29.05.2019

Einkaufstest 2019: Haus- und Gartenpestizide

Unser Einkaufstest zeigt, bei zwei Drittel aller Testeinkäufe in Gartencenter und Baumärkte wird auch auf Nachfrage nicht auf Risiken von Haus- und Gartenpestiziden hingewiesen.

Einkaufstest 2019: Haus- und Gartenpestizide

In Zeiten des Bienen- und Insektensterbens kommt Haus- und Kleingärten eine wichtige Rolle als Lebensraum für Bestäuber und andere wichtige Tiere zu. Besonders drastisch ist etwa die Situation bei Schmetterlingen: Sie reagieren besonders sensibel auf Umweltgifte und 52 Prozent der Schmetterlingeexternal link, opens in a new tab in Österreich gelten bereits als gefährdet. Dabei erfüllen sie eine unersetzliche Bestäubungsfunktion, die bisher unterschätzt wurde. Flächenverbauung, intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und Pestizideinsatzexternal link, opens in a new tab oder auch der Klimawandelexternal link, opens in a new tab gefährden darüber hinaus viele weitere Tier- und Pflanzenarten. Derzeit werden jährlich noch etwa 700 Tonnen Pestizide in Österreichs Gärten versprüht.

Infografik: Pestizideinsatz in Österreichs Gärten - rund 700 Tonnen

GLOBAL 2000

Dabei sind giftfreie Hausgärten wichtige Rückzugsorte und Lebensraum für Schmetterlinge, Bienen und andere nützliche Lebewesen sein. Naturnahe Gärten werden immer mehr zu Trittsteinen des Lebens. Deshalb setzt sich GLOBAL 2000 für giftfreies Gärtnern ein. Wir haben Gartencenter und Baumärkte getestet, und überprüft, welche Pestizide und Biozide für den Privatgebrauch im Handel erhältlich sind und wie es um die Qualität der Beratung im Verkauf bestellt ist. In 26 Gartencentern, Baumärkten und Lagerhäusern mit Gartenabteilung wurden Testeinkäufe durchgeführt: Bauhaus, bellaflora, Dehner, Hagebaumarkt, Hornbach, Lagerhaus, OBI, Praskac und Starkl.

 

Im Juni 2013 führte GLOBAL 2000 Testeinkäufe von Haus- und Gartenpestiziden in Baumärkten, Gartencentern, Lagerhäusern und im Internet durch. Das Ergebnis: Erschreckend.

In 41 von 54 Fällen – das entspricht rund drei Viertel der Testkäufe - musste die Beratungsleistung mit einem klaren „Nicht Genügend“ bewertet werden, da Informationen, die für eine Eingrenzung von Risiken für Mensch oder Umwelt essentiell sind, selbst auf Nachfrage nicht erteilt wurden.

Der Einkaufstest

Die Testeinkäufer/innen von GLOBAL 2000 absolvierten insgesamt 54 Einkäufe , 15 davon in OÖ, 20 in NÖ und 19 in Wien, alle nach einem standardisierten Schema. Bei keinem einzigen unserer 54 Testeinkäufe wurden wir auch nur annähernd in dem gesetzlich vorgeschriebenen Umfang informiert. Im Gegenteil, Informationen kamen – wenn überhaupt – fast immer erst auf Nachfrage und waren überdies größtenteils falsch bzw. irreführend.

Beispiel:
Einer unserer Testeinkäufer/innen wurde etwa ein Insektizid verkauft, dessen Anwendung ab Dezember EU-weit aufgrund seiner Bienengiftigkeit verboten ist. Über dessen Gefährlichkeit für Bienen oder den bevorstehenden Zulassungsstopp wurde unsere Einkäuferin aber erst auf Nachfrage informiert. Und als sie sagte, dass sie sich in Anbetracht des EU-Verbots gerne noch mit einem Vorrat eindecken möchte, und sich nach der Haltbarkeit des Pestizids erkundigte, wurde ihr mitgeteilt, dass der Pestizidwirkstoff Imidacloprid gute chemische Beständigkeit aufweist und daher auch nach Jahren kaum an Wirksamkeit einbüßt. Kein Wort darüber, dass die Anwendung im Hausgarten ab 1. Dezember unter Strafe steht und mit Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro bedroht ist.

