Publikation, 01.12.2016

Palmöl - zerstörte Umwelt, geraubtes Land

Wie und wo wird Palmöl angebaut? Was unterscheidet Palmöl von anderen pflanzlichen Ölen? In welchen Produkten wird wieviel davon verwendet und wieso? Was sind die Folgen für Natur und Mensch vor Ort – und welche Lösungsansätze von Boykott bis zur Zertifizierung gibt es? Diese Fragen beantworten wir in unserem umfangreichen Palmöl-Report.

Palmöl Report CoverbildDie enorme Ausbreitung der Palmölplantagen in Indonesien hat zu großen Problemen geführt, da sie enorme Flächen in Anspruch nimmt. Verdrängung von Menschen, kleinbäuerlicher Landwirtschaft oder wertvollen Ökosystemen ist damit fast unvermeidlich verbunden.

“Yes, we expect the European [people] as consumer of our product to study and to conduct research about palm oil plantations in Indonesia in order to see the reality here: many people become the victim of corporate crime. There is no problem if any company intends to run business here, but the people here should not be the victim of their business.” - Sprecher der Bauernversammlung in einem der von Landraub betroffenen Dörfern. 

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Die enorme Ausbreitung der Ölpalmplantagen in Indonesien hat zu großen Problemen geführt, da sie große Flächen in Anspruch nimmt. Verdrängung von Menschen, kleinbäuerlicher Landwirtschaft oder wertvollen Ökosystemen ist damit fast unvermeidlich verbunden.

Dieser Report fasst Hintergrundinformationen zum Thema Palmöl zusammen. Wie und wo wird es angebaut? Was unterscheidet Palmöl von anderen pflanzlichen Ölen? In welchen Produkten wird wieviel davon verwendet und wieso? Was sind die Folgen für Natur und Mensch vor Ort – und welche Lösungsansätze von Boykott bis zur Zertifizierung gibt es?

Um einen konkreten Einblick in die Thematik aus Sicht der KonsumentInnen zu bieten, haben wir uns auch angeschaut, wie es in unseren heimischen Regalen punkto Palmöl ausschaut. Wir haben uns ein an sich unschuldiges Produkt herausgesucht. Den Keks – und uns gefragt, in wie vielen Keksen steckt eigentlich Palmöl und ist es zertifiziert?

Lokalaugenschein von Ort

Neben Informationen aus Fachliteratur, wissenschaftlichen Studien sowie Expertengesprächen baut dieser Report auch stark auf eine Studienreise nach Sumatra, Indonesien auf. Wir haben in vier Regionen mit Mitgliedern der lokalen Regierung und Dorfbewohnern geredet, die in Konflikten rund um Palmöl verwickelt sind.

Die Probleme, von denen unsere GesprächspartnerInnen berichten, sind in ökologischer Hinsicht Rodung von Regenwäldern, Trockenlegung von Torfmooren, Feuer, enormer Wasserverbrauch durch die Palmen und damit verbundene Probleme für Landwirtschaft und Verschmutzung von Flüssen durch Ölmühlen. In sozialer Hinsicht treffen wir auf Verdrängung von kleinbäuerlicher Landwirtschaft, die seit Generationen auf bestimmten Gebieten betrieben wird. Land und Landrechte sind ein bestimmendes Thema in den meisten Gesprächen. Dazu kommen diskriminierende Einstellungspraktiken gegenüber der lokalen Bevölkerung auf den Plantagen, prekäre Arbeitsbedingungen und schlechte Entlohnung für eine sehr anstrengende Arbeit.

Ebenso hörten wir Berichte über Korruption bei der Konzessionsvergabe und fehlende Kontrolle der Gesetze und Vorschriften. Oft wird einfach nicht kontrolliert, was passiert bzw. was den geltenden Regeln nach erlaubt ist und was nicht. Immer wieder werden eigentlich geschützte Wälder gerodet.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass bei Palmöl viele Schattenseiten globaler Wertschöpfungsketten zutage treten. Das ungleiche Machtgefälle, mit wenigen großen und meist internationalen Firmen, die Teile der Wertschöpfungskette dominieren, verbunden mit einer Philosophie, die Gewinn und Wohlstand einzelner über das Wohl der Allgemeinheit stellt, führt dazu, dass Natur und Menschen leiden. Darin unterscheidet sich Palmöl auch nicht wesentlich von anderen, für den globalen Handel bedeutenden Kulturen wie z.B. Soja, Kakao, Rohrzucker oder Orangen. Die Situation für die Bauern und die Menschen im globalen Süden wird sich auch nicht ändern, wenn Palmöl durch eine andere Kultur ersetzt wird. Was wir daher heute dringender denn je brauchen, ist ein Umdenken in der Art, wie wir unseren Handel organisieren und betreiben. Wir müssen uns fragen, wie sehr wir das Wohl einzelner über das einer global zusammenwachsenden Allgemeinheit stellen wollen und wie viel Risiko wir heute noch auf Kosten unserer zukünftiger Generationen eingehen wollen. Es wird die gemeinsame Anstrengung von Zivilgesellschaft, Politik, verantwortungsvoller Unternehmen und Konsumenten brauchen, um hier etwas zu bewegen.

Europäische Union