Haus- und Gartenpestizide im Einkaufstest 2018

In Zeiten des Bienen- und Insektensterbens kommt Haus- und Kleingärten eine wichtige Rolle als Lebensraum für Bestäuber und andere wichtige Tiere zu. Besonders drastisch ist etwa die Situation bei Schmetterlingen: Sie reagieren besonders sensibel auf Umweltgifte und 52 Prozent der Schmetterlinge in Österreich gelten bereits als gefährdet. Dabei erfüllen sie eine unersetzliche Bestäubungsfunktion, die bisher unterschätzt wurde. Flächenverbauung, intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und Pestizideinsatz oder auch der Klimawandel gefährden darüber hinaus viele weitere Tier- und Pflanzenarten. Giftfreie Hausgärten können Rückzugsorte und Lebensraum für Schmetterlinge, Bienen und andere nützliche Lebewesen sein. Naturnahe Gärten werden immer mehr zu Trittsteinen des Lebens. Deshalb setzt sich GLOBAL 2000 für giftfreies Gärtnern ein. Wir haben Gartencenter und Baumärkte getestet, und überprüft, welche Pestizide und Biozide für den Privatgebrauch im Handel erhältlich sind und wie es um die Qualität der Beratung im Verkauf bestellt ist. In 27 Gartencentern, Baumärkten und Lagerhäusern mit Gartenabteilung wurden Testeinkäufe durchgeführt: Bauhaus, bellaflora, Dehner, Fetter Hagebaumarkt, Hornbach, Lagerhaus, OBI und Starkl.

Weniger giftige Pestizide, aber Beratung verbesserungswürdig

Im Vergleich zu unserem letzten Einkaufstest 2014 (siehe unten) waren viele der hoch umweltgiftigen Pestizide nicht mehr erhältlich. Einerseits weil einige davon nun nicht mehr für den Haus- und Kleingarten zugelassen sind und andererseits weil die Händler teilweise freiwillig auf sie verzichten. Auch bei der Qualität der Beratung waren Verbesserungen gegenüber früher zu erkennen, aber teilweise werden Risiken und Nebenwirkung der Pestizide immer noch sehr lückenhaft oder gar nicht erklärt und deshalb fielen noch immer knapp 1/3 der Märkte beim Test durch. Manche Schädlingsbekämpfungsmittel aus der Gruppe der Biozide sind richtige Schmetterlings- und Bienenkiller und sind mit Ausnahme einer Kette fast überall flächendeckend erhältlich.

  • Die Gesamtbewertung der Testeinkäufe fiel in 8 von 27 Fällen (30 %) negativ aus, da in den Regalen der Geschäfte stark umweltgiftige Mittel zu finden waren und die Beratung nicht ausreichte, um eine sichere Verwendung der Pestizide zu gewährleisten. Bei mehr als der Hälfte der Einkäufe war die Beratung nicht sehr ausführlich, aber zumindest wurden die relevantesten Informationen gegeben und die umweltgiftigsten Mittel waren nicht im Sortiment zu finden. Bei 19 % waren sowohl Beratung als Sortiment so, dass eine positive Gesamtbewertung zustande kam.
  • In 48 % aller Fälle wurden von den BeraterInnen umweltschonende Pflanzenschutzmaßnahmen empfohlen, bei 22 % hingegen wurden nur chemisch-synthetische Mittel angeboten. Bei den restlichen 30 % der Testeinkäufe wurden teilweise – in erster Linien für den Einsatz bei essbarem Obst und Gemüse – biologische Produkte empfohlen, aber auch chemisch-synthetische Mittel.
  • In 41 % der Testeinkäufe wurde selbst auf Nachfrage nicht oder nur sehr lückenhaft auf Gesundheitsrisiken bzw. Schutzkleidung aufmerksam gemacht.
  • In 37 % der Testeinkäufe wurde auch auf Nachfrage nicht auf die vorgeschriebenen Wartefristen zwischen dem Spritzen und dem Verzehr von Obst und Gemüse aufmerksam gemacht.
  • In 59 % der Testeinkäufe wurden auch auf Nachfrage nicht auf Risiken für die Umwelt gemacht.
  • Fünf der acht Unternehmen verzichten auf den Verkauf von Roundup oder anderen Produkten mit Glyphosat. Nur Dehner, Fetter Hagebaumarkt und das Lagerhaus vertreiben noch glyphosathältige Produkte.
  • Biozide sind nach wie vor bei fast allen Händlern – positive Ausnahme ist bellaflora – in Selbstbedienung und ohne Beratung erhältlich. Außerdem fanden wir bei den Mitteln zur Bekämpfung von Ameisen und anderem vermeintlichen „Ungeziefer“ eine ganze Reihe von Wirkstoffen, die bei Pflanzenschutzmitteln für den Privatgebrauch nicht mehr zugelassen sind, wie z.B. das Neonikotinoid Imidacloprid oder die ebenfalls hoch bienengiftigen Pyrethroide Cypermethrin und Lambda-Cyhalothrin. Außerdem auch das sogar in der professionellen Landwirtschaft verbotene Fipronil.

Ohne Schmetterlinge keine Blumen. Und umgekehrt.
Fest steht, Pestizide und Biozide haben in bienen- und schmetterlingsfreundlichen Gärten nichts zu suchen, denn sie tragen zum Bienen- und Schmetterlingssterben bei. Deswegen starten GLOBAL 2000 und bellaflora eine Kampagne zum giftfreien Gärtnern: „Ohne Schmetterlinge keine Blumen. Und umgekehrt.“

Einen ausführlichen Bericht mit allen Informationen und Ergebnissen finden Sie unten im Downloadbereich.

Wie Sie Ihren Garten für Bienen und Schmetterlinge in ein Schlaraffenland verwandeln können, erfahren Sie hier: Bienenblumen und Schmetterlingsgarten anlegen

Noch mehr Tipps zum schmetterlingsfreundlichen Gärtnern finden Sie in einer gemeinsamen Broschüre von GLOBAL 2000 und bellaflora

Rückblick Einkaufstest 2014

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Rückblick Einkaufstest 2013

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