Neuigkeit, 16.12.2020

Wer vom Einwegmüll profitiert

Wer sind die Profiteure von Einwegsystemen und bremsen somit ein umfassendes Pfandsystem

Die Debatte um Einweg- bzw. Mehrwegverpackungen ist eine, die immer wieder aufkommt. Welche Getränkeverpackung ist ökologisch vorteilhafter? Womit trage ich zu mehr Umweltschutz bei? Ökobilanzen stellen Zeugnisse darüber aus, wie umweltfreundlich oder eben nicht einzelne Produkte sind. Interessant für die Betrachtung der Thematik ist aber auch ein Blick auf die wirtschaftlichen Motive für die Verwendung von Ein- oder Mehrwegverpackungen. Wir zeigen euch, wer die Profiteure von den jeweiligen Systemen sind.

Pfand Bremser Aktion

76 % Gewinneinbußen

Eine Untersuchung der Montanuniversität Leoben zeigt, welche wirtschaftlichen Vor- und Nachteile einzelne Branchen in Bezug auf Einweg-PET-Flaschen oder Mehrweg-Glasflaschen haben. Dabei zeichnet sich ein klares Bild ab: Bei Einweg-PET-Flaschen ergibt sich ein viel größeres Stück vom Gesamtgewinn-Kuchen für einzelne Branchenmitglieder. Laut der Berechnungen von Wellacher und Kastelic verringert sich bei der Abfüllung in Mehrweg-Glasflaschen der Gesamtgewinn von Verpackungsherstellern, Getränkeabfüllern, Supermärkten und Abfallwirtschaft um ganze 76 %.

Bei den Abfüllern bleibt der Gewinn bei Einweg- und Mehrweg Systemen allerdings in etwa gleich. Mit Mehrwegflaschen ist ihr Gewinn sogar leicht höher. Vom Wegwerf-System bei Flaschen profitieren hingegen die Supermarktkonzerne am stärksten. Warum? Weil dadurch Personalkosten und zusätzlicher logistischer Aufwand reduziert werden. Daher verwundert es nicht, dass Einzelhandel und die Abfallwirtschaft die Entwicklung des Mehrwegsektors blockieren und genau diese Branchen versuchen uns glauben zu lassen, dass es ökologisch keinen Unterschied macht.

Mehrwegsysteme sind deshalb insgesamt aber nicht teurer, die Einnahmen sind nur anders aufgeteilt. So verbleibt beispielsweise bei Mehrweg ein größerer Anteil im Personalaufwand für die Logistik der Rückgabe, Sortierung und Reinigung der Flaschen, aber es ergeben sich große Ersparnisse bei den Lizenzgebühren (= Abgaben, die Hersteller an die Abfallentsorgung tätigen müssen).

Die Behauptung, dass die Konsumenten für den Rückgang im Mehrwegbereich verantwortlich sind, ist ein übliches Feigenblatt der Industrie. Erhebungen zeigen, dass einzelne Branchen auf die Ausgestaltung der Systeme mehr Einfluss nehmen können als andere. Die KonsumentInnen hingegen haben mit ihrem Kaufverhalten nur einen verhältnismäßig kleinen Einfluss auf das Angebot von Mehrweg.

Wir zeigen euch die Pfand-Bremser

Von der Regierung wurde angekündigt, es gäbe noch dieses Jahr eine finale Entscheidung zu einem Pfandsystem. Doch es wurde ruhig um das Thema. WKÖ, ARA und Handelsverband blockieren die Entscheidung und setzen sich mit aller Kraft gegen zukunftsfähige Lösungen ein. Die ARA und die Wirtschaftskammer haben sich in den vergangenen Monaten als zwei der lautesten Pfandgegner herauskristallisiert.

In den Medien werden viel zu hohe Sammelquoten für Plastikflaschen in einzelnen Bundesländern (Vorarlberg, Tirol und Burgenland) veröffentlicht. Diese Zahlen sind aus Sicht der Abfallwirtschaftsverbände nicht nachvollziehbar und wurden bereits öffentlich dementiert, dennoch wird dies ignoriert. Wir haben daher die drei Bremser bei unserer Aktions-Tour besucht und fordern die WKÖ, die ARA und den Handelsverband auf, endlich von veralteten Systemen loszulassen und gemeinsam an zukunftsfähigen Lösungen zu arbeiten.

Die Bundesregierung darf sich nicht weiterhin von einigen wenigen Bremsern aufhalten lassen und soll sich endlich für ein umfassendes Pfandsystem mit Mehrwegquoten aussprechen. Die EU-Vorgaben für die Sammlung von Plastikflaschen können ohne Pfandsystem nicht erreicht werden. Die ÖVP muss endlich mitziehen und dem verbindlichen Ausbau von Mehrwegflaschen sowie einem Einwegpfandsystem im Abfallwirtschaftsgesetz zustimmen und Österreich einen großen Schritt weiter in Richtung Kreislaufwirtschaft bringen.

Großer Erfolg: Lidl spricht sich für Pfand aus

Nach unserer Bremser Aktion sprach sich erstmals die Supermarktkette Lidl für ein Pfandsystem aus. Das ist ein erster großer Erfolg in unserem Kampf für ein Pfandsystem in Österreich, den wir nicht zuletzt unseren engagierten UnterstützerInnen zu verdanken haben. 

Nun ist es höchste Zeit, dass auch weitere Supermärkte für die tagtäglich verkauften Getränkegebinde mehr Verantwortung übernehmen. Im Sinne der KonsumentInnen, die sich zu 83 % ein Pfandsystem wünschen, sollten sich nun auch Spar, Rewe und Hofer positionieren und öffentlich verpflichtende Mehrwegquoten und ein Einwegpfandsystem unterstützen.

Jetzt Pfand drauf unterschreiben

Um noch mehr Konzerne und vor allem auch unsere PolitikerInnen ins Boot zu holen brauchen wir Ihre Unterstützung. Unterschreiben Sie jetzt unsere "Pfand drauf" Petition und fordern Sie mit uns ein Pfandsystem für Einwegverpackungen und die Steigerung der Mehrwegquoten.

Pfand drauf unterschreiben

Die Vorteile von Mehrweg-Flaschen sind vielfältig:

  • Mehrweg ist Klimaschutz
  • Mehrweg schont Ressourcen
  • Mehrweg fördert kleine Systeme und kurze Transportwege
  • Mehrweg unterstützt lokale Arbeitsplätze und die lokale Wirtschaft
  • Mehrweg fördert die Getränkevielfalt

Mehrweg ist nicht nur für die Umwelt ein riesiger Gewinn, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Deshalb sind politische Rahmenbedingungen ein must-have um den Mehrweganteil wieder anzuheben und aktiv Ressourcen und das Klima zu schonen.