Gemeinsam mit den Umweltschutzorganisationen Greenpeace und WWF fordern wir die österreichische Regierung auf, einen Energiewendeplan vorzulegen. Schützenhilfe bekommen wir dabei von der Bevölkerung: Rund 27.000 ÖsterreicherInnen haben eine Unterstützungserklärung mit klaren Forderungen zu Österreichs Energie- und Klimapolitik unterzeichnet. Diese Unterschriften wurden an Umweltminister Andrä Rupprechter übergeben. Weitere 43 Unternehmen, darunter REWE, SPAR und die Allianz sowie viele prominente Persönlichkeiten, wie die Schauspielerin Chris Lohner und der ehemalige Direktor des Tiergarten Schönbrunns, Helmut Pechlaner, schlossen sich den Forderungen an.

Die VertreterInnen der Umweltschutzorganisationen fordern, dass der ambitionierter Energiewendeplan für Österreich unerlässlich ist und zügig umgesetzt werden muss.

Die wichtigsten drei Punkte:

  • Verglichen mit dem Jahr 2005 muss der Energieverbrauch bis 2030 um 30 Prozent und bis 2050 um 50 Prozent gesenkt werden.
  • Der Treibhausgasausstoß soll auf Basis des Referenzjahres 1990 bis 2030 um 50 Prozent und bis 2050 um mindestens 90 Prozent reduziert werden.
  • Zugleich muss die Energieversorgung mit naturverträglichen, erneuerbaren Energien bis 2030 auf über 60 Prozent und bis 2050 auf 100 Prozent gesteigert werden.

Nur dieser langfristige Fahrplan stellt sicher, dass Österreich seinen fairen Beitrag zur Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich weniger als zwei Grad Celsius leistet.

Auf der UN-Klimakonferenz in Paris (COP 21) im Dezember wurden erste Schritte in die richtige Richtung angekündigt. Bundeskanzler Werner Faymann sprach von 100 Prozent erneuerbarem Strom bis 2030, was auch Umweltminister Rupprechter in seiner Rede bei der Konferenz bestätigte. Auch, wenn Strom nur etwa 20 Prozent des gesamten Energieverbrauches von Österreich ausmacht, ist das ein guter Ansatz. Umweltminister Rupprechter erklärte zudem, dass er einen Anteil von 50 Prozent erneuerbaren Energien bis 2030 anstreben will. Zudem soll bis dahin auch der Ausstieg aus der Kohleverbrennung geschafft sein. Weiters kündigte er seinen Einsatz für eine CO2-Abgabe an.

Diese Aussagen zeugen davon, dass Klimapolitik ernster genommen wird und auch konkrete Maßnahmen folgen sollen. Die Kampagnen der drei Umweltschutzorganisationen haben Bewegung in die Klimapolitik gebracht. Dennoch fehlt noch immer eine Aussage des für Energie zuständigen Ministers, Vize-Kanzler Reinhold Mitterlehner, und ein langfristiger Energiewendeplan. Denn rund drei Viertel der klimaschädlichen Treibhausgase in Österreich stammen aus der Energienutzung. Energiepolitik und Klimapolitik sind untrennbar miteinander verbunden und brauchen gemeinsame Ziele. Für WWF-Energiereferent Karl Schellmann ist das Warten auf EU-Vorgaben nicht akzeptabel, da Österreich rasch einen zuverlässigen und engagierten Weg in die Energiezukunft braucht. Er fordert daher, die Energieverschwendung zu stoppen und erneuerbare Energien auszubauen, ohne die Natur zu zerstören.

Obwohl Österreich im Rahmen internationaler UN-Klimaschutzabkommen und der EU klare, rechtsverbindliche Verpflichtungen zur Reduktion der Emissionen unterschrieben hat, ist der Ausstoß von Treibhausgasen seit dem Jahr 1990 gestiegen. Wenn Klimaschutz nicht effektiv umgesetzt wird, hat das katastrophale Folgen auch für Österreich, wo die Temperaturen verhältnismäßig stärker ansteigen als im globalen Durchschnitt. Adam Pawloff, Klimasprecher von Greenpeace betont, dass Dürren, Jahrhunderthochwässer und schneearme Winter mit jährlichen Kosten von bis zu 8,8 Milliarden Euro im Jahr 2050 die Zukunft Österreichs sein könnte, wenn die Obergrenze von zwei Grad überschritten wird.

Außerdem kann der Umbau unseres Energiesystems zahlreiche Arbeitsplätze schaffen und uns unabhängiger von fossiler Energie machen. Netto gibt Österreich 11,4 Mrd. Euro (2014) für den Import von Kohle, Öl und Gas aus. Unser Energiesprecher Reinhard Uhrig betont, dass Österreich wieder ein Projekt braucht, auf dessen Umsetzung wir stolz sein können. Der Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien ist ein integrierendes Projekt, mit dem wir zehntausende Arbeitsplätze schaffen können. Für Uhrig gibt es keinen Grund, noch länger zu zögern.

Daher sind ambitionierte Energie- und Klimaziele ein Muss!