Neuigkeit, 11.08.2021

IPCC-Bericht warnt vor Kontrollverlust bei Erderhitzung

Alarmstufe Rot! Der Weltklimarat warnt vor der menschengemachten Klimakrise. Das 1,5°C-Limit wird mit dem aktuellen Kurs bereits 2030 erreicht sein. Die Veränderungen des Klimasystems im letzten Jahrhundert sind beispiellos.

Stand der Wissenschaft: Anstieg von Treibhausgasen und Temperatur

Schon seit Jahrzehnten warnen KlimaforscherInnen vor dem menschlichen Einfluss zum natürlichen Klimawandel, der durch den extremen Anstieg der Treibhausgase für eine schnelle Erwärmung sorgt. Im aktuellen Bericht zum Stand der Klimaforschung macht der Weltklimarat (IPCC) erneut deutlich: Die CO2-Konzentration ist so hoch wie mindestens seit 2 Millionen Jahren nicht mehr. Aktuell liegt die durchschnittliche CO2-Konzentration bei 410 ppm (Teilchen pro Million). Auch die Konzentration anderer Treibhausgase wie Methan oder Lachgas ist stark angestiegen.

Die hohen Emissionen führen zu einem Anstieg der Temperatur. Betrachtet man die letzten 5 Jahre in der Klimageschichte - sieht man deutlich: es waren weltweit die wärmsten seit 1850. Klar ist auch, dass sich die Erde seit Beginn der Jahrtausendwende um durchschnittlich 1,1°C verglichen mit dem vorindustriellen Zeitalter erwärmt hat. Ohne eine drastische Reduktion der Treibhausgasemissionen wird der globale Temperaturanstieg 1,5°C und 2°C im Laufe des 21. Jahrhunderts überschreiten und massive Konsequenzen mit sich bringen.

Veränderung der Oberflächentemperatur von 1850 bis 2020 (IPCC (AR6), SPM-7)

Bild 1: Veränderung der Oberflächentemperatur von 1850 bis 2020 (IPCC (AR6), SPM-7)

Drastische Folgen

Durch die steigenden Temperaturen verändern sich auch andere Aspekte unseres Klimasystems immer stärker. Das arktische Meereis ist in den letzten Jahren bereits um 40 % zurückgegangen, auch die Schneedecke im Frühling auf der Nordhalbkugel hat abgenommen und wird weiter schrumpfen. Des weiteren ist der Meeresspiegel schon um 20 cm angestiegen und kann bei hohen Emissionen bis Ende des Jahrhunderts auf 2 m ansteigen. Im Vergleich zum Zeitraum von 1901 bis 1971 hat sich dieser Anstieg fast verdreifacht. Die Erderhitzung verstärkt auch den globalen Wasserkreislauf. In Zukunft werden daher heftige Niederschläge und Trockenperioden verstärkt auftreten.

Viele dieser Veränderungen sind aufgrund vergangener und künftiger Treibhausgasemissionen über Jahrhunderte bis Jahrtausende nicht mehr umkehrbar. Dazu zählen besonders der weltweite Eisverlust, der Temperaturanstieg der Ozeane, die Versauerung der Tiefsee und der Anstieg des Meeresspiegels.

Extremwetter-Ereignisse verschärfen sich

Die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels sind bereits durch viele Wetter- und Klimaextreme in allen Regionen der Welt sichtbar. Diese werden sowohl häufiger als auch intensiver. Die Waldbrände in Italien, Griechenland und der Türkei, Hochwasser in Deutschland und China, extreme Hitze in Kanada, zeigen in welche Richtung wir uns bewegen. Diese Beispiele sind erst die Anfänge. Extremwetter-Ereignisse wie Hitzewellen, Dürren und Starkregen werden in Zukunft häufiger eintreten und fallen heftiger aus - ein Trend, der sich mit steigenden Temperaturen verschlimmert. Besonders deutlich ist es bei den Hitzewellen: Bei einem globalen Temperaturanstieg von 1,5°C werden außergewöhnliche Hitze-Ereignisse, die vor 1900 nur ein Mal in zehn Jahren aufgetraten, im gleichen Zeitraum ungefähr 4 Mal häufiger vorkommen.