Thiacloprid und Glyphosat - unbedenklich?

Thiacloprid ist ein Pestizidwirkstoff, der sogar laut Sicherheitsdatenblatt "vermutlich beim Menschen Krebs erzeugt", wurden in allen Testeinkäufen auch auf Nachfrage durch die Bank als für die Gesundheit unbedenklich dargestellt. In Raiffeisen-Lagerhäusern wurden Produkte für privaten Gebrauch mit dem Wirkstoff Thiacloprid in 49-prozentiger Konzentration verkauft. Zum Vergleich: Thiaclopridhältige Produkte in den Baumärkten wiesen Konzentrationen zwischen 0,15 und 0,9 Prozent auf.

Der Unkrautvernichter Glyphosat, der im Verdacht steht, fruchtschädigende und krebserregende Wirkung zu haben, wurde in nahezu allen Testeinkäufen als sowohl gesundheitlich als auch ökologisch unbedenklich beschrieben.

Haus und Gartenpestizide

Global 2000

Gemeinsam mit Radio 88.6 und GARTEN+HAUS rocken wir den Garten und starten im Rahmen unserer Nationalpark Garten Initiative einen großen Fotowettbewerb mit tollen Preisen.

Gesetzesverstöße und Konsequenzen

Laut Pflanzenschutzmittelverordnung 2011 dürfen Produkte, die als krebserregend einzustufen sind, im Haus- und Kleingartenbereich nicht eingesetzt werden. Dass diese in den Lagerhäusern dennoch an Private verkauft werden, wird GLOBAL 2000 juristisch prüfen und gegebenenfalls zur Anzeige bringen.

Durch die Missachtung der gesetzlichen Beratungspflicht wird ein nicht akzeptables Risiko für Tiere, Gewässer und vor allem auch für die menschliche Gesundheit in Kauf genommen. Die Vollzugs- und Kontrollpflichten in Bezug auf die Einhaltung der Bestimmungen der Pflanzenschutzmittelverordnung 2011 liegen beim Bundesamt für Ernährungssicherheit.

Die politische Letztverantwortung hierfür trägt Umwelt- und Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich. Der Minister muss die durch den Einkaufstest von GLOBAL 2000 aufgedeckten Missstände, die zu einer Gefährdung von Mensch und Umwelt führen, beenden fordert GLOBAL 2000.

BIO-Pflanzenschutzmittel als Alternative

Was im Garten wächst, landet unmittelbar auf den Tellern der Menschen. Die Umstellung auf biologisches Gärtnern ist für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen wirklich wichtig. Pestizidfreies Gärtnern ist möglich. bellafloraexternal link, opens in a new tab stellte das Sortiment bereits um: Sämtliche chemisch-synthetischen Pestizide und Herbizide wurden aus den Regalen genommen und durch natürlich-biologische Produkte ersetzt.

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Ergebnisse: Mangelhafte Beratung beim Pestizideinkauf

