Ein Garten wie damals

Stephan aus Niederösterreich gestaltet seinen Garten schon seit Jahren naturnah. Sein buntes Paradies für Schmetterlinge und Bienen ist deshalb auch ein Teil unseres Nationalpark Garten. Wie er seine Oase für Mensch und Natur pflegt und welche Pflanzen dort am meisten zur Vielfalt beitragen, hat er uns in einem Gespräch verraten.

Was sind für Sie die besondere Herausforderungen und Benefits beim naturnahen Gärtnern?

Eine besondere Herausforderung ist es für mich, die "Wildnis" mit sanften Mitteln (das heißt explizit, ohne jeden Einsatz motorisierter Geräte und selbstverständlich auch ohne jedes Gift!) so weit zu zähmen, dass der Garten nicht von "Unkraut" überwuchert wird, ihr aber dennoch so viel Raum zu gewähren, dass alle Pflanzen, die "von Natur aus" an diesem Ort (in meinem Fall handelt es sich um das Obere Waldviertel im Bezirk Gmünd nahe der Grenze zu Südböhmen) wachsen und gedeihen, sich zum Wohle aller mit ihnen harmonierenden Tier- und Pflanzenarten entfalten können.

Warum haben Sie sich entschieden, an dem Projekt Nationalpark Garten teilzunehmen? 

Weil mich dieses Projekt überzeugt. Ich halte es für einen kleinen, aber entscheidenden und vorbildlichen Schritt im Kampf gegen die Klimakatastrophe, die viele von uns durch gedankenloses "Weiter so, weil die Nachbarn es genauso machen" verschlimmern.

Wie lange sind Sie schon dabei?

Dem Projekt von GLOBAL 2000 "Nationalpark Garten" habe ich mich vor wenigen Wochen angeschlossen, als ich in den Medien davon erfuhr. "Naturnahes Gärtnern" betreibe ich persönlich bereits seit Jahrzehnten. 

Wie leicht/schwer fiel Ihnen die Umstellung Ihres Gartens, und sind Ihnen seit der Umstellung Veränderungen im Tier-& Pflanzenreich Ihres Gartens aufgefallen?

Die Umstellung meines aktuellen Gartens, den ich vor 5 Jahren käuflich erworben habe, fiel mir nicht besonders schwer, weil ich schon früher eine ausgeprägte Vorstellung davon hatte, was "richtig" und "falsch" ist im Umgang mit der Natur im eigenen Garten. Ich eliminierte sofort sämtliche Rasenmäher und pflanzte gezielt verschiedene Baum-, Obst- und Gemüsearten und beobachtete aufmerksam, welche Veränderungen sich in der Struktur meines Gartens ergaben.

Besonders hervorheben möchte ich dabei, dass sich in den letzten 5 Jahren die Artenvielfalt im Pflanzen- und Tierreich massiv erhöht hat. Aus diesem Grund möchte ich mit meinem Garten, falls irgendwo Interesse daran besteht (ich denke hierbei vor allem an Institute für Botanik und Biologie, aber auch Philosophie oder Pädagogik an Universitäten oder anderen Bildungseinrichtungen), einen wissenschaftlichen Beitrag zur Erforschung der Artenvielfalt ermöglichen, gegebenenfalls auch selbst mit leisten.

Was war die schönste Erfahrung mit Ihrem Nationalpark Garten? 

Die schönste Erfahrung mit meinem Garten ist die tägliche Freude, ihn begrüßen und in seinen vielen verschiedenen Facetten betrachten zu dürfen. Das Blühen zahlreicher Blumen, Kräuter, Bäume und Sträucher beglückt mich ebenso wie die vielfältigen ungespritzten und liebevoll betreuten Früchte, die ich ernten und genießen darf. Ebenso begeistern mich die vielen verschiedenen Gartenhelfer aus dem Tierreich wie Frösche, Kröten, Schlangen, Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Vögel, Maulwürfe oder Regenwürmer.

