Sehr giftig sind die organischen Verbindungen des Quecksilbers, von denen das Methylquecksilberion CH3Hg+ die wichtigste Verbindung ist. Auf Grund der hohen Fettlöslichkeit dieser Verbindungen, können bis zu bis zu 95 Prozent der über die Nahrung in den Körper gelangten Menge aufgenommen und über das Blut ins Gehirn transportiert werden. Je nach Aufnahme sind sowohl eine akute als auch eine chronische Vergiftung möglich. Schwerste Schädigungen des Zentralnervensystems, zum Teil irreversible Seh- und Hörstörungen sind die Folgen einer solchen Vergiftung.

Ein Milligramm Quecksilber reicht aus um über 5.000 Liter Trinkwasser zu vergiften.

Ihre traurige Berühmtheit erlangte diese Verbindungsklasse insbesondere durch die Katastrophe von Minamata in Japan, bei der 1952 52 Menschen ums Leben kamen. Gestorben sind sie an einer Fischvergiftung, die auf ungewöhnlich hohe Konzentrationen an CH3HgSCH3 in den Fischen zurückgeführt werden konnte. Es war nachzuweisen, dass diese Verbindung aus einer nahegelegenen chemischen Fabrik stammte, wo die Hg(II)-Salze als Katalysatoren bei der Herstellung von Acetaldehyd aus Acetylen verwendet wurden. Die bei diesem Prozess anfallenden Abwässer hatte man einfach in die flache See abgelassen.

Quecksilber in der Umwelt und in der Nahrungskette

Quecksilber ist eine beständige Substanz, die über Luft, Wasser, Nahrung und in Produkten weit verbreitet wird. Deswegen wird das hochgiftige Schwermetall auch weit entfernt von seiner ursprünglichen Freisetzungsquelle vorgefunden. Auch im Meer erhöht sich zunehmend die Quecksilberkonzentration und über den Fischkonsum gelangt das Gift in die menschliche Nahrungskette. Quecksilber greift das zentrale Nervensystem an und kann gerade bei Kindern das Lernvermögen beeinträchtigen. Studien zeigen, dass besonders Bewohner in der Arktis und auch in japanischen Orten, wo aufrund der Ernährungsgewohnheiten viel Wal- und Delfinfleisch verzehrt wird, wesentlich höhere Quecksilberwerte aufweisen. Auch der gefährdete Blauflossen Thunfisch ist häufig besonders schwer belastet. Das Schwermetall lagert sich vor allem in Muskelfleisch und weniger im Fettgewebe ab.

Quecksilberemissionen

Hauptverursacher des gesamten in die Atmosphäre abgegebenen Quecksilbers sind Vulkanausbrüche, Waldbrände und andere natürliche Prozesse mit jährlich gut 5.200 Tonnen. Das sind ca. siebzig Prozent der weltweiten Quecksilberemissionen.

Allerdings lassen sich anthropogene und natürliche Quellen nicht klar trennen. Verbrennen Pflanzen, setzen sie Quecksilber frei, das sie zuvor über Industrieemissionen aufgenommen haben. Großflächige Brandrodungen des Regenwaldes stellen demnach eine enorme vom Menschen verursachte Emissionsquelle dar.

Quecksilber wird in großen Mengen durch menschliche Aktivitäten freigesetzt. Es wird geschätzt, dass dadurch jährlich etwa 2.300 Tonnen als gasförmiges Quecksilber in die Atmosphäre abgegeben werden, zudem noch erhebliche Mengen in Böden und Gewässer.

Kohlekraftwerke emittieren jährlich etwa 810 Tonnen Quecksilber. In Stein- und Braunkohle tritt Quecksilber zwar nur in Spuren auf, die hohe Menge der weltweiten verbrannten Kohle führt aber zu dieser erheblichen Freisetzungsrate.

Weitere Emissionen entstehen durch:

  • Goldgewinnung (Artisanal Small Scale Mining): 400 Tonnen Die Nutzung von Quecksilber in der Goldgewinnung, von der Lebensunterhalt vieler Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern abhängt, ist besonders problematisch. Quecksilber wird beim Auswaschen des Goldes freigesetzt wird. Oft wird hochgiftiges Zyanid genutzt, um Gold aus Steinen zu waschen. Dadurch lösen sich auch andere Metalle aus den Steinen, unter anderem Arsen und Quecksilber, die dann ungefiltert in die Umwelt gelangen. Dort vergiften sie ganze Landstriche.
  • Metallproduktion: 353 Tonnen
  • Zementwerke: 236 Tonnen
  • Abfallentsorgung: 187 Tonnen
  • Chlorproduktion: 163 Tonnen