  • In 62% der Testeinkäufe wurde auch auf Nachfrage nicht auf Risiken für die Umwelt aufmerksam gemacht.
  • In 50% der Testeinkäufe wurde auch auf Nachfrage nicht auf die vorgeschriebenen Wartefristen zwischen dem Spritzen und dem Verzehr von Obst und Gemüse aufmerksam gemacht.
  • Biozide sind nach wie vor flächendeckend – positive Ausnahmen bellaflora – in Selbstbedienung und ohne Beratung erhältlich. In den Mitteln zur Bekämpfung von vermeintlichem „Ungeziefer“ sind immer noch Wirkstoffe enthalten, die bei Pflanzenschutzmitteln für Privatpersonen nicht mehr zugelassen sind, wie z.B. das Neonicotinoid Imidacloprid oder Fipronil, beide Wirkstoffe sind sogar in der Landwirtschaft verboten.
  • In 50% der Testeinkäufe wurde selbst auf Nachfrage nicht oder nur sehr lückenhaft auf Gesundheitsrisiken bzw. Schutzkleidung aufmerksam gemacht.
  • In nur 31% aller Fälle wurden von den BeraterInnen umweltschonende Pflanzenschutzmaßnahmen empfohlen.
  • Die Gesamtbewertung der Testeinkäufe fiel in 15% negativ aus, da in den Regalen der Geschäfte umweltgiftige Mittel zu finden waren und die Beratung nicht ausreichte, um eine sichere Verwendung der Pestizide zu gewährleisten. Bei 73% der Einkäufe war die Beratung nicht sehr ausführlich, aber zumindest wurden die relevantesten Informationen gegeben und bei 12% wurden Beratung und Sortiment positiv bewertet.
  • Positiv: Nur mehr bei 4% wurden ausschließlich chemisch-synthetische Mittel angeboten. Bei den restlichen 65% der Testeinkäufe wurden teilweise – in erster Linie für den Einsatz bei essbarem Obst und Gemüse – biologische Produkte empfohlen, aber auch chemisch-synthetische Mittel.
  • Bereits 7 der 9 Unternehmen verzichten auf den Verkauf von Produkten mit dem umstrittenen Totalherbizid Glyphosatexternal link, opens in a new tab. Nur das Lagerhaus und Praskac vertreiben noch glyphosathältige Produkte.
  • Umweltfreundliche Alternativen zu Pestiziden sind bereits flächendeckend vorhanden.

Fest steht, Pestizide und Biozide haben in bienen- und schmetterlingsfreundlichen Gärten nichts zu suchen, denn sie tragen zum Bienen- und Schmetterlingssterben bei. Deswegen startet GLOBAL 2000 die Initiative Nationalpark Gartenexternal link, opens in a new tab

Einen ausführlichen Bericht mit allen Informationen und Ergebnissen finden Sie unten im Downloadbereich.

Wie Sie Ihren Garten für Bienen und Schmetterlinge in ein Schlaraffenland verwandeln können, erfahren Sie hier: Bienenblumen und Schmetterlingsgarten anlegen

Noch mehr Tipps zum insektenfreundlichen Gärtnern finden Sie unserer neuen Broschüre Naturnah Gärtnern

Rückblick Einkaufstest 2018

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2018 haben wir in 27 Gartencentern, Baumärkten und Lagerhäusern mit Gartenabteilung Testeinkäufe durchgeführt: Bauhaus, bellaflora, Dehner, Fetter Hagebaumarkt, Hornbach, Lagerhaus, OBI und Starkl.

Ergebnis: Weniger giftige Pestizide, aber Beratung verbesserungswürdig

Im Vergleich zu unserem letzten Einkaufstest 2014 (siehe unten) waren viele der hoch umweltgiftigen Pestizide nicht mehr erhältlich. Einerseits weil einige davon nun nicht mehr für den Haus- und Kleingarten zugelassen sind und andererseits weil die Händler teilweise freiwillig auf sie verzichten. Auch bei der Qualität der Beratung waren Verbesserungen gegenüber früher zu erkennen, aber teilweise werden Risiken und Nebenwirkung der Pestizide immer noch sehr lückenhaft oder gar nicht erklärt und deshalb fielen noch immer knapp 1/3 der Märkte beim Test durch. Manche Schädlingsbekämpfungsmittel aus der Gruppe der Biozide sind richtige Schmetterlings- und Bienenkiller und sind mit Ausnahme einer Kette fast überall flächendeckend erhältlich.

Die Gesamtbewertung der Testeinkäufe fiel in 8 von 27 Fällen (30 %) negativ aus, da in den Regalen der Geschäfte stark umweltgiftige Mittel zu finden waren und die Beratung nicht ausreichte, um eine sichere Verwendung der Pestizide zu gewährleisten. Bei mehr als der Hälfte der Einkäufe war die Beratung nicht sehr ausführlich, aber zumindest wurden die relevantesten Informationen gegeben und die umweltgiftigsten Mittel waren nicht im Sortiment zu finden. Bei 19 % waren sowohl Beratung als Sortiment so, dass eine positive Gesamtbewertung zustande kam.

