Rohstoffe der Digitalisierung

Elektronikprodukte verbrauchen wertvolle Rohstoffe und werden nur schlecht recycelt

Die Digitalisierung wird aufgrund ihres erwarteten Wachstumspotentials als Hoffnung für unsere Wirtschaft und Gesellschaft gesehen. Aber auch eine digitalisierte Gesellschaft benötigt eine „Hardware“. Abbau, Verarbeitung, Handel und nicht zuletzt die Entsorgung der Rohstoffe für die Produktion von Smartphones, Tablets und Laptops gehen oft Hand in Hand mit gravierenden Menschenrechtsverletzungen, schweren Konflikten und erheblicher Umweltzerstörung.

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Mineralische Rohstoffe sind auf unserem Planeten nur endlich vorhanden. Ihr Abbau geht zum Teil mit gravierenden ökologischen und sozial schädlichen Auswirkungen einher. Die Art und Weise, wie und in welcher Menge die „Hardware“ unserer digitalen Zukunft produziert wird, ist mitentscheidend über nachhaltige Entwicklung, ökologische Auswirkungen, regionale Konflikte und Arbeitsbedingungen in anderen Regionen und Kontinenten.

Sozialen und ökologischen Problemen bleiben unbeachtet

Der Gesamt-Rohstoffverbrauch in Europa ist bereits jetzt übermäßig hoch und unmöglich auf alle Menschen der Erde verallgemeinerbar. Der Import mineralischer Rohstoffe ist auch im Rahmen von Industrie 4.0 oder der so genannten digitalen bzw. vierten industriellen Revolution von großer Bedeutung. Die österreichische Bundesregierung hat demzufolge eine entsprechende Rohstoffstrategie entwickelt. Deren primäres Ziel ist die Versorgungssicherheit für die heimische Wirtschaft. Eine Auseinandersetzung mit den bekannten, wohldokumentierten sozialen und ökologischen Problemen im Zusammenhang mit Rohstoffabbau, -verarbeitung und -verwendung wird jedoch weitgehend vermieden.

Die AG Rohstoffe setzt sich für eine menschenrechtskonforme, gerechte, demokratische, entwicklungspolitisch kohärente und ökologisch nachhaltige Rohstoffpolitik ein. Als zivilgesellschaftliche Organisationen mit Expertise in den Bereichen Menschenrechte, Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung und aufgrund unserer direkten Kontakte zu Betroffenen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren in Abbau- und Verarbeitungsländern des globalen Südens sehen wir die Notwendigkeit, auf Lücken und Fehlorientierungen der österreichischen Rohstoffpolitik hinzuweisen und sind davon überzeugt, einen wichtigen Beitrag für deren Optimierung leisten zu können.

Smartphone - die "Rohstoff-Fresser"

Unsere Handys bestehen zu einem Viertel aus teils seltenen Metallen. Neben Kupfer und Kobalt, ist auch Aluminium, Nickel, Zinn, Silber und Gold verbaut. 2017 besaßen wir Österreicher insgesamt 20 Mio. Handys in denen sich 500 kg Gold befanden. Um diese Menge an Gold zu gewinnen, müssen 125 Mio. kg Golderz bearbeitet werden.

Rohstoffe der Digitalisierung

Rohstoffe der Digitalisierung

Wofür zahlen wir bei unseren Smartphones eigentlich? Die Preisspanne geht durchschnittlich von 200-1.000 Euro pro Gerät. Doch der Monatslohn von ArbeiterInnen in chinesichen Elektrofirmen beträgt nur 300 Euro.

Rohstoffe der Digitalisierung

Was man selbst tun kann

In Österreich fallen jährlich 82.400 Tonnen Elektromüll an. Um diese Zahl zu reduzieren, haben wir einige Tipps für Sie in der folgenden Grafik zusammengefasst.

Rohstoffe der Digitalisierung

  • Rethink: Informieren Sie sich - teilen Sie Ihr Wissen - schaffen Sie Bewusstsein
  • Reduce: Verwenden Sie Geräte länger und kaufen Sie weniger
  • Reuse: Benützen Sie Second-Hand-Geräte und geben Sie alte Geräte weiter, auch modulare Handys sind eine gute Alternative
  • Repair: Reparieren Sie das Gerät, anstatt es wegzugeben - helfen kann dabei z.B. ein Repair-Cafe

Was die Politik unternehmen sollte

Es gilt, in Richtung einer umfassenden kreislaufwirtschaftsorientierten Ressourcenpolitik zu gehen, die Rohstoffförderung, Produktion, Nutzung, sowie Sekundärrohstoffbewirtschaftung berücksichtigt. Sie muss sich ökologischen und sozialen Zielen unterordnen sowie die Interessen der Abbauländer miteinbeziehen. Eine sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Rohstoffpolitik muss daher interdisziplinär und ressortübergreifend konzipiert und umgesetzt werden. Es braucht dafür sowohl nationale Maßnahmen als auch die Koordination von Strategien auf internationaler Ebene unter Einbeziehung von staatlichen und nicht-staatlichen AkteurInnen. 

Wir fordern deshalb:

  • eine Reform der EU-Handelspolitik
  • Kapazitätenstärkung von Staat und Zivilgesellschaft im Bereich der Entwicklungspolitik
  • international agierende Unternehmen müssen die Verantwortung für globale Lieferketten übernehmen
  • ein Wechsel hin zu einer weniger ressourcenintensiven Form des Konsums - weniger, besser, anders
  • die Themen Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz müssen in die formalen Bildungsvorgaben wie Lehr- und Studienpläne Eingang finden. 

Weitere Forderungen finden Sie in unserem Positionspapier zum Thema Rohstoffwende