Grüne Ölheizung ist Irrweg und Bedrohung

Aktuell wirbt die Ölindustrie mit „eine grüne Ölheizung hat Zukunft“. Doch was verbirgt sich hinter diesem Werbeslogan? Einen ersten Anhaltspunkt dazu gibt die Mitte Jänner im Auftrag des Fachverbands Energiehandel präsentierte Studie, in der überprüft wurde, inwiefern hydrierte Pflanzenöle (HVO) in Ölheizungen eingesetzt werden können. Der Öffentlichkeit zugänglich sind allerdings nur zwei (!) Seiten der Studie in Form einer Kurzfassung. Die gesamte Studie wurde uns auch auf Nachfrage nicht übermittelt. Generell ist es sehr kritisch zu werten, wenn medienwirksam Studienpräsentationen betrieben werden, ohne die entsprechenden Studie dann auch vollständig zu veröffentlichen.

Wir haben öffentlich verfügbare Informationen über die angedachten Optionen zusammengetragen und kommen zu dem Ergebnis, dass keine der präsentierten Lösungen einen gangbaren Weg für den beschlossenen Ausstieg aus Heizöl bietet. Die „grüne Ölheizung“ auf Basis von HVO wird auf Importe setzen müssen und das wird zum Boomerang werden, da HVO schon derzeit hauptsächlich aus Palmöl besteht. Heizen mit Palmöl hätte desaströse Folgen für Natur und Umwelt. Ein Ausstieg aus der Ölheizung ist hingegen mit heute verfügbaren klimafreundlichen Technologien technisch und wirtschaftlich in Österreich machbar. Dieser Weg wurde bereits eingeschlagen, er sollte konsequent weiterverfolgt und durch entsprechende Gesetze abgesichert werden. 

  • In Kurzfassung wird angedacht, Heizöl durch „Hydrotreated Vegetable Oil“ - HVO zu ersetzen. HVO wird bereits jetzt nach Österreich importiert und besteht zu 85 % aus Palmöl. Dieses Palmöl kommt aus Indonesien, wo für die Palmölproduktion artenreiche Regenwälder zerstört werden. Wird HVO importiert, bedeutet die „grüne Ölheizung“ also letztendlich „Heizen mit Palmöl“. 
  • Im Papier wird angesprochen, dass eine Produktion im Inland wünschenswert wäre. Doch dafür fehlen die Voraussetzungen. Um die genannten 935.000 Tonnen HVO durch österreichische Produktion herzustellen, wären 50 bis 80 Prozent der österreichischen Ackerfläche notwendig. Selbst unter optimistischen Annahmen müsste dann die gesamte Ackerfläche Niederösterreichs oder jedes Getreidefeld in Österreich in ein Rapsfeld umgewandelt und für die Heizölproduktion reserviert werden. 
  • Auch sogenanntes „synthetisches Öl“ wird als Alternative zu Heizöl im Papier kurz genannt. Die Herstellung dieser Art von „künstlichem Öl“ ist aber noch im Entwicklungsstadium, energieintensiv und technisch aufwendig. Sicher ist daher, dass dieses aufwändig gewonnene „synthetische Öl“ sehr teuer sein wird, wie das Beispiel „E-fuels“ zeigt. Studien gehen davon aus, dass die Kosten 4-5 mal so hoch sein werden wie Heizöl heute. Bezogen auf einen Verbrauch von 2.000 Liter Heizöl würde das Mehrkosten von 3.000 bis 5.000 Euro pro Jahr für einen Haushalt bedeuten. Auf Grund der hohen Energiemengen, die für den Herstellungsprozess von „synthetischem Öl“ benötigt werden, sind die Potenziale begrenzt. ExpertInnen sehen die Einsatzmöglichkeiten deshalb in Anwendungen, für die derzeit keine anderen praktikablen Lösungen vorhanden sind, aber nicht beim Heizen für Haushalte, wo es kostengünstige klimafreundliche Alternativen gibt. 

Lesen Sie unsere Detaillierte Einschätzung im Hintergrundpapier Die Grüne Ölheizung - Irrweg und Bedrohung für Umwelt und Natur