Hummelkästen - Nisthilfen für die dicken Brummer im Garten

Wer Hummeln in deinen Garten locken will, tut gut daran ihnen einen Unterschlupf zu bieten. Solche Hummelkästen lassen sich ganz einfach selbst bauen.

Hummeln sind die ersten Bienen die nach dem Winter (oder eigentlich sogar noch im Winter) aktiv werden. Die Frühlingsboten sind besonders fleißige Tiere und bestäuben eine Vielzahl an Pflanzen. Vergleich zu den Honigbienen bilden Hummeln je nach Art recht kleine Kolonien, mit etwa 20-200 Individuen. Die meisten anderen Wildbienenarten leben wiederum als Einzelgänger.

Hummelköniginnen suchen nach der Winterruhe, die sie in der Erde verbringen, nach Höhlen und Nestern von Mäusen, Vögeln oder anderen Wirbeltieren. Sie stellen sich dabei furchtlos den eigentlichen Besitzern und können diese aus ihrem Nest vertreiben. In der freien Natur werden die geeigneten Nistmöglichkeiten allerdings immer rarer. Eine Möglichkeit den pelzigen Brummern zu helfen, ist deshalb der Bau einer Hummelkiste, die den Bienen als Unterschlupf dient. 

Waben und des Hummelvolks im fertigen Hummelkasten

Nistkästen vom Hummelpfarrer

Hummeln sind prinzipiell recht anspruchslos, weshalb verschiedene Modelle von Hummelkästen genutzt werden können. Es kursieren in der Fachliteratur, als auch im Internet verschiedenste Anleitungen: von einfachen bis sehr luxuriösen Hummelkisten, von oberirdischen und von unterirdischen Nisthilfen. So beschreiben etwa Eberhard von Hagen und Ambros Aichhorn in ihrem Buch „Hummeln – bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen“ folgende Typen: Pappnistkästen, Mündener Holznistkasten, Holzbetonnistkasten und die Hummelkiste nach Aichhorn.

Wir haben dem „Hummelpfarrer“ Ambros Aichhorn einen Besuch abgestattet, haben uns seine Hummelkästen genauer angesehen und möchten Ihnen hier eine einfache und kostengünstige Bauanleitung dafür geben.

Ambros Aichhorn mit Hummelkiste Ambros Aichhorn im Hummelgarten

An dieser Stelle sei aber auch angemerkt, dass Hummeln fast immer ein natürliches Nest gegenüber dem Nistkasten bevorzugen. Die Kisten werden natürlich auch nur besiedelt, wenn es an ihrem Standort überhaupt Hummeln und – ganz wichtig! – ausreichend Blüten gibt. Gibt es nichts zu essen, ist auch das beste Hotel uninteressant.

In etwa ein Viertel aller Hummelkästen werden selbständig besiedelt. Nehmen Sie es also bitte nicht zu schwer, wenn es bei Ihnen nicht klappt. Den Versuch ist es auf alle Fälle wert! Es kann auch vorkommen, dass sich anstatt der Hummeln andere Tiere, wie z.B. die völlig unaufdringlichen Feldwespen, die Unterkunft schnappen. 

Feldwespe in Einflugsloch der Hummelkiste

Wo steht der Hummelkasten?

Der Standort muss regengeschützt und halbschattig sein, am besten mit Morgensonne. Pralle Mittagssonne sollten Sie vermeiden. Sie können die Nisthilfe entweder an einem Baum, einer Hauswand oder einem Holzpflahl befestigen, oder auf Ziegelsteine oder ähnliches stellen. Wichtig ist, dass die Kiste nicht das Gras berührt. Sonst wäre die Feuchtigkeit zu groß und Feinde der Hummeln, wie z.B. Wiesenameisen, könnten leicht eindringen.

An Häusern und Gehöften suchen laut Ambros Aichhorn besonders Baum- und Wiesenhummeln nach Nistmöglichkeiten. Für die Montage am Baum, reicht es aus, den Hummelkasten mit einem dicken Draht an einen Ast zu hängen. 

Sollten Sie die Hummelkiste umstellen müssen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder schrittweise nicht mehr als einen Meter pro Tag, oder in der Nacht und dann gleich mehr als 100 Meter, damit die Hummeln den neuen Standort akzeptieren und nicht den alten suchen.

Tipp von Ambros Aichhorn: Bei Kisten in Bodennähe können Sie die Verankerung/Aufhängung mit einem Tropfen Raupenleim versehen, damit verhindern Sie, dass Ameisen in das Nest eindringen. 