In 48 % aller Fälle wurden von den BeraterInnen umweltschonende Pflanzenschutzmaßnahmen empfohlen, bei 22 % hingegen wurden nur chemisch-synthetische Mittel angeboten. Bei den restlichen 30 % der Testeinkäufe wurden teilweise – in erster Linien für den Einsatz bei essbarem Obst und Gemüse – biologische Produkte empfohlen, aber auch chemisch-synthetische Mittel.

In 41 % der Testeinkäufe wurde selbst auf Nachfrage nicht oder nur sehr lückenhaft auf Gesundheitsrisiken bzw. Schutzkleidung aufmerksam gemacht.

In 37 % der Testeinkäufe wurde auch auf Nachfrage nicht auf die vorgeschriebenen Wartefristen zwischen dem Spritzen und dem Verzehr von Obst und Gemüse aufmerksam gemacht.

In 59 % der Testeinkäufe wurden auch auf Nachfrage nicht auf Risiken für die Umwelt gemacht.

Fünf der acht Unternehmen verzichten auf den Verkauf von Roundup oder anderen Produkten mit Glyphosat. Nur Dehner, Fetter Hagebaumarkt und das Lagerhaus vertreiben noch glyphosathältige Produkte.

Biozide sind nach wie vor bei fast allen Händlern – positive Ausnahme ist bellaflora – in Selbstbedienung und ohne Beratung erhältlich. Außerdem fanden wir bei den Mitteln zur Bekämpfung von Ameisen und anderem vermeintlichen „Ungeziefer“ eine ganze Reihe von Wirkstoffen, die bei Pflanzenschutzmitteln für den Privatgebrauch nicht mehr zugelassen sind, wie z.B. das Neonikotinoid Imidacloprid oder die ebenfalls hoch bienengiftigen Pyrethroide Cypermethrin und Lambda-Cyhalothrin. Außerdem auch das sogar in der professionellen Landwirtschaft verbotene Fipronil.

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Rückblick Einkaufstest 2014

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40 Testeinkäufe zeigen: HobbygärtnerInnen werden über Gefahren der Pestizideexternal link, opens in a new tab und Schutzmaßnahmen nicht informiert

Die Sonne kommt raus und die Saison für Hobbygärtner beginnt langsam. Schon vor einem Jahr hat GLOBAL 2000 deshalb zu Saisonbeginn das erste Mal Pestizid-Testeinkäufe in Baumärkten, Gartencentern und Raiffeisen-Lagerhäusern durchgeführt. Obwohl damals diese Pestizide frei zur Selbstbedienung zugänglich waren, wendeten sich unsere TesteinkäuferInnen damals schon Rat suchend an das Verkaufspersonal.

Die Erfahrungen waren damals erschreckend: Es wurden bienengiftige und krebserregende Pestizide ausgehändigt ohne auf die Gefahren hinzuweisen oder über Schutzmaßnahmen aufzuklären. Sogar auf Nachfrage hieß es, dieses Pestizid sei unbedenklich.

Wenige Wochen nach Veröffentlichung unseres Tests änderte der damalige Umwelt- und Landwirtschaftsminister Niki Berlakovic das Gesetz. Seit 1.1.2014 dürfen Pestizide für den Haus- und Gartengebrauch nicht mehr im Selbstbedienungsmodus angeboten werden. 

Um zu prüfen, ob sich nun die Beratungssituation verbessert hat und Informationen über Umwelt- und Gesundheitsgefahren sowie Schutzmaßnahmen den HobbygärtnerInnen vermittelt werden, wurde nun ein zweiter Testeinkauf durchgeführt.

Die Ergebnisse sind allerdings ernüchternd. Lesen Sie mehr dazu in unserem Hintergrundpapier "Haus & Gartenpestizide" von Helmut Burtscher-Schaden.

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Rückblick Einkaufstest 2013

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