Neuigkeit, 09.03.2020

Hummelpfarrer Ambros Aichhorn über seinen Garten Eden

Jeder Garten will den Garten Eden - das Paradies - nachahmen. Der Name Eden bedeutet Glück, Lust und Freude. Auf meinem Archehof Vorderploin in der Pongauer Gemeinde Goldegg (Salzburg) entsteht nun ein weiterer Nationalpark Garten von GLOBAL 2000.

Das Wort „Garten“ besagt, dass hier bestimmte Pflanzen gefördert und gepflegt werden. Dieser Garten kann nicht bloß Wildnis sein - ein Garten für faule Gärtner. Es ist wichtig und sinnvoll den Wildblumen, die weithin verschwunden sind, und ihren Besuchern einen Chance zum Wachsen und Gedeihen zu geben.

Es soll ein Naturgarten entstehen, der auch eine verwilderte Ecke verträgt, wenn sie damit die Vielfalt der Tierwelt fördert. Eine Synthese zwischen wilden und veredelten Pflanzen hilft jedenfalls den summenden Insekten. Allzu stark wuchernde Gewächse muss man eindämmen. Wo Kinder spielen, bleibt der Rasen niedrig. Kinder haben eine irre Begeisterung für das bunte Leben, wenn man sie informiert. Sie lernen beobachten und auch achtsam damit umzugehen.

Taubnessel und Geißblatt

Ich möchte heute zwei wichtige Hummelblumen vorstellen: die Taubnessel und das Geißblatt, die wilden oder veredelte Formen.

Die wilde Gefleckte Taubnessel Lamium maculatum beginnt zeitig im Frühjahr zu blühen. Gleichzeitig erscheint die Ackerhummel aus ihrem Winterbiwak in der Erde. In der heißen Zeit des Sommers wachsen einzelne lange Triebe, die blühen. Wenn es wieder kühler wird – gegen Ende des Sommer – kommt eine neue Blütenpracht. Diese ist so ausgiebig, dass einige junge Königinnen der Gartenhummel nicht in die Winterruhe gehen, sondern schon im ersten Sommer eine Kolonie gründen. Wenn der Schnee wieder schmilzt, sieht man im Dezember noch frostharte rote Blüten.
Hummel auf Taubnessel (c) Ambros Aichhorn

Im Gemüsegarten wächst die Gefleckte Taubnessel gern an freien Stellen am Rand der Gemüsebeete. Ich pflanze sie immer wieder neu in meinem Hummelgarten, wo sie von Gräsern und Brennnessel verdrängt wird. Die Blätter der Taubnessel bleiben das ganze Jahr über grün. Die Triebe wachsen flach dahin und können neue Wurzeln ausbilden, wo sie die Erde berühren.

Die weiße Taubnessel lebt auch am Gartenrand, kann sich aber auch in der Wiese behaupten. Sie ist eine bedeutsame Hummelpflanze, blüht ebenso im Frühjahr und im Herbst und vermehrt sich durch unterirdische weiße Ausläufer.

Die Zunft der Gärtner kann Blüten größer und bunter gestalten, manchmal aber auch verpfuschen. Vor einigen Jahren habe ich Gefleckte Taubnesseln gekauft. Der Topf mit den herrlich roten Blüten stand am Balkon neben dem Esstisch. Garten- und Ackerhummeln – beide besitzen lange Zungen – saugten Nektar und höselten Blütenstaub vor meinen Augen. Der Rüssel der Honigbiene mit ist mit sechs Millimeter zu kurz. Sie kann höchstens den Pollen einsammeln. Die volle Blütenpracht hielt den ganzen Sommer an bis zum Wintereinbruch. Dieses Jahr habe ich wieder diese Gefleckte Taubnessel bestellt. Leider aber waren die Blüten diesmal weiß und die Triebe mickrig. Die Lebenskraft und die Gene der roten Farbe sind wohl verloren gegangen.

Im Herbst und zeitig im Frühjahr ist die beste Zeit zum Setzen von Sträuchern. Mein liebster Schwärmer- und Hummelstrauch ist das Geißblatt an der Nordwestecke meines Hauses. Weithin strahlen die goldgelben Blüten. Der Nektar wird vorzüglich in der Nacht hergestellt. Das passt besonders für die Nachtfalter. Sind diese nicht zahlreich vertreten, werden bei Tag Gartenhummeln und das Taubenschwänzchen aus weiter Ferne angelockt.
Hummel auf Geißblatt (c) Ambros Aichhorn

Die Gartenhummel – mit drei gelben Strichen, hinten weiß – besitzt in der Hummelfamilie die längste Zunge, bis 22 mm. Die Hummel kann beim Anflug und Festhalten zugleich vor dem Saugen den Blütenstaub abnehmen. Falter können das nicht. Erscheinen nur wenig Gartenhummeln, dann fliegen Baumhummeln – braun, hinten weiß – an, hängen sich an die senkrechten Staubgefäße und nehmen zitternd und brummen den Pollen ab.

Das reizvolle Taubenschwänzchen ist ein Schwärmer, fliegt aber bei Tag. Die zu Borsten umgeformten Schuppen bilden einen „Schwanz“, der zum Steuern verwendet wird. Im Rüttelflug „steht“ es vor der Blüte, frei in der Luft wie ein Kolibri und saugt mit dem sehr langen Rüssel den Nektar heraus.

 

Ambros Aichhorn
Ambros Aichhorn ist katholischer Priester, Wissenschafter, Bergbauer, Tierzüchter und passionierter Hummelbeobachter im Salzburger Pongau.