Neuigkeit, 14.04.2020

Nationalpark Garten Fotowettbewerb Gewinnerin Rosmarie Suppan

Rosmarie Suppan aus dem Bezirk Baden ist seit 2019 Nationalpark Garten Mitglied und Gewinnerin des Fotowettbewerbs Nationalpark Garten 2019.

Warum haben Sie sich entschieden beim Projekt Nationalpark Garten mitzumachen?

Biologisch gärtnern war für mich schon immer selbstverständlich. Die Initiative Nationalpark Garten hat sofort mein Interesse geweckt. Ich finde die Aktion sehr gut, um Menschen näherzubringen, wie die Artenvielfalt auch in unseren Gärten geschützt und gefördert werden kann.

Portrait Rosmarie Suppan

Haben Sie, bevor Sie begonnen haben Ihren Garten nach diesen Kriterien anzulegen, GLOBAL 2000 schon gekannt?

Ja natürlich!

Wie lange sind Sie bereits dabei, Ihren Garten umzugestalten, beziehungsweise nach den vier Kriterien des Nationalpark Garten von GLOBAL 2000 anzulegen?

Ich wollte schon immer einen Naturgarten bewirtschaften. Das aktuell stattfindende Artensterben, besonders im Bereich der Insekten, war vor jetzt schon ca. 3 Jahren der ausschlaggebende Punkt, damit zu beginnen.

Daher habe ich mich auch sofort bei Nationalpark Garten angemeldet, da diese 4 Punkte schon eingehalten wurden. Ich habe aufgehört den Rasen regelmäßig zu mähen und begonnen, ihn in eine Blumenwiese umzuwandeln. Im Vorjahr haben wir dort eine Steinpyramide aufgebaut, Totholz ausgelegt, Wildblumen gepflanzt und Wildblumensamen ausgestreut. Im wilden Eck einen Käferkeller gegraben und einen Holzhaufen darüber aufgebaut, eine Totholzhecke aufgestellt und einen großen Laubhaufen für den Igel aufgeschüttet.

Garten von Frau Suppan im Jahr 2017Sommer 2017
Garten von Frau Suppan im Frühjahr 2019Frühjahr 2019
Garten von Frau Suppan im Sommer 2019Sommer 2019

Wie leicht fiel Ihnen die Umstellung des Gartens und welche Änderungen sind Ihnen persönlich aufgefallen?

Sichtlich verändert haben sich die Individuen- und die Artenzahlen der Insekten. Aufgefallen ist mir z.B. die Zunahme verschiedener Schmetterlinge – auch Segelfalter, Schwalbenschwanz, Zitronenfalter und Bläuling sind seitdem wieder im Garten zu finden. Aber auch Wildbienen, Gottesanbeterin, Teichmolch, verschiedene Libellen, etc. Haben Sie mittlerweile ein Lieblingstier, das in ihrem Garten lebt? Ich freue mich über alle Wildtiere im Garten, ob groß oder klein. Den Igel habe ich sehr ins Herz geschlossen, aber auch die vielen Vogelarten, die sich im Garten einfinden, machen mir große Freude.

Vielleicht ist es Ihnen bei den Pflanzen einfacher? Haben sie eine „Lieblingspflanze“?

Glockenblumen finde ich sehr schön, auch weil sie Wildbienen einen Ort zum Schlafen bieten, das ist so niedlich anzusehen.

Wie viel Zeit verbringen Sie mit der Pflege des Gartens? Ist der Aufwand mit der Zeit gestiegen?

Die Umstellung zum Naturgarten war im Vorjahr schon sehr aufwendig, da wir z.B. die Totholzhecke und den Käferkeller anlegten, das Bienenhotel bauten, Bienen- und Vogelsträucher und viele heimische Blumen setzten. Diese Arbeit wird natürlich wieder weniger werden, abgesehen vom Gemüsegarten, soll es auch pflegeleicht sein. Im Vorjahr verbrachte ich bei Schönwetter täglich im Durchschnitt zwei bis drei Stunden im Garten. Ich denke, heuer wird der Aufwand trotz weiteren Umbauarbeiten geringer werden. Aber die Gartenarbeit macht auch Spaß.
Käferkeller im Garten vom Frau Suppan

Was war die schönste Erfahrung, die Sie beim Umstellen des Gartens gemacht haben?

