TFA im Trinkwasser: erstmals österreichweite Messdaten

GLOBAL 2000 hat die letzten 2 Jahre landesweit getestet: Die erste österreichweite Datenauswertung zur Belastung von Leitungswasser mit der Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA) zeigt ein klares Bild: 54 von 55 Proben enthalten TFA. Gleichzeitig fehlt bislang ein europaweit einheitlicher Trinkwassergrenzwert für TFA, was die Bewertung erschwert.

Was ist TFA und wie gelangt es ins Trinkwasser?

Wasserhahn über Spüle, aus dem Wasser in ein Glas fließt, Hand hält das Glas und betätigt den Hebel
canva

Trifluoressigsäure (TFA) gehört zur Stoffgruppe der PFAS („Ewigkeitschemikalien“) und ist extrem persistent, hochmobil und weltweit verbreitet – TFA baut sich kaum ab, verteilt sich im gesamten Wasserkreislauf und ist heute in Niederschlag, Gewässern, Böden, Lebensmitteln und Trinkwasser nachweisbar.

Hauptquelle sind PFAS-Pestizide, die im Boden und Grundwasser TFA freisetzen und besonders in landwirtschaftlichen Regionen zu erhöhten Belastungen führen. Zusätzlich tragen fluorierte Gase aus der Kälte- und Klimatechnik zur Hintergrundbelastung bei, während industrielle Einträge punktuell für hohe Belastungen verantwortlich sein können, jedoch keinen flächendeckenden Beitrag leisten. Mehr über PFAS und TFA erfahren

TFA ist erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachweisbar, mit deutlich steigenden Konzentrationen seit den 1980er-Jahren.

Was wurde untersucht?

  • Die Untersuchung wurde im Zeitraum von Mai 2024 bis März 2026 durchgeführt.
  • Sie umfasst 55 Proben aus 44 Wasserversorgungsanlagen, womit rund als 42 % der Bevölkerung (etwa 3,9 Mio. Menschen) abgedeckt werden.
  • Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, ermöglichen jedoch eine erste österreichweite Orientierung.

Zentrale Ergebnisse auf einen Blick

  1. Entnahme einer Wasserprobe durch GLOBAL 2000

    GLOBAL 2000/ Christoph Roland

    54 von 55 untersuchten Leitungswasserproben enthalten TFA.

  2. Alle untersuchten Proben überschreiten den Schwellenwert von 0,1 µg/l gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie für „toxikologisch relevante Pestizid-Metaboliten“ im Grundwasser.
  3. Der niedrigste bestehende Trinkwassergrenzwert (2,2 µg/l, Niederlande/Belgien-Wallonien) wird in einzelnen Fällen überschritten.
  4. Der deutlich höhere deutsche Leitwert von 60 μg/l wird von allen Proben deutlich unterschritten.
  5. Die gemessenen Konzentrationen liegen zwischen < 0,05 und 4,6 µg/l.
  6. Höhere Belastungen treten vor allem in landwirtschaftlich geprägten Regionen auf.

Bundesländer nach TFA-Werten

Choroplethenkarte von Österreich mit farblich markierten Bundesländern in Blauschattierungen und den jeweiligen Werten. Oberösterreich hat mit 2,36 den höchsten Wert und ist dunkelblau dargestellt. Weitere Werte: Steiermark 1,23, Niederösterreich 1,02, Wien 0,96, Burgenland 0,65, Vorarlberg 0,62, Kärnten 0,61, Salzburg 0,58 und Tirol 0,46.

GLOBAL 2000 / Skye Ebner

Bundesländer mit intensiverer Ackerbaunutzung weisen höhere Belastungen auf als alpine Regionen.

Dazu gehören z.B. Oberösterreich, Niederösterreich, Steiermark.

Wie stark ist Ihr Trinkwasser belastet?

Wie hoch sind die TFA-Werte der Wasseranbieter in Ihrer Umgebung? In der Publikation finden Sie alle getesteten Gemeinden mit dem Wasserversorger und dem gemessenen TFA-Wert. Finden Sie heraus, welche Werte in Ihrer Region gemessen wurden:

Gesundheitliche Bedeutung

Die Bewertung von TFA verändert sich derzeit: Während die Substanz lange als unbedenklich galt, weisen neuere Studien auf mögliche gesundheitlich relevante Wirkungen hin.

Nach aktuellem Stand stellen die in Österreich gemessenen Konzentrationen im Trinkwasser jedoch kein unmittelbares Gesundheitsrisiko dar.

Aktueller Stand der Forschung

  • Kind trinkt aus Trinkwasserspender

    Volodymyr Tverdokhlib / Shutterstock

    Reproduktionstoxizität: Vorschlag zur Einstufung als „reproduktionstoxisch, Kategorie 1B“ bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)

  • Hormonelle Wirkungen: Hinweise auf endokrin-disruptive Eigenschaften, insbesondere bei Schilddrüsenhormonen
  • Immuntoxizität: mögliche Beeinträchtigungen des Immunsystems

Studien zur möglichen krebserzeugenden Wirkung fehlen noch immer.

Aus Vorsorgegründen gilt: TFA-Belastungen sollten möglichst gering gehalten werden, vor allem für empfindliche Gruppen wie Schwangere und Kinder. Da TFA technisch kaum aus dem Trinkwasser entfernt werden kann, ist die Vermeidung zusätzlicher Belastungen der Umwelt entscheidend.

Was wir jetzt brauchen

GLOBAL 2000 fordert – gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten für eine gesunde Umwelt – rasches politisches Handeln:

Fünf Personen halten vor einem Gebäude ein Banner mit der Aufschrift 'BM Totschnig - STOPP Pestizide Artenschutz JETZT'

GLOBAL 2000 / Christopher Glanzl
  1. Ausstieg aus PFAS-Pestiziden und vergleichbaren TFA-Vorläufersubstanzen

  1. Ausstieg aus F-Gasen durch konsequente Umsetzung des PFAS-Beschränkungsvorschlags unter REACH

  2. Harmonisierter, vorsorgeorientierter Trinkwassergrenzwert für TFA auf europäischer Ebene

  3. Verpflichtendes Monitoring sowie transparente Veröffentlichung der Messdaten

  4. Keine Abschwächung bestehender Pestizidschutzstandards im Rahmen der aktueller EU-weiten “Omnibus”-Gesetzesinitiativen

Diese Forderungen stehen im Einklang mit den Forderungen zahlreicher europäischen Wasserverbände, die ebenfalls ein Ende aller Anwendungen verlangen, die zur Freisetzung von TFA beitragen.

Fazit

  • TFA ist in Österreichs Trinkwasser nahezu überall nachweisbar.
  • Die Konzentrationen liegen aktuell unterhalb akuter Gesundheitsrisiken.
  • Es fehlen jedoch klare, harmonisierte Grenzwerte.
  • Langfristig steht die Vermeidung von noch mehr Belastung im Fokus.

Fordern Sie mit uns ein umfassendes Verbot der PFAS-Pestizide!

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