Hummelkästen an der Wand

Anleitung zum Bau eines oberirdischen Hummelkasten nach Ambros Aichhorn:

Material
  • Natürliches Holz (z.B. Fichte, wobei die Holzart nicht entscheidend ist) mit einer Brettstärke von ca. 1,5 cm. Kein beschichtetes Holz, denn das ist nicht saugfähig und es bildet sich Kondenswasser.
    • Vorder- & Hinterwand 22 x 13 cm
    • Seitenwände 15 x 13 cm
    • Dachbrett 22 x 18 cm
    • Bodenbrett  19 x 15 cm

      Für Hummelarten mit großen Kolonien (wie z.B. Dunkle und Helle Erdhummel, Baum-, Distel- oder Steinhummel) können auch Kisten in einer Größe von 30 x 20 cm gebaut werden.

  • Dachpappe
  • Ein Stück Fliegengitter
  • Innenausstattung: 
    • Tapeziererwatte oder Polsterwolle
    • Zartes Moos (am besten feines Moos von Baumrinden)
    • möglich wären auch:
      • Genist aus verlassenen Mausnestern
      • Genist aus verlassenen Meisennestern
      • Kapok (zerschnitten, zerkleinert)
  • 2-4 mm starken Draht
  • Nägel und Schrauben
  • U-Hakerl und evtl. Ringschrauben
Bauanleitung

Skizze der Hummelkiste von Ambros Aichhorn

  1. Schrauben oder nageln Sie die Seitenwände und das Bodenbrett zusammen
     
  2. Fixieren Sie das Dach einem dünnen Draht an Ringschrauben oder U-Hackerl an der Kiste. Das Dach bleibt abnehmbar und steht an den Seiten über, um die Kiste vor Regen zu schützen.
    Tipp von Ambros Aichhorn: Möchten Sie das Wabenbauverhalten der Hummeln studieren, können Sie für die Beobachtunszeiträume das Dach abnehmen und durch eine durchsichtige Plexiglasscheibe ersetzen. Sie dürfen die Königin allerdings nicht beim Bau der Brutkammer und beim Legen der ersten Eier stören!
  3. Befestigen Sie anschließend die Dachpappe mit kleinen Nägeln.
  4. Bohren Sie das Flugloch, mit einem Durchmesser von ca. 18 bis 25 mm, in die Vorderwand im unteren Drittel. 

    Schließmechanismus der Hummelkiste
     

  5. Bohren Sie ein Belüftungsloch mit ca. 20 mm Durchmesser am oberen Ende einer Seitenwand.
  6. Schleifen Sie Flug- und Belüftungslöcher innen uns außen mit etwas Schleifpapier ab, um sie von abstehenden Holzspähnen zu befreien. Und platzieren Sie anschließend ein Stück Fliegengitter auf der Innenseite des Belüftungsloches. 
  7. Nun geht es an die Innenraum Einrichtung:
    Als Unterlage können Sie optional 1-2 cm Moos verwenden. 
    Danach kommt eine Schicht fein zerkleinerte Tapeziererwatte. Platzieren Sie gröberes Material in den Ecken der Kiste, denn dort wird der Kot abgegeben. Wichtig ist, dass die Materialien zerzupft und mit der Schere in ca. 2 cm lange Stücke geschnitten werden. Lange Wollfäden können sich sonst um den Hals von Hummeln wickeln, was tödlich für sie wäre.

    Innenmaterial für die Hummelkiste
     

  8. Nun können Sie den fertigen Hummelkasten aufhängen. Dazu bringen Sie an der Hinterwand der Kiste U-Hakerl an. Biegen Sie nun ein Stück Draht S-förmig und hängen Sie die Kiste in den Draht ein. Sie können Sie Kiste dann je nach Platz an einem Wandhaken, einem Ast oder einem Holzpfahl anbringen. 

Rückseite der Hummelkiste mit Aufhängung

Fertig - die Hummeln können einziehen!
                                                                                                                             
Fertig aufgestellte Hummelkiste

Tipp von Ambros Aichhorn: Wenn das Nest verschmutzt ist oder die Kolonie zu groß wird, können die Hummeln in eine neue Kiste umgesiedelt werden. Dabei das gesamte Genist (Watte, Moos und Waben) einfach von unten nehmen, herausheben und vorsichtig in eine neue Kiste legen. Dies kann mit den bloßen Händen oder Handschuhen gemacht werden, oder man biegt sich z.B. aus Blech eine kleine Schaufel zurecht. Entscheidend ist, dass die Waben dabei nicht zerstört werden. Die Umsiedlung sollte nicht an einem kalten oder regnerischen Tag durchgeführt werden. Und keine Angst, die Hummeln – auch etwas aggressivere Arten wie die Baumhummel – gewöhnen sich sehr schnell an den Menschen und sind in der Regel auch bei der Umsiedlung nicht aggressiv.