca. 700 verschiedene Wildbienenarten, die wilden Verwandten der Honigbiene. Dazu gehören die Hummeln, Pelz-, Zottel-, Sand- und Seidenbienen und eine Vielzahl von kleinen und unscheinbaren Arten, die man leicht mit Fliegen oder Wespen verwechseln kann. Die Populationen vieler Arten sind extrem klein und empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen. Auch deshalb gelten mehr als di Hälfte der Wildbienenarten in Österreich als bedroht.

Ein Großteil unserer Wildbienenarten lebt in offenen Landschaften wie Wiesen und Trockenrasen. Hier finden sie trockene und warme Nistmöglichkeiten und ein reiches Blütenangebot. Wildbienen brauchen eigentlich nicht viel zum Glücklichsein: ein ausreichendes Blütenpflanzenangebot mit Pollen und Nektar zum Fressen und für die Larvenaufzucht, geeignete Nistmöglichkeiten sowie Material zum Nestbau. Doch in einer von der industriellen Landwirtschaft geprägten Landschaft mangelt es genau daran.