Neuigkeit, 15.11.2021

Feuchtwiese, Moor & Wald – die „heimlichen“ Klimaschützer

Wiesen in der Nähe von Flusstälern, an Seen oder in Senken bergen neben Mooren und Wäldern ein immenses ungenutztes Potenzial für den Klima- und Artenschutz.

Die neue Studie „Wiederherstellung veränderter Ökosysteme zum Klima- und Artenschutz in Österreich“ zeigt, dass neben dem Moor und Wald insbesondere die Feuchtwiese und -weide eine sehr wichtige Rolle bei der Bekämpfung der Klima- und Biodiversitätskrise einnimmt, die bisher völlig unterschätzt wurde.

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Cover MUTTER Erde Studie

 

Welche Lebensräume binden das meiste CO2?

Moore, naturnahe Wälder sowie saftige Wiesen und Weiden, in denen Käfer, Schmetterlinge, Bienen und Co. ein Zuhause finden, haben in der allgegenwärtigen Klima- und Biodiversitätskrise das größte Potential CO2 zu speichern und gleichzeitig zum Schutz der Artenvielfalt beizutragen.

  • Moore: 
    Moore sind Feuchtgebiete mit schwammigen Böden, auf denen ständiger Wasserüberschuss durch Regen oder austretendes Grundwasser herrscht. Der Boden ist sauerstoffarm und verhindert den vollständigen Abbau pflanzlicher Reste, wodurch der darin enthaltene Kohlenstoff als CO2 gebunden und im Torf gespeichert wird. Hoch- und Übergangsmoore können am besten große CO2-Mengen binden, da sie meterdicke Torfschichten aufbauen können.
     
  • Wälder: 
    Wälder speichern CO2 vor allem im Holz. Insbesondere in naturbelassen Wäldern und Urwäldern ist viel Biomasse vorhanden, die als Totholz auch weiter im Naturwald bleibt und so als längerfristiger Kohlenstoffspeicher wirkt. Auch Auwälder entlang von Flüssen und in Hochwassergebieten binden besonders viel CO2 und sind zudem sehr wertvoll für die Artenvielfalt.
     
  • Wiesen & Weiden: 
    Naturnahe Wiesen und Weiden können noch mehr Kohlenstoff im Boden binden als Wälder. Insbesondere Feuchtwiesen heben sich hier hervor. Feuchtwiesen sind grüne Flächen, auf denen hauptsächlich Gräser, Binsen, Seggen und andere krautige Pflanzen wachsen. Darunter viele seltene und gefährdete Arten wie der Lungen-Enzian, die Sumpf-Gladiole und der Duft-Lauch. Auch zurückgedrängte Tierarten wie das Moor-Wiesenvögelchen (ein Tagfalter), der große Bachvogel oder die Sumpfohreule sind Bewohner der Feuchtwiese. Sie sind frei von Bäumen und Hölzern und ihr Boden ist zeitweise überschwemmt. Oft liegen sie in der Nähe von Flusstälern, an Seen oder in Senken.

Feuchtwiese kann allein in NÖ 1 Mio. Tonnen CO2 speichern

Die Experten und Expertinnen des VINCA-Instituts haben sich für diese Studie nun einige Gebiete in Niederösterreich genauer angesehen. Dabei haben sie herausgefunden, dass diese wichtigen Wiesen und Weiden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts drastisch geschrumpft sind, nämlich von 13,5 % auf gerademal 1,3 %. Woran das liegt, ist leicht erklärt: Die früheren Feuchtwiesen wurden trockengelegt um sie besser für die Landwirtschaft nutzen zu können. Was auf den ersten Blick plausibel klingt, birgt aber einen enormen Nachteil: Wird ein Boden ausgetrocknet, löst sich der im Boden gebundene Kohlenstoff und wird als CO2 freigesetzt. 

Nun die gute Nachricht: Wenn wir nur 1,6 %, also ca. 6.550 ha, der aktuell von Bauern und Bäuerinnen bewirtschafteten Fläche im Untersuchungsgebiet wieder auf traditionelle Feuchtwiesen umstellen, könnten wir jährlich 200.000 Tonnen CO2-Emissionen reduzieren. Weitet man die ursprüngliche Wasserversorgung auf rund 32.800 ha aus, könnten sogar 1 Mio. Tonnen CO2 eingespart werden.

Was bedeutet das umgelegt auf ganz Österreich?

Die Wiederherstellung von klimaschützenden Ökosystemen ist ein Schlüssel zur Bewältigung der Klimakrise. Auf nur 1 % der landwirtschaftlichen Fläche Österreichs ist eine Kompensation von 10 % der gesamten Treibhausgasemissionen der österreichischen Landwirtschaft möglich. Dieses immense Potential sollten wir dringend nützen. 

Was würde das für die Landwirtschaft bedeuten?

Viele der Flächen können und sollen weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden. Eine extensive Bewirtschaftung auf Wiesen und Weiden fördert sogar die Vielfalt von Pflanzen und Tieren unterschiedlichster Arten. Zusätzlich dazu schützen uns Feuchtwiesen auf natürliche Weise vor Hochwasser, sie helfen die Austrocknung der Landschaft zu verhindern und sorgen in heißen Sommermonaten für Kühlung. Bauern und Bäuerinnen in Österreich müssen über entsprechende Förderungen für die Arbeit mit solch wichtigen Flächen ausreichend bezahlt werden.

Viel zu lange wurden Moore und Feuchtwiesen trockengelegt. Dass sie ein wichtiger CO2-Speicher sind und Rückzugsorte für seltene Tier- und Pflanzenarten bieten, wissen wir schon lange und die Ergebnisse der aktuellen Studie belegen diese enorme Wichtigkeit. Damit tragen sie maßgeblich dazu bei die zwei größten Umweltkrisen unserer Zeit zu lösen. 

Wir von GLOBAL 2000 plädieren deshalb dafür, die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sich klima- und biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft für die österreichischen Bauern lohnt. Leistungen für das Gemeinwohl der gesamten Gesellschaft müssen stärker unterstützt werden.

Diese Studie wurde von MUTTER ERDE finanziert und vom VINCA-Institut erarbeitet.

 

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