Die schönste Erfahrung war zu sehen wie der Garten zum Leben erwacht. Seitdem ist es immer spannend in den Garten zu gehen und zu sehen, was es Neues an Tierchen und Pflanzen zu sehen gibt.

Woher haben Sie das Knowhow für die Umstellung des Gartens gehabt?

Seit drei Jahren bin ich in einer Facebook-Gartengruppe, die ein Verständnis über die Natur, ihren Kreislauf und Biodiversität vermittelt. Auch bei Fragen ist sie sehr hilfreich. Und jetzt erhalte ich auch immer den Newsletter von Global 2000 mit vielen Informationen.

Außerdem habe ich mich selbst erkundigt, welche Tiere und Pflanzen in meiner Umgebung heimisch sind. Dieses Wissen habe ich z.B. aus „Europaschutzgebiete

„Feuchte Ebene - Leithaauen” von Natura 2000. Meine Mutter hatte einen Garten, in dem ich als Kind auch schon geholfen habe, daher hatte ich ein gewisses Grundverständnis, trotzdem hatte ich keine Ahnung, dass z.B. Schmetterlinge nicht nur Nektarpflanzen brauchen, sondern auch genau die passenden Raupenfutterpflanzen dazu. Darum lese ich auch Bücher zu diesem Thema.

Haben Sie durch Ihren Tatendrang auch andere Leute in Ihrer Umgebung angeregt aktiv zu werden?

Ich versuche es. Meinen Kindern habe ich mittlerweile vieles weitergegeben. Bei meinen früheren Nachbarn gab es leider viel Unverständnis über das „Unkraut“ in meinem Garten, ich hoffe meine neuen Nachbarn haben mehr Verständnis dafür.

Haben Sie konkrete Pflanzenvorschläge, die für eine hohe Artenzahl der Insekten in den Gärten sorgen?

Für mich ist es sehr wichtig, dass ich ab jetzt heimische Pflanzen setze, die wertvolle Insekten-und Vogelnahrung sind. Bei uns ist es sehr warm und trocken, daher setze ich vermehrt auf Trockenrasenpflanzen wie z.B. Natternkopf, Disteln, Karde und Wiesensalbei, diese sind sehr schön, pflegeleicht und dazu sehr wertvoll für Schmetterlinge, Bienen und Vögel. Aber auch Brennessel im wilden Eck ist sehr wertvoll für viele Schmetterlingsarten. Da ich nicht mehr jedes „Unkraut“ jätete, sondern darauf achtete was von selbst in den Garten einwanderte, wuchsen unter anderem Garten-Rittersporn, Kleiner Storchenschnabel, Mohn, Aufrechter Ziest, das seltene Liegendes Fingerkraut und Eiblättriges Tännelkraut und die auf der Roten Liste stehende Kornrade. Diese hätte ich wahrscheinlich früher als Unkraut ausgerissen, jetzt erkenne ich ihren Wert und ihre Schönheit. Ich konnte beobachten, dass das „Unkraut“ ohne viel Pflege und Wasser wächst und am meisten zur Biodiversität beiträgt, daher darf es im Staudenbeet als Beikraut wachsen.

Blumenwiese im Garten von Frau Suppan

Haben Sie Tipps für zukünftige Nationalpark Garten GärtnerInnen?

Mein Tipp ist „Umdenken“! Der Garten ist etwas „Lebendiges“, ein Stück Natur, das muss nicht „aufgeräumt und sauber“ sein. Es ist genau zu sehen, wie sehr es die Natur dankt!

Haben Sie sonst noch einen Rat oder Tipps für unsere LeserInnen?

Wir sollten uns nicht über die Zustände unseres Ökosystems beschweren, aber gleichzeitig den eigenen Garten tot pflegen.

Vielen lieben Dank Frau Suppan für das interessante Interview und natürlich für die Zeit, die Sie sich dafür genommen haben.

Rosmarie Suppan aus dem Bezirk Baden ist seit 2019 Nationalpark Garten Gärtnerin und Gewinnerin des Fotowettbewerbs Nationalpark Garten 2019.