Wie viel Zeit pro Woche/ Monat verbringen Sie mit der Pflege Ihres Gartens?

Etwa 20 Stunden pro Woche.

Ist die Gartenpflege seit der Umstellung auf einen "Naturgarten" aufwendiger geworden?

Ich wundere mich oft, dass es anderen Gartenbesitzern nicht zu fad oder zu anstrengend wird, stundenlang mit Rasenmähern, Balkenmähern oder Traktoren auf und ab zu fahren, nur um bloßes Gras ohne weitere Inhalte auf eine von irgendeiner höheren Instanz vorgeschriebenen Mindesthöhe niederzuschneiden, und das auch noch alle paar Tage oder paar Wochen... Demgegenüber verwende ich kaum mehr Zeit auf die systematische Pflege meines Gartens, der mir so viel an Freude und Nahrung zurückgibt.

Woher bekommt man das Know-How für einen biodiversen Garten? 

Dieses Wissen könnte man zum Beispiel von GLOBAL 2000 oder dem Naturschutzbund bekommen. Es würde aber auch schon genügen, sich darüber zu informieren oder daran zu erinnern, wie frühere Generationen mit ihren Gärten umgegangen sind.

Wie viel haben Sie davor schon über nachhaltiges Gärtnern gewusst?

All das, was mir zum Beispiel meine Großeltern und andere Gartenbesitzer in der Verwandtschaft vermittelt hatten.

Wie haben Sie mehr darüber herausgefunden? 

Durch Learning by doing! Ich habe einfach ausprobiert und probiere weiterhin aus, was geschieht, wenn ich dies oder jenes tue oder unterlasse.

Hat Ihnen Global2000 dabei geholfen?

GLOBAL 2000 hat mich nun ermuntert, meine praktischen Kenntnisse im Gartenbau auch theoretisch zu formulieren. Und ich hoffe, dass meine Kooperation mit GLOBAL 2000 noch viele weitere Früchte auch für andere Gartenliebhaber bringen wird.

Was sind Ihre Lieblingspflanzen? 

Kräuter, Obstbäume und -sträucher, Nadelbäume, Gemüsepflanzen

Welche Pflanzen sind Ihrer Meinung nach besonders gut für die Förderung von Biodiversität?

Kräuter, Obstbäume und -sträucher, Gemüsepflanzen

Welche Tiere und heimische Nützlinge konnten Sie bereits in Ihre Gartenoase locken und beobachten? 

Kröten, Frösche, Schlangen, Eichelhäher, Grünfinken, Zeisige, Sperlinge, Tauben, Schwalben, Amseln, Schmetterlinge, Wildbienen, Hummeln, Maulwürfe... (Ich hoffe, ich habe niemanden von meinen Freunden vergessen?)

Welche sind Ihnen die liebsten?

Ich liebe sie alle!

Haben Sie mit Ihrem Natur-Garten andere Leute inspiriert? 

Das kann ich nicht beurteilen. Wenn ich zum Beispiel auf Facebook etwas poste, dann "gefällt" das manchen Leuten. Ob sie selbst auch etwas daraus machen? Meistens sehe ich, dass sie, wenn ich sie persönlich kenne, weiterhin mit dem Rasen- oder Balkenmäher herumfuhrwerken.

Und haben Sie Tipps für zukünftige Natur-Gärtner*innen?

Ja! Zuallererst empfehle ich, jegliches motorisiertes Gerät aus dem Garten zu verbannen und alles mit den Händen zu machen. Es bringt wesentlich mehr - an Freude wie an Ertrag -, mit Gabel oder Spaten Erdreich umzugraben und dann Saatgut in die Erde zu legen, oder Bäume und Kräuter zu pflanzen, aus denen reiche Frucht wird, als die "Mutter Erde" entweder zuzupflastern oder eine Rasenwüste aus ihr zu machen.