AKW Gundremmingen, Foto: editor64 / flickr.com

Das leistungsstärkste verbliebene AKW Deutschlands, am Standort Gundremmingen in Bayern, liegt etwa 440 km Luftlinie von Wien und nur 120 km von Bregenz entfernt. Zwei der drei Reaktorblöcke sind bereits stillgelegt. Der Standort besteht aus einem verunfallten Block, einem im Jahr 2017 stillgelegten Block, einem aktiven Reaktor und einem 2006 in Betrieb genommenen Zwischenlager. Die von den Betreibern des AKW Gundremmingen 1999 beantragte Leistungserhöhung der beiden Blöcke B und C wurde nach massivem Widerstand seitens der Bevölkerung, GLOBAL 2000 und anderen NGOs, im Dezember 2013 zurückgezogen.

Zwischenfälle und Störfälle siehe Atomkraft in Deutschland.

Potentielle Auswirkungen eines schweren Unfalls im AKW Gundremmingen

Das Atomkraftwerk Gundremmingen liegt zwischen München und Stuttgart im Süden Deutschlands an der Donau. Die Anlage umfasst drei Blöcke, von denen der älteste Block A bereits 1977 verunfallte. Die Blöcke B und C, beides Siedewasserreaktoren, gingen 1984 in Betrieb.

Das Risiko, das von einem schweren Unfall mit einem frühen Versagen des Reaktorschutzbehälters in einem der Reaktoren in Gundremmingen ausgeht, wurde im Projekt flexRISK1 berechnet. Aufbauend auf einer angenommenen Freisetzung von 149 PetaBecquerel2 Cäsium-137 und weiteren Nukliden wurden Ausbreitungsrechnungen für 2.800 Wettersituationen in Europa durchgeführt. Wenn die Ergebnisse dieser Wettersituationen „übereinander“ gelegt werden, erhält man die folgende Karte:

Gundremmingen - Kontaminationskarte, zur Verfügung gestellt von Project flexRisk
(Diese Wahrscheinlichkeit bezieht sich nur auf die Wettersituationen, nicht jedoch auf die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher schwerer Unfall auch wirklich eintritt.)

Diese Karte zeigt die Wahrscheinlichkeit fur eine Kontamination Europas mit mehr als 37 kBq Cäsium-137/m2 durch einen schweren Unfall in Gundremmingen Block B. Die Skala reicht von 1E-04 (Wahrscheinlichkeit von 0,01%) bis zu 1E+00 (Wahrscheinlichkeit von 100%). Dies bedeutet, dass ein Teil von Österreich (der lila Bereich an der Grenze zu Bayern) im Falle eines Unfalls in Gundremmingen Block B mit 22,45 %iger Wahrscheinlichkeit mit über 37kBq Cs-137/m2 kontaminiert wird. Aber auch der Rest Europas könnte mit mehr als 37 kBq Cs-137/m2 kontaminiert werden, dies ist nur weniger wahrscheinlich, aber nicht völlig ausgeschlossen. Nach Tschernobyl wurden Gebiete mit einer Deposition ab 37 kBq Cs-137/m2 als „kontaminiert“ definiert und kontinuierlichen Strahlenmessungen unterzogen.

Bei einem schweren Unfall kann sogar eine vorübergehende Absiedelung der Bevölkerung in einzelnen Gebieten Österreichs notwendig werden (siehe Abb.2). Die Wahrscheinlichkeit für eine dafür relevante Kontamination mit 1.480 kBq Cs-137m2 ist in Deutschland am höchsten, aber auch in Österreich liegt sie in der Grenzregion zu Bayern immerhin noch bei 6,53 %. Auch die Grenzregionen Tschechiens hin zu Deutschland könnten mit einer Wahrscheinlichkeit im Bereich von einigen Prozenten derart hoch kontaminiert werden. Im restlichen Europa ist eine derartige Kontamination ebenfalls nicht ausgeschlossen, wenngleich unwahrscheinlicher.

Was bedeutet eine Kontamination mit mehr als 37kBq Cs-137/m2?

Nach Tschernobyl hat sich gezeigt, dass vor allem Kinder und Jugendliche ein nachweislich signifikant erhöhtes Schilddrüsenkrebsrisiko durch die Aufnahme von radioaktivem Iod haben, daher sind Interventionsmaßnahmen wie die Einnahme von Kaliumiodidtabletten hier von großer Wichtigkeit. Mit einer 15 % Wahrscheinlichkeit können Teile von Österreich so belastet werden, dass Kinder eine Schilddrüsen-Inhalationsdosis von über 10 mSv erhalten, die die Einnahme von Kaliumiodidtabletten erforderlich macht.

Gundremmingen C - Auswirkungen eines möglichen Unfalls
*Ein kiloBecquerel (kBq) entspricht 1.000 Bq

Bild: CC-BY-NC-SA Mahnwache vor AKW Gundremmingen 20.03.11 von Jürgen Pohl / flickr.com