Haus- und Gartenpestizide im Einkaufstest 2018

In Zeiten des Bienen- und Insektensterbens kommt Haus- und Kleingärten eine wichtige Rolle als Lebensraum für Bestäuber und andere wichtige Tiere zu. Besonders drastisch ist etwa die Situation bei Schmetterlingen: Sie reagieren besonders sensibel auf Umweltgifte und 52 Prozent der Schmetterlinge in Österreich gelten bereits als gefährdet. Dabei erfüllen sie eine unersetzliche Bestäubungsfunktion, die bisher unterschätzt wurde. Flächenverbauung, intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und Pestizideinsatz oder auch der Klimawandel gefährden darüber hinaus viele weitere Tier- und Pflanzenarten. Derzeit werden jährlich noch etwa 700 Tonnen Pestizide in Österreichs Gärten versprüht.

Infografik: Pestizideinsatz in Österreichs Gärten - rund 700 Tonnen

Dabei sind giftfreie Hausgärten wichtige Rückzugsorte und Lebensraum für Schmetterlinge, Bienen und andere nützliche Lebewesen sein. Naturnahe Gärten werden immer mehr zu Trittsteinen des Lebens. Deshalb setzt sich GLOBAL 2000 für giftfreies Gärtnern ein. Wir haben Gartencenter und Baumärkte getestet, und überprüft, welche Pestizide und Biozide für den Privatgebrauch im Handel erhältlich sind und wie es um die Qualität der Beratung im Verkauf bestellt ist. In 26 Gartencentern, Baumärkten und Lagerhäusern mit Gartenabteilung wurden Testeinkäufe durchgeführt: Bauhaus, bellaflora, Dehner, Hagebaumarkt, Hornbach, Lagerhaus, OBI, Praskac und Starkl.

Ergebnisse: Mangelhafte Beratung beim Pestizideinkauf

  • In 62% der Testeinkäufe wurde auch auf Nachfrage nicht auf Risiken für die Umwelt aufmerksam gemacht.
  • In 50% der Testeinkäufe wurde auch auf Nachfrage nicht auf die vorgeschriebenen Wartefristen zwischen dem Spritzen und dem Verzehr von Obst und Gemüse aufmerksam gemacht.
  • Biozide sind nach wie vor flächendeckend – positive Ausnahmen bellaflora – in Selbstbedienung und ohne Beratung erhältlich. In den Mitteln zur Bekämpfung von vermeintlichem „Ungeziefer“ sind immer noch Wirkstoffe enthalten, die bei Pflanzenschutzmitteln für Privatpersonen nicht mehr zugelassen sind, wie z.B. das Neonicotinoid Imidacloprid oder Fipronil, beide Wirkstoffe sind sogar in der Landwirtschaft verboten.
  • In 50% der Testeinkäufe wurde selbst auf Nachfrage nicht oder nur sehr lückenhaft auf Gesundheitsrisiken bzw. Schutzkleidung aufmerksam gemacht.
  • In nur 31% aller Fälle wurden von den BeraterInnen umweltschonende Pflanzenschutzmaßnahmen empfohlen
  • Die Gesamtbewertung der Testeinkäufe fiel in 15% negativ aus, da in den Regalen der Geschäfte umweltgiftige Mittel zu finden waren und die Beratung nicht ausreichte, um eine sichere Verwendung der Pestizide zu gewährleisten. Bei 73% der Einkäufe war die Beratung nicht sehr ausführlich, aber zumindest wurden die relevantesten Informationen gegeben und bei 12% wurden Beratung und Sortiment positiv bewertet.
  • Positiv: Nur mehr bei 4% wurden ausschließlich chemisch-synthetische Mittel angeboten. Bei den restlichen 65% der Testeinkäufe wurden teilweise – in erster Linie für den Einsatz bei essbarem Obst und Gemüse – biologische Produkte empfohlen, aber auch chemisch-synthetische Mittel.
  • Bereits 7 der 9 Unternehmen verzichten auf den Verkauf von Produkten mit dem umstrittenen Totalherbizid Glyphosat. Nur das Lagerhaus und Praskac vertreiben noch glyphosathältige Produkte.
  • Umweltfreundliche Alternativen zu Pestiziden sind bereits flächendeckend vorhanden.

Fest steht, Pestizide und Biozide haben in bienen- und schmetterlingsfreundlichen Gärten nichts zu suchen, denn sie tragen zum Bienen- und Schmetterlingssterben bei. Deswegen starten GLOBAL 2000 die Initiative Nationalpark Garten

Einen ausführlichen Bericht mit allen Informationen und Ergebnissen finden Sie unten im Downloadbereich.

Wie Sie Ihren Garten für Bienen und Schmetterlinge in ein Schlaraffenland verwandeln können, erfahren Sie hier: Bienenblumen und Schmetterlingsgarten anlegen

Noch mehr Tipps zum insektenfreundlichen Gärtnern finden Sie unserer neuen Broschüre Naturnah Gärtnern

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