Publikation, 25.06.2019

Aufgeflattert: Biodiversität in Österreich - eine Vision für 2030

Wir blicken in die Zukunft der Artenvielfalt in unserem Land. Lesen Sie im Report, welche Maßnahmen in den kommenden zehn Jahren die Biodiversität in der Natur fördern.

Der vorliegende Bericht erreicht uns direkt aus der Zukunft: dem Jahr 2030! Es handelt sich um Science-Fiction im besten Wortsinn – eine wissenschaftlich fundierte Vision. Wie könnte es im Jahr 2030 sein, wenn wir endlich das Richtige tun? Auf unsere Reise in die Zukunft haben uns ausgewiesene Fachexpertinnen und -experten verschiedener Disziplinen begleitet. Das war eine Herausforderung, um nicht zu sagen ein Abenteuer. Bedeutete diese Reise doch den sicheren Boden der Realität zu verlassen und eine bessere und schönere Zukunft zu denken.

Bläuling Schmetterlinge

Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome, Land der Vielfalt zukunftsreich! Österreich hat es nun - im Jahr 2030 - endlich geschafft, eine Trendwende, die nur die größten Optimisten für möglich gehalten hatten! Nachhaltige Nutzung und somit Schonung unserer natürlichen Ressourcen ist die wesentliche Grundlage unseres täglichen Lebens und Wirtschaftens geworden. Der öffentliche Diskurs zuvor war mühselig und hat manches Opfer verlangt, aber es hat sich gelohnt!

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Schmetterlinge sind heute wieder fast allgegenwärtig und belegen stellvertretend für viele andere Lebewesen das Umdenken von kurzfristig und einseitig Gewinn maximierendem zu ökologisch-nachhaltigem Wirtschaften. Sie sind innerhalb eines guten Jahrzehntes ein unübersehbarer Indikator für den gesellschaftlichen Umbruch geworden. Möglich wurde dies u. a. durch eine konsequente Verfolgung von Maßnahmen gegen das Insektensterben, aufbauend auf einem, von führenden Wissenschaftlern vor 12 Jahren formulierten, Aktionsplan (Naturmuseum Stuttgart 2018). Das immer offensichtlicher werdende Risiko eines ökologischen Kollapses und anhaltende Proteste der Jugend führte zu einer Kettenreaktion: Immer mehr Forschende unterstützten die Forderungen nach grundlegenden Veränderungen und Bürgerdialoge aller Bevölkerungsschichten zwangen die politischen EntscheidungsträgerInnen schlussendlich zu mehr Weitsicht und zur Umsetzung folgender Maßnahmen.

Mit welchen Maßnahmen wir unser Ziel erreicht haben

  1. Bei allen neuen Gesetzen, Erlässen, Förderungen und Steuern wird überprüft, ob sie die Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung sowie die 2020 aktualisierten Aichi-Biodiversitätsziele unterstützen. Bestehende Regelungen wurden in einer Übergangsphase von 5 Jahren entsprechend angepasst.
  2. Die Landnutzung orientiert sich in allen Bereichen (Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Raumplanung) an dem Ziel, die Ökosystemleistungsbilanz zu optimieren und so multifunktionale und lebensfreundliche Landschaften zu fördern.
  3. Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft wird durch adaptierte Zulassungsverfahren, einem Verbot von vorbeugendem Pflanzenschutz und der Verbannung von Neonicotinoiden und Totalherbiziden, stark eingeschränkt.
  4. Agrarsubventionen orientieren sich an dem Ziel einer nachhaltigen Landwirtschaft sowie der Förderung ökologischer Leistungen durch Brachflächen, Strukturreichtum und Biotopvernetzung sowie der Begrenzung von Nährstoffüberschüssen. Die zielorientierten Förderungen orientieren sich am Ergebnis (Zunahme bzw. Erhalt der Biodiversität) und nicht an den Maßnahmen.
  5. Erhöhung der Artenvielfalt des Grünlands durch insektenfreundlichere Bewirtschaftungsweisen und einem weitgehenden Stopp des Verlustes an Grünland.
  6. Das Management von Naturschutzgebieten ist auf Insekten abgestimmt und die Fläche der geschützten Gebiete hat sich bis 2030 verdoppelt.
  7. Mehr Natur im öffentlichen Raum durch insektenfreundliche Grünflächen und die Erhöhung des einheimischen Blühpflanzenanteiles im urbanen Raum.
  8. Förderung von Wildbestäubern u. a. durch einen höheren Schutzstatus.
  9. Weniger Lichtverschmutzung durch technische Umrüstung bestehender Beleuchtungsanlagen auf für Insekten weniger attraktive Lampen und Leuchten und einer massiven Reduktion von Kunstlicht im Freiland.
  10. Forschungs- und Bildungsoffensive durch die Implementierung einer Taxonomie-Offensive für Experten und Amateur-Entomologen sowie die Förderung der Artenkenntnisse in breiten Bevölkerungsschichten.
  11. Etablierung eines österreichweiten systematischen Biodiversitäts-Monitoring und insbesondere eines Insekten-Monitorings.
  12. Öffentlichkeitsarbeit durch Fortbildungen für Lehrende sowie Bewusstseinsbildung in weiten Bevölkerungskreisen über mediale Aktivitäten.

