Wildbiene, Hummel

Was sind Neonicotinoide?

Neonicotinoide zählen zu den Nervengiften und zugleich systemischen Pestiziden, d.h. sie werden über die Wurzel aufgenommen und verteilen sich dann in der gesamten Pflanze. Mit dem Pollen oder über Guttationstropfen (Wassertropfen auf der Blattrückseite) können diese dann direkt von den Bienen aufgenommen werden. Da sich seit 2003 die Hinweise massive verdichteten, dass Neonicotinoide das Bienensterben mitversursachen, hat die EU-Kommission seit 2013 europaweit drei besonders bienengefährliche Neonicotinoid-Wirkstoffe vorerst verboten. Die Wirkstoffe Clothianidin, Thiomethoxam und Imidacloprid sind verboten bis es neue Erkenntisse zur Bienengefährlichkeit gibt. Im April 2018 stimmten die EU-Mitgliedsstaaten erneut ab und beschlossen ein dauerhaftes Verbot dieser Neonicotinoiden im Freiland.

Wirkung von Neonicotinoide auf Bienen

WissenschaftlerInnen haben belegt, dass Neonicotinoide unter anderem das Orientierungsvermögen der Bienen schädigen. Im Juni 2014 ist dazu auch erstmals eine Meta-Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN) erschienen, die über 200 Studien zusammengefasst hat. Diese liefern zahlreiche deutliche Hinweise, dass Neonicotinoide Insekten (also auch Bienen), Regenwürmer, Fledermäuse, Vögel und weitere Organismengruppen stark schädigen, ohne dass ihre Einwirkung sofort zum Tode führt. Beispielsweise können diese Pestizide neben der Orientierung, auch die Kommunikation und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das Immunsystem schädigen. Orientierungsfähigkeit und Kommunikation sind überlebenswichtige Fähigkeiten für einzelne Bienen. Sogar das Überleben des gesamten Bienenvolkes hängt davon ab. Bienen kommunizieren über eine Art Tanz, der aufzeigt, wo ihre Artgenossen gute Quellen für Nektar, Honigtau oder Pollen finden können. Ist ihr Navigationsgedächtnis gestört, können sie sich nicht mehr "merken", wo sie wichtige Nahrungsquellen gefunden haben – und dies auch nicht mehr an die Arbeiterinnen in ihrem Bienenstock weitergeben. Manche Bienen finden auch gar nicht mehr zurück zu ihrem Volk und verenden kläglich. In der Häufung kann das alles sogar zum Tod ganzer Bienenvölker führen.

Eine 2015 veröffentlichte Studie zeigt, dass auch Bienenköniginnen Schädigungen durch Neonicotinoide erleiden können. Sie wies eine schlechtere Fortpflanzungsleistungen (weniger Arbeiterinnenbrut) nach. Die Gesundheit von Bienenköniginnen ist essentiell für die Honigleistung und die Entwicklung eines Bienenvolkes.

Sind Neonicotinoide gefährlich für Menschen?

Indirekt schon, denn wenn Honigbienen und andere wildlebende bestäubende Insekten geschädigt oder getötet werden, trifft dies jeden von uns: Die Insekten bringen allein in Europa jedes Jahr mit ihrer Bestäubungsleistung einen volkswirtschaftlichen Nutzen von 15 Milliarden Euro. Ohne sie müssten wir auf ein Drittel unserer Nahrungsgrundlage verzichten. Die Auswirkungen auf die Gesundheit von Bienen und Mensch durch einen Pestizid-Cocktail in Honig und Pollen sind noch nicht hinreichend untersucht worden – eine gesundheitsschädigende Wirkung auf Menschen kann daher nicht ausgeschlossen werden.

Das können Sie für Bienen und Insekten tun

  • Kaufen Sie biologische Lebensmittel: In der biologischen Landwirtschaft dürfen keine chemisch-synthetischen Pestizide eingesetzt werden.
  • Setzen Sie in Ihrem Garten keine Insektizide oder andere Pestizide ein! Setzen Sie stattdessen lieber auf biologischen Pflanzenschutz in Ihrem Garten und fördern Sie Nützlinge und greifen Sie auf mechanische (z.b. Unkrautjäten), thermische (z.B. Hitze zur Unkrautbekämpfung, Abflammen) oder biotechnische Methoden (z.B. Gelbtafeln, Pheromonfallen, Nützlinge) zurück. Infos dazu finden Sie in unserer Broschüre Gärtnern ohne Gift