Hitzeextreme werden häufiger (IPCC (AR6), SPM-23)

Bild 2: Hitzeextreme werden häufiger: Bei einem Temperaturanstieg um 2°C kommen extreme Temperaturen, die vor 1900 ein 10-Jahres-Ereignis waren, im gleichen Zeitraum etwa 5 Mal vor, bei 4 °C praktisch jährlich. (IPCC (AR6), SPM-23).

Eintreten von "Hochrisikoereignissen" nicht mehr auszuschließen

Besorgniserregend ist, dass die Klimaforschung das Eintreten von Hochrisikoereignissen, wie einen Kollaps des Golfstroms "nicht mehr ausschließen" kann. Es wird zwar nach wie vor für unwahrscheinlich gehalten, dass dies im Zuge dieses Jahrhunderts geschieht, allerdings ist es auch nicht mehr auszuschließen. Laut der jüngsten Forschung, die nicht mehr Eingang in den Bericht finden konnte, mehren sich die Anzeichen, dass der Golfstrom tatsächlich an einer kritischen Schwelle angelangt ist. Ein Kollaps hätte verheerende weltweite Auswirkungen. Im Weltklimabericht des IPCC geht man davon aus, dass es zu einer Verschiebung des tropischen Regengürtels nach Süden und massiver Trockenheit in Europa kommen würde. 

IPCC appelliert: Schnelles Handeln dringend nötig

Der Bericht hat aber auch eine positive Botschaft: Nach wie vor ist es möglich, das 1,5°C-Ziel des Pariser Klimaabkommen einzuhalten und den globalen Temperaturanstieg auf unter 2°C zu beschränken. Dann kann es gelingen, die Risiken zu verringern und viele Klimaschäden abzumildern. Dafür braucht es aber schnelles und entschlossenes Handeln!

Auch Österreich stark betroffen

Der weltweite Temperaturanstieg wird auch in Österreich zu spüren sein. Die ZAMG erwartet, dass bei einer ungebremsten Entwicklung der CO2-Emissionen ein Temperaturanstieg von 5 bis 7 Grad zu erwarten ist. Eine starke Zunahme an Extremereignissen, wie Hitzewellen, eine Zunahme des Dürrerisikos und eine Abnahme der Schneebedeckung wären die Folgen. Bereits bis heute haben Wetterlagen mit Extremwetterpotenzial um 20 % zugenommen.

Temperaturentwicklung und mögliche weitere Erwärmung in Österreich; Quelle: ZAMG/ÖKS15/Morice et al. 2021

Bild 3: Temperatur in der Vergangenheit und mögliche Entwicklung in der Zukunft. Quelle: ZAMG/ÖKS15/Morice et al. 2021

Hintergrund zum IPCC-Bericht

Die Berichte des Weltklimarats (IPCC - Intergovernmental Penal on Climate Change) bewerten in regelmäßigen Abständen den aktuellen Stand der Klimaforschung. WissenschaftlerInnen aus den 195 Mitgliedsstaaten des Weltklimarats untersuchten in den letzten drei Jahren den aktuellen Kenntnisstand in der Klimawissenschaft. Zusammengefasst in einem Bericht erschien der erste Teil, über die naturwissenschaftlichen Grundlagen, Anfang August 2021. Die beiden weiteren Teile über die Folgen und die möglichen Maßnahmen gegen die Klimakrise folgen im Jahr 2022.

Hier finden Sie den gesamten IPCC-Bericht (englisch) sowie die deutsche Übersetzung der Hauptaussagen für die politischen Entscheidungsträger.