Protest rund um Atomkraftwerk Hinkley Point C

Am 8. Oktober 2012 haben GLOBAL 2000-AktivistInnen zusammen mit Anti-Atom-AktivistInnen aus England den Bauplatz des geplanten Atomreaktors Hinkley Point in West-England besetzt und symbolisch Samen ausgesät – für eine natürliche Zukunft der Region und gegen die widernatürliche Gefährdung durch ein neues Atomkraftwerk. Das Baugelände am Hinkley Point liegt direkt neben zwei laufenden Reaktoren in Besitz des französischen Atom-Multis EdF, hier will die gleiche Firma zwei weitere Blöcke für geschätzte zehn bis zwölf Milliarden Euro bauen, das Bauprogramm wurde aber bereits vor Beginn um ein Jahr verschoben, weil die Projektfinanzierung noch völlig unklar ist. „Wir sind hier, weil trotz fehlender Baugenehmigung die Vorbereitungsarbeiten für den Bau eines neuen Atomkraftwerkes beginnen“, erklärt Ruth Rohrmoser, GLOBAL 2000-Aktivistin. „Und das Ganze geschieht gegen den Willen der Bevölkerung, das zeigt einmal mehr, wie undemokratisch Atomkraft ist.“

Nach über 50 Jahren Atom-Unfällen und Verstrahlung könnte in England ein Ende des nuklearen Alptraums in greifbare Nähe rücken: Die 19 laufenden Reaktoren kommen alle im nächsten Jahrzehnt ans Ende ihrer geplanten Laufzeit. „England muss seine Träume von einer Nuklear-Renaissance aufgeben und stattdessen endlich in Energieeffizienz investieren. Hinkley Point darf nicht weiter ausgebaut werden“, kommentiert Dr. Reinhard Uhrig, Atom-Experte von GLOBAL 2000 die Lage.

Die Neubau-Pläne der konservativ-liberalen Koalition stecken tief in der Krise: Von drei Konsortien, die die erhoffte nukleare Renaissance in England umsetzen sollten, gaben zwei bereits vor Beginn der konkreten Planung auf. Das Joint Venture Horizon der deutschen Atom-Riesen RWE und E.ON warf unter dem Eindruck der Fukushima-Katastrophe und klammer Ertragslage am Atomstrommarkt im März 2012 das Handtuch, aus dem NuGen-Konsortium sind sowohl der schottische Energieversorger SSE als auch der spanische Atom-Riese Iberdrola ausgestiegen. „Aufgrund der katastrophal hohen Investitionskosten für neue Atomkraftwerke in der Höhe von sechs bis acht Milliarden Euro steigen weltweit immer mehr Energieversorger aus ihren Ausbauplänen aus. Atomkraft hat sich noch nie marktwirtschaftlich gerechnet, in Zeiten der Wirtschaftskrise und explodierenden Preisen wird es ohne massive Bezuschussung durch die SteuerzahlerInnen keine neuen Reaktoren geben“ sagt Uhrig. „Das ist auch die Gefahr beim verbliebenen Konsortium um den französischen Atom-Multi EdF, der schon ganz konkrete Geldforderungen an die englische Regierung gestellt hat, um das AKW in Hinkley Point zu bauen.“ Auf EdF kommen allein durch die von den europäischen „Stresstests“ geforderten Nachrüstungen für die französischen AKWs Zusatzkosten von mindestens zehn Milliarden Euro zu, noch dazu ist unklar, wie sich die geplante Versicherungsprämie (full liability) auf die Ertragslage des Konzerns auswirken wird.

„Wir fordern Bundeskanzler Faymann auf, beim Europäischen Rat nächste Woche in Brüssel allen Ambitionen der englischen Regierung eine Absage zu erteilen, diesen nuklearen Albtraum durch Subventionen durch die SteuerzahlerInnen finanzieren zu lassen“, fordert Uhrig abschließend.

Atomkraft in England