Aluminiumdosen

Im Oktober 2010 brach der Damm eines Giftschlammbeckens einer ungarischen Aluminiumfabrik. Rund eine Million Kubikmeter des hochgiftigen und ätzenden Bauxitschlamms verseuchten mehrere Dörfer. Soviel zur jüngsten Umweltkatastrophe in Ungarn. Schuld daran ist unsere Gier nach dem kostbaren Werkstoff Aluminium.

Was sich als Einzelfall, als Versagen von Behörden und Folge eines korrupten Systems mit einer roten Bilderflut in unser Gedächtnis eingebrannt hat, ist in Wahrheit nur die Spitze einer verheerenden Ressourcenerzeugung und -verwendung. Die Aluminiumproduktion ist von A bis Z eine Kathastrophe.

Das Allround-Metall

Aluminium ist ein wahres Multitalent: Es ist federleicht und trotzdem in Legierungen mit anderen Metallen fast so fest wie Stahl, es ist hitzebeständig und ein guter elektrischer und Wärme-Leiter und es ist extrem formbar. Aufgrund dieser Vielseitigkeit ist es einer der beliebtesten Werkstoffe überhaupt: in der Verpackungsindustrie, im Fahrzeugbau, in und der Luft- und Raumfahrt. Und zu Hause dient es uns in Form von Getränkedosen, Alufolie, Kochtöpfen und Campinggeschirr.

Aluminium – der Rohstoff- und Energiekiller

Für die Herstellung von Aluminium werden jedoch unglaubliche Mengen an Rohstoffe und Energie benötigt: viermal soviel Energie wie bei der Herstellung von Papier, zehnmal so viel wie bei der Produktion von Weißblech und 27mal so viel wie bei der Glasverarbeitung. Der Rohstoff zur Aluminiumgewinnung heißt Bauxit. Beim Bauxitabbau werden großflächig Landschaften zerstört – brasilianische Regenwälder und sibirische Urwälder werden abgeholzt – wie dies allgemein für den Tagebau charakteristisch ist. Bei der Erzeugung fallen hochgiftige Abfallprodukte an, wie schwermetallhaltige Schlämme, klimaschädliche Fluorkohlenwasserstoffe, der ätzende Fluorwasserstoff sowie Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid. Pro Tonne Aluminium fallen rund 1,5 Tonnen hochgiftiger und stark ätzender Rotschlamm an, der als Abfall in offenen Giftschlammbecken deponiert wird.

Alt-Alu versus Neu-Alu

Bei der Herstellung von Aluminiumprodukten macht es keinen Unterschied, ob neues aus Bauxit gewonnes Aluminium oder bereits gebrauchtes Metall als Rohstoff eingesetzt wird. Vergleicht man jedoch recyceltes und neu produziertes Aluminium in Bezug auf Energieverbrauch, Wasser- und Luftbelastung bei der Herstellung miteinander, schneidet das recycelte Aluminium eindeutig besser ab. Der Energieverbrauch beim Einschmelzen von Aluminium beträgt nur fünf bis zehn Prozent des Energieverbrauchs der Neuproduktion. Für Verbundverpackungen aus Aluminium, Kunststoff und Pappe – wie etwa H-Milchkartons oder Saftkartons – gibt es zurzeit noch keine befriedigenden Recyclingmethoden.

Ein teurer Rohstoff landet auf dem Müll

In Hinblick auf die gute Wiederverwertbarkeit von Aluminium ist es geradezu unverantwortlich, dass es in Österreich kein Steuerungssystem gibt, um die Alu-Recyclingquote zu erhöhen. Derzeit landet der teure Rohstoff leichtfertig auf dem Müll. Auch wenn die Wiederverwertung der Neuproduktion bei weitem vorzuziehen ist, so ist sie dennoch nicht unproblematisch. Auch das Einschmelzen birgt offenkundig ökologische Risiken. Es erhärtet sich der Verdacht, dass beim Einschmelzen von bedrucktem Aluminium – wie Joghurtdeckel und Aludosen– langlebige organische Schadstoffe wie Dioxine und Furane freigesetzt werden. Die Devise heißt also: Alu vermeiden.

Ohne Aluminium geht’s auch

Im Ranking der größten Energiefresser und Wasser- und Luftverschmutzer nimmt die Aluminiumproduktion neben der Herstellung von Glas, Polyethylen, Polystyrol, Papier und Weißblech immer noch die absolute Spitzenreiterrolle ein. Deshalb: Verzichten Sie auf Getränke und Nahrungsmittel in Alu- oder Verbundverpackungen und greifen Sie zu Mehrwegsystemen. Und wenn Sie doch ab und an auf die Aludose nicht verzichten können, vergessen Sie nicht, diese dem Recycling zu zu führen.

GLOBAL 2000 ist Mitglied der Plattform Footprint, einer Allianz von Umwelt- und Entwicklungspolitischen Organisationen, die den "Ökologischen Fußabdruck" als wesentliche Maßzahl für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft verankern will. Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen wollen wir durch Lobbying- und Aufklärungsarbeit zum Thema Footprint Bewusstseinsbildung, Handlungseinsicht und politischen Druck für nachhaltige gesellschaftliche Veränderung erzeugen. Mehr Infos auf www. footprint.at .

Bild des Benutzers Astrid Breit

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