Info :Wissenschaftliche Studien zum Thema Quecksilberemissionen

Auch Altlasten sind nach wie vor gefährliche Quellen des Giftes. In elektrischen Schaltern und auch in Platinen wurde Quecksilber bis zum Ende des 20. Jahrhundert noch vielfach verwendet. So lagern noch heute große Mengen des Stoffes, oft unerkannt, in Metallwerkstätten, Industriebetrieben oder auf Mülldeponien. Quecksilberemissionen, die durch Energiesparlampen in der EU anfallen, werden auf etwa 3 Tonnen jährlich geschätzt:

(9)Die Quecksilberemissionen, die während der verschiedenen Lebenszyklusphasen von Lampen anfallen, z. B. infolge des Strombedarfs in der Betriebsphase sowie infolge der Entsorgung von schätzungsweise 80 % der verbrauchten quecksilberhaltigen Kompaktleuchtstofflampen ohne Recycling, werden auf der Grundlage der Zahl der in Betrieb befindlichen Lampen für das Jahr 2007 auf 2,9 t geschätzt. Vorhersagen zufolge wird dieser Wert bis zum Jahr 2020 auf 3,1 t ansteigen, wenn keine spezifischen Maßnahmen getroffen werden; es ist jedoch erwiesen, dass eine erhebliche Verringerung der Queck­ silberemissionen möglich ist.  Aus: Verordnung (EG) Nr. 244/2009 der Kommission

Im Jahre 2007 hatten die Energiesparlampe einen Anteil von 0,5 Prozent am gesamten Quecksilberverbrauch in der EU. Den größten Anteil hatte die Chlor-Alkali-Chemie, gefolgt von Zahnamalgam, von dem rund 100 Tonnen verbraucht wurden (Quelle: Deutsches Umweltbundesamt).

Zum Vergleich: Ein klassisches Fieberthermometer enthält bis zu dreitausend Mal mehr Quecksilber als eine moderne Energiesparlampe. Mittlerweile müssen alle in der EU gehandelten und verkauften Thermometer quecksilberfrei sein.

Maßnahmen zur Beschränkung der Quecksilberemissionen

In der Schweiz ist das Inverkehrbringen und Verwenden von quecksilberhaltigen Materialien schon seit 2005 untersagt. In Norwegen sind quecksilberhaltige Produkte seit 2008, in Schweden seit 2009 verboten und beinhaltet auch die Verwendung von Zahnamalgam. Die Liste der Ausnahmen ist allerdings lang und umfasst Künstlerfarben ebenso wie Energiesparlampen.

2007 verabschiedete das EU-Parlament eine Richtlinie zur „Beschränkung des Inverkehrbringens gewisser quecksilberhaltiger Messinstrumente“ wie Fieberthermometer und andere zum Verkauf an die breite Öffentlichkeit bestimmte Messinstrumente wie Barometer oder Blutdruckmessgeräte.

Ein internationales Abkommen mit dem Ziel der weltweiten Senkung der Quecksilberemissionen wird derzeit auf der Ebene des UN-Umweltprogramms (UNEP) geplant. Um Quecksilber in Luft, Wasser, Nahrung und Handel zu reduzieren, soll das bestehende internationale Regelwerk zum Umgang mit Chemikalien und Abfall (Basler-, Rotterdamer und Stockholmer Übereinkommen) mit einer Konvention über den Umgang mit Quecksilber ergänzt werden. Experten aus Politik, Wissenschaft und Umweltverbänden wollen deshalb eine Prioritätenliste aufstellen, in der sie Ersatz für Quecksilber durch Alternativstoffe nach Dringlichkeit vorgeschlagen. Sieben Bereiche, in denen dringender Handlungsbedarf besteht, hat die UNEP ausgemacht: Die Goldgewinnung und das Goldhandwerk, die Kohleverfeuerung, die Chlor- und Alkaliherstellung, die Überwachung von Emissionen in Umwelt- und Natur sowie Herstellung und Lagerung von Quecksilber und die Entsorgung bzw. Endlagerung. Der Verhandlungsprozess, dessen erste von fünf Sitzungen 2010 in Stockholm stattfand, soll bis Anfang 2013 abgeschlossen sein. Die EU - bisher weltweit grösster Exporteur von Quecksilber - hat am 15. März 2011 ein Exportverbot für das Metall erlassen (betrifft allerdings nicht quecksilberhaltige Produkte wie z.B. Dentalamalgam).

Quellen:

DM World: Kampf gegen Quecksilber
NZZ Online: Abschied vom Quecksilber