Das Ruder noch einmal herumgerissen

Die Forderungen waren auch für Österreich mehr als berechtigt, dokumentierten doch drei Reports der Stiftung Blühendes Österreich und von GLOBAL 2000 bereits für viele, vor allem intensiver genutzten Regionen Österreichs, einen dramatischen Rückgang der Schmetterlinge – sowohl in Bezug auf die Artenvielfalt als auch der Populationen. Durchschnittlich etwa 40 - 60 % des Artenbestandes der Schmetterlinge wurden bereits in den regionalen oder gar nationalen Roten Listen verzeichnet. Der Erhaltungszustand der Schmetterlingsvorkommen wurde überwiegend nur noch in vereinzelten großen Schutzgebieten und Teilen des schwer nutzbaren alpinen Raumes als günstig eingestuft. Vor allem diese Gebiete sowie kleine und oft weit zerstreute Restbestände sollten sich als äußerst wertvolle Arche Noah für die langsam einsetzenden Verbesserungsmaßnahmen erweisen. Ein durch die breite Diskussion zum Insektensterben angeregtes Monitoringprogramm wurde ausgehend von Tirol auf nationaler Ebene implementiert und lieferte letztlich die dringend benötigten Grundlagendaten für Managementmaßnahmen und stichhaltige Beweise für eine langsame, positive Veränderung, die zunehmend eine beeindruckende Dynamik erreichte (viel-falter.at). Die Populationen vieler seltener Arten beginnen sich zu erholen und es gibt auch wieder einen merklichen Anstieg häufiger Arten. Möglich wurde dies durch viele kleine und wenige große Schritte, die in den folgenden Fachbeiträgen näher beschrieben werden.

Die Experten und Expertinnen

Angesehene und kompetente Autorinnen und Autoren beschreiben den Weg aus der Sackgasse des damals und beleuchten wie diese positive Entwicklung Österreichs möglich war. Markus Schermer betrachtet die Entwicklung aus ökonomischer und agrar-soziologischer Sicht, Andrea Schwarzmann zeigt Alternativen in Richtung einer ökologisch orientierten Landwirtschaft auf, Ulrike Tappeiner skizziert eine positive Entwicklung der Landschaft, Johann Zaller beschreibt die elementare Bedeutung der Böden, Gabór Wichmann beleuchtet Naturschutzaspekte, Renate Christ widmet sich schließlich den Herausforderungen des Klimawandels und Erich Tasser skizziert die Veränderungen in Bezug auf die allgemeine Biodiversität.

Visionäre Praktiker aus der Landwirtschaft, konkret Ilse Gumprecht und Emanuel Zillner, Carmen und Walter Watzl, Thomas Schranz und Martin Pfeiffer, Daniela und Josef Braunreitner erzählen in Interviews über ihren ganz persönlichen Kampf damals zur Erreichung des Wunschzustandes heute.

Lesen Sie den gesamten Report unten im Downloadbereich.