David und Goliath vereinen ihre Kräfte und verändern mit dem Pro Planet-Siegel die konventionelle Landwirtschaft. Die bisher erzielten Erfolge geben  GLOBAL 2000 Recht: Die Kooperation mit REWE International AG und Caritas Österreich war eine richtige Entscheidung.

TEXT VON KEWIN COMPLOI, GLOBAL 2000-NHP-Mitarbeiter

Es war innerhalb von GLOBAL 2000 nicht ganz unumstritten, als vor zwei Jahren die Kooperation mit REWE und Caritas Österreich eingegangen wurde. Immerhin steht GLOBAL 2000 nach wie vor hinter der Überzeugung, dass Bio eindeutig die bessere Wahl ist. Nun sollte man KonsumentInnen konventionelle Lebensmittel empfehlen, noch dazu in Zusammenarbeit mit einem großen Konzern? Schließlich wogen jedoch die Möglichkeiten, den größten Sektor der Landwirtschaft positiv zu beeinflussen, stärker als alle Bedenken — wir wagten das Experiment im Rahmen des GLOBAL 2000-Nachaltigkeitsprogramms NHP.

Das Pro Planet-Siegel
Ziel der Kooperation ist es, die konventionelle Landwirtschaft nachhaltiger zu machen. Während die Caritas die Einhaltung sozialer Standards gewährleistet, arbeitet GLOBAL 2000 daran, die Produktion konventioneller Lebensmittel umweltfreundlicher zu gestalten. Zu diesem Zweck nehmen wir die gesamte Produktionskette — vom Feld über die  Lagerung, von der Verpackung bis zum Regal in der Filiale — unter die Lupe. Die besten Betriebe werden dann mit dem Pro Planet-Siegel ausgezeichnet.

Wir bewerten den Verbrauch nicht erneuerbarer und erneuerbarer Ressourcen bei der Herstellung eines Produkts, die Emission von Treibhausgasen, Flächenbelegung und Wasser-Rucksack, den Einsatz von Pestiziden, die Humus-, Stickstoff- und Phosphorbilanz und den Energieverbrauch. Die ermittelten Werte werden auf proplanet-label.at  veröffentlicht — so können sich KonsumentInnen ein Bild davon machen, wieviel CO2 beispielsweise ein Kilo Äpfel verursacht und wie viele Pestizide angewendet wurden.

Will ein Produkt tatsächlich das Pro Planet-Siegel erhalten, müssen alle Obergrenzen und zusätzliche produktspezifische Richtlinien eingehalten werden. Diese Vorgaben erarbeitet GLOBAL 2000 in Zusammenarbeit mit LandwirtInnen, LieferantInnen und unabhängigen ExpertInnen. 

Kritischen KonsumentInnen steht nun auch bei konventionellen Produkten eine umweltfreundlichere Alternative zur Verfügung. Unsere erste Empfehlung sind und bleiben natürlich weiterhin biologische und saisonale Produkte aus der Region.
 
„Regenwaldfreundliche Hühner“
Die Kooperation mit einer großen Handelskette wie REWE bietet GLOBAL 2000 die Möglichkeit, die Produktion konventioneller Lebensmittel für den Massenmarkt zu beeinflussen und somit die ökologischen Belastungen zu verringern. Ein gutes Beispiel dafür sind die Pro Planet-Freilandeier. Ursprünglich wurden die Legehennen auch mit  Soja aus Südamerika gefüttert. Jährlich werden in Südamerika rund 200.000 km2 tropischer Wälder und Savannen vor allem für den Anbau von Gensoja unwiederbringlich zerstört. GLOBAL 2000 hat im Rahmen von Pro Planet eine verbindliche Richtlinie durchgesetzt, die vorsieht, dass bis 2014 das brasilianische Soja durch Soja oder andere Futtermittelkomponenten aus europäischer Produktion ersetzt werden muss. Das führt zu einer erheblichen Einsparung an Treibhausgas-Emissionen, da Soja in Europa die Fruchtfolge bereichert statt Regenwald zu zerstören.

Eine weitere GLOBAL 2000-Richtlinie bei Pro Planet-Freilandeiern ist das Belassen von Blühstreifen im Freiland und die Pflanzung von Kren, Brennnessel und Bäumen rund um die Ställe. Während Kren und Brennnessel Nitrat- und Phosphatüberschüsse im stallnahen Auslaufbereich binden und Bäume Ammoniakemissionen aufnehmen, erhöhen Blühstreifen die Artenvielfalt und tragen zu einem Hühner freundlicheren Auslauf bei.

Obst und Gemüse
Auch bei Obst und Gemüse versucht GLOBAL 2000 im Rahmen von Pro Planet  produktspezifische Probleme zu entschärfen. So wird etwa der Einsatz besonders bedenklicher Pflanzenschutzmittel verboten. Auf Pro Planet-Erdbeerfeldern haben wir versuchsweise einen Teil der Pestizid-Anwendungen durch Bio-Mittel ersetzt und waren damit so erfolgreich, dass die Betriebe unsere Empfehlungen jetzt auf größeren Flächen umsetzen.

Auch das Drumherum ist wichtig
Bei verpacktem Obst und Gemüse drängt GLOBAL 2000 auf möglichst ressourcenschonende Varianten. Bei Trauben konnten durch die Umstellung von einer Kunststoff — auf eine Holzschliffverpackung pro Kilogramm 230 Gramm CO2 eingespart werden.
Das Engagement im Rahmen von Pro Planet hat sich für GLOBAL 2000 als eine effektive Möglichkeit herausgestellt, die konventionelle Landwirtschaft positiv zu beeinflussen und konkrete Veränderungen durchzusetzen.