Bericht Lobau-Event: Weitblick statt Tunnelblick

Am 29. Mai 2026 fand das Event „Weitblick statt Tunnelblick“ statt, organisiert den Teilnehmer:innen des Umweltkulturpraktikums von GLOBAL 2000 im Rahmen des Erasmus+-Projekts „Youth Policy Academy: Engage, Connect, Empower“. Zentrale Frage dabei war: Gibt es noch Licht am Ende des Tunnels? Bei Podiumsdiskussionen und interaktiven Formate war es den Organisator:innen besonders wichtig, positive Visionen und mögliche Wege, die nicht in einem Mega-Beton-Projekt durch einen Nationalpark enden, aufzuzeigen und zu diskutieren.

Jutta Matysek von Lobau bleibt! zeigt während eines Vortrags für das Jugenddialog-Event auf eine projizierte Karte des Gebiets Donau-Auen/Lobau, während die Teilnehmer zuschauen; daneben steht ein Flipchart mit der Tagesordnung.

GLOBAL 2000

Ausgangslage und Zielsetzung des Events

Der Lobau-Tunnel ist nach wie vor ein hochaktuelles Thema im österreichischen Natur- und Klimaschutz, obwohl die Idee und Planung schon mehrere Jahrzehnte lang diskutiert werden. Wir haben uns recht schnell für dieses Thema entschieden, da wir üblicherweise nicht die Zielgruppe dieses Projekts sind und die Mobilitätsbedürfnisse jüngerer Generationen überhaupt nicht mitbedacht werden. Der Gegensatz von Sparen im sozialen Bereich, bei Universitäten, beim Klimaschutz, etc. und gleichzeitig Milliarden für einen Tunnel auszugeben, der fertiggestellt werden soll, wenn Österreich schon klimaneutral sein will, löst bei vielen Menschen Frust, Angst und Wut aus. Vor allem bei jungen Menschen führt das zu Vertrauensverlust in die Politik. Wir wollten diese Gefühle aufarbeiten und als Inspiration für Visionen und Handeln nutzen.

Das Event fand am 29. Mai 2026 in der Blumenfabrik statt. Um 15.30 kamen die ersten Teilnehmer:innen und es dauerte bis 22.00. Insgesamt konnten wir 66 junge Menschen dazu motivieren, an unserem Event teilzunehmen.

Zum Einstieg des Events gab uns Jutta Matysek von der Bürgerinitiative Rettet die Lobau einen Überblick über das geplante Projekt und die Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt. Der Vortrag legte den informativen Grundstein für die weiteren Programmpunkte.

World Café – was ist das, wer war da?

Junge Menschen sitzen in einem hellen Raum im Café-Stil im Kreis und nehmen an einem „World Café“-Dialog für Jugendliche teil; „Fridays for Future“-Poster und Girlanden.

GLOBAL 2000

Das sagen die Organisator:innen: Uns war es sehr wichtig, im Rahmen unseres Projekts Raum für Diskussion und Austausch zu schaffen. Beim World Café wurden die Teilnehmer:innen in vier Gruppen eingeteilt, in denen weiter diskutiert werden konnte. Eingeladen waren Ray von Fridays for Future, Hannah Keller von GLOBAL 2000 und Julia von Psychologists for Future – und auch Jutta Matysek leitete eine World-Café-Gruppe. Nach 20 Minuten zu einem Thema wurden die Gruppen durch gewechselt, sodass jede:r die Möglichkeit hatte, mit allen Gäst:innen zu diskutieren. Das Ziel dieses Programmpunktes war, gemeinsam zu erarbeiten, wie man am besten mit den Informationen des Einstiegsvortrags umgehen kann und welche Möglichkeiten für politisches Handeln es gibt.

Podiumsdiskussion: Bei der Podiumsdiskussion wurde das Thema Lobau-Autobahn aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven beleuchtet. Zu Gast waren Barbara Laa (TU Wien), Stefan Holly (Lobau bleibt), Hannah Keller (GLOBAL 2000) und Patrick Scherhaufer (BOKU Wien). Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, in der die Podiumsgäst:innen ihre jeweiligen Arbeits- und Forschungsschwerpunkte präsentierten, wurde diskutiert, welche Auswirkungen das Projekt auf Verkehr, Klima und Ressourcenverbrauch hat.

Barbara Laa thematisierte insbesondere die verkehrspolitischen Herausforderungen und die Frage, wie Mobilität in Wien zukunftsfähig gestaltet werden kann. Hannah Keller und Stefan Holly gingen auf die klimapolitischen Folgen des Projekts sowie auf Widersprüche zwischen dem Autobahnbau und den formulierten Klimazielen ein. Patrick Scherhaufer brachte die Perspektive von Ressourcenverbrauch, Flächennutzung und Wachstumslogiken in die Diskussion ein.

Abschließend wurden mögliche Zukunftsvisionen für eine nachhaltige Mobilitätspolitik diskutiert. Im Mittelpunkt standen die Fragen, welche Maßnahmen wirksamer als der Bau neuer Autobahnen wären und welche politischen Entscheidungen notwendig sind, um die Mobilitätswende voranzubringen.

Drei Forderungen der Jugend

  1. Klimagerechte Verkehrs- und Raumplanung zuerst: den Lobau-Tunnel stoppen und neu bewerten, das Augebiet schützen.
  2. Hürden für das Engagement senken: durch verständliche Informationen, Klimabildung und konkrete, geförderte Möglichkeiten zum Mitmachen.
  3. Klima-Gefühle ernst nehmen: sie mit Wegen zu langfristigem, stabilem Engagement verbinden.

Zitat aus dem World Café: „Ich habe Angst, dass der Tunnel wirklich gebaut werden wird – fühle mich aber gestärkt durch die tollen Aktionen, die es dagegen gibt!“

Fazit

Weitblick heißt: heute so planen, dass die Generation mitentscheidet, die am längsten mit den Folgen lebt.

Musikalischer Ausklang:

Den Ausklang des Abends gestaltete ein DJ-Set, das Raum für weitere Gespräche und Vernetzung bot. Viele Teilnehmer:innen blieben auch nach dem offiziellen Programm noch vor Ort, um die Diskussionen in entspannter Atmosphäre fortzuführen und sich auszutauschen.