28.03.2024

Studie zeigt: Naturfreundliche Alternativen zum Kaunertal-Ausbau möglich

Die Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) plant einen massiven Ausbau des Kraftwerks im Kaunertal, der das intakte Ökosystem des Platzertals bedroht. Doch eine neue Studie zeigt, dass es naturfreundliche Alternativen gibt.

Eine neue Studieexternal link, opens in a new tab, die vom WWF Österreich beauftragt und vom Tiroler Energieexperten Jürgen Neubarth durchgeführt wurde, zeigt eine umweltverträgliche Lösung für Tirols Energiezukunft auf. Statt auf Kosten der Natur im Platzertal das Monsterprojekt “Ausbau Kaunertal Kraftwerk” voranzutreiben, könnten bestehende Kraftwerksgruppen wie Sellrain-Silz genutzt werden, um die Stromerzeugung zu optimieren. Hier könnten Pumpspeicher ohne zusätzliche Naturzerstörung realisiert werden.

Was passiert im Platzertal?

Das Platzertal ist ein unberührtes Naturjuwel der Ötztaler Alpen, das vielen geschützten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet. Das Platzertal beherbergt eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt, darunter geschützte Arten wie das Alpenschneehuhn, die Almrose und den Bartgeier. Zudem sind intakte Moore im Kampf gegen die Erderhitzung von großer Bedeutung. Die geplante Bebauung durch die TIWAG würde dieses sensible Ökosystem unwiederbringlich zerstören

Die geplante Erweiterung des Kraftwerks Kaunertal durch die TIWAG würde bedeuten, dass das einzigartige Platzertal in den Ötztaler Alpen hinter einem Staudamm von 120 Metern Höhe und 450 Metern Breite verschwindet. Dabei zeichnet sich auch immer klarer ab, dass die Planungen qualitativ mangelhaft und nicht verbesserungsfähig sind. 

Des Weiteren plant die TIWAG den Bau eines neuen Pumpspeichers als Teil des Mega-Ausbauprojekts Kaunertal. Dabei würden von der Venter- und Gurgler Ache bis zu 80 % des Wassers für den Speichersee ausgeleitet werden. Dieser Pumpspeicher würde es ermöglichen, Wasser zwischen dem bestehenden Gepatschspeicher im Kaunertal und einem neuen Speicher im Platzertal hin- und herzupumpen, um Strom flexibel zu speichern und damit vor allem Profit zu machen

Die Studie vergleicht Leistungsfähigkeit verschiedener Projekte

Um die Natur zu schützen und weitere Schäden an hochgelägenen Tälern zu vermeiden, sollen neue Pumpspeicher nur zwischen bestehenden Standorten gebaut werden. Von anderen österreichischen Energieversorgern wird dies bei aktuellen Pumpspeicherprojekten auch bereits umgesetzt. Diese werden und wurden ohne zusätzliche Naturzerstörung errichtet.

Beispiele für eine Leistungserhöhung bestehender Kraftwerksgruppen in Österreich sind:

  • Kraftwerke Limberg II und III (Salzburg)
  • Tauernmoos (Salzburg)
  • Obervermuntwerk II (Vorarlberg)
  • Lünerseewerk II (Vorarlberg)

Was sind die Alternativen fürs Platzertal?

Demnach könnten weitere Pumpspeicherkraftwerke zwischen bereits vorhandenen Speicherseen errichtet werden, wie dem Finstertal und dem Längental, sowie dem im Bau befindlichen Kühtai-Speicher. Dies würde nicht nur den geplanten Pumpspeicher im Platzertal überflüssig machen, sondern auch die Flexibilität für den Ausgleich von Strom aus erneuerbaren Energien wie Windkraft und Photovoltaik erhöhen.

Alternative 1: Kühtai II

Das Pumpspeicherkraftwerk Kühtai II, das derzeit im Bau ist, hat eine Leistung von rund 130 Megawatt. Im Vergleich zu den beiden Speicherseen Kühtai und Finstertal, die Volumina von 31 Millionen m³ bzw. 60 Millionen m³ haben, ist es recht klein dimensioniert. Das bedeutet, dass es noch Raum für eine Erweiterung gibt, ohne dass neue Hochgebiete überflutet werden müssen.

Alternative 2: Längental & Finstertal

Weitere Wasserkraftwerke zwischen den bestehenden Speicherseen Längental und Finstertal sowie zwischen dem im Bau befindlichen Kühtai-Speicher könnten jeweils etwa 200 Megawatt Strom erzeugen. Sie könnten das geplante Wasserkraftwerk im Platzertal in Bezug auf Leistung ersetzen. So würde genug Strom flexibel zur Verfügung stehen.

Es ist Zeit für eine naturverträgliche Energiewende

Viktoria Auer

„Tirol braucht eine Energiewende, die zukunftsweisend, naturverträglich ist und im Einklang mit den Bedürfnissen der Menschen steht. Es ist an der Zeit, dass der TIWAG-Vorstand Alexander Speckle seine veraltete Energiepolitik überdenkt und Platz macht für einen Plan, der Tirol in eine nachhaltige Zukunft führt. Wir kritisieren entschieden die mangelnde Initiative und das Festhalten an veralteten Projekten. Daher fordern wir nun Landeshauptmann Anton Mattle dazu auf, seine Verantwortung als Eigentümervertreter wahrzunehmen und den TIWAG-Konzern auf die richtige Schiene zu bringen.“

Viktoria Auer, GLOBAL 2000 Klima- und Energiesprecherin

Gemeinsam mit dem WWF fordern wir von der Tiroler Landespolitik:

  • Stopp des Ausbaus des Kaunertal Kraftwerks und die Umsetzung von naturverträglichen Alternativen!
  • Schutz des einzigartigen Platzertals und der Ötztaler Flüsse!
  • Erarbeitung und Umsetzung einer neuen naturverträglichen Energiestrategie der TIWAG!