Gentechnik-Soja: Kleine Bohne, großes Leid

Gentechnisch veränderte (GV-)Pflanzen sind auf die industrielle Landwirtschaft zugeschnitten. Gentechnik fördert somit die Ausweitung von riesigen Monokulturen und zerstört die kleinstrukturierte regionale Landwirtschaft, die es den Bauern und Bäuerinnen ermöglicht, ihre Familien zu ernähren und vielleicht noch ein kleines Einkommen durch den Verkauf ihrer Produkte auf lokalen Märkten zu erzielen. Sie werden von ihrem Land vertrieben oder dazu „überredet“, ihre Flächen den Großkonzernen zur Verfügung zu stellen. Manche werden für einen viel zu geringen Lohn für die Arbeit auf den Gentechnikfeldern eingesetzt. Das hat schlimme Folgen. Deshalb gehen viele Menschen aus den Hauptanbaugebieten von Gentechnik-Feldfrüchten in die Städte.

Landwirte verlieren Unabhängigkeit

Gentechnisch veränderte Pflanzen sind sogenannte Hybride, das heißt das Saatgut liefert nur für eine Periode die gewünschten Erträge, aus den neuen Samen wachsen aber keine Früchte mehr. Es wäre aber ohnehin nicht erlaubt das Saatgut der ersten Ernte wiederzuverwenden, denn Gentechnik-Pflanzen sind durch Patente und Lizenzverträge geschützt. Wer patentierte GV-Pflanzen ohne Genehmigung anbaut, macht sich strafbar. Selbst wenn ein Feld von Gentech-Saatgut kontaminiert wird, können die Firmen auf Patentverletzung klagen - wie im Fall von Percy Schmeiser.

Die Landwirte müssen also das patentierte Saatgut jedes Jahr neu kaufen. Bauern und Bäuerinnen geraten dadurch in eine totale Abhängigkeit, verschulden sich und verlieren die Möglichkeit zur Selbstversorgung. In Indien nehmen sich deshalb jährlich hunderte BaumwollerzeugerInnen das Leben. 

Keine Lösung für den Welthunger

Alle gentechnisch veränderten Pflanzen, die sich bisher auf dem Markt befinden, sind auf die industrialisierte Landwirtschaft in den reichen Ländern des Nordens zugeschnitten, nicht auf regionale Bedürfnisse und kleinbäuerliche Strukturen der armen Länder des Südens.

Die Annahme, dass wir gentechnisch verändertes Saatgut brauchen um mehr Erträge zu erzielen und so den Welthunger beseitigen können, ist leider Wunschdenken. Denn die Firmen, die GV-Saatgut anbieten, wollen damit Gewinne erwirtschaften. Der Hunger, der das Ergebnis gesellschaftlicher und politischer Missstände ist, wird durch diese Technologie nicht beseitigt. Heutzutage dominiert Gentech-Soja die Soja-Produktion von Nordamerika und Argentinien und hat einen weit verbreiteten Anbau in Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien.

Beispiel Argentinien

In Argentinien sind die Entwicklungen durch den GV-Sojaanbau besonders schlimm. Im Jahr 2015 wurde im ganzen Land ausschließlich gentechnisch verändertes Soja angebaut. Der gleichzeitige großflächige Einsatz von Herbiziden wie Glyphosat hat in manchen Regionen drastische Folgen für die Gesundheit der Menschen. Immer häufiger traten nach Beginn des Gentechnik-Anbaus Fehlgeburten, Frühgeburten, schwere Schädigungen der Embryonen und schwere Missbildungen bei der Geburt von Kindern auf, aber auch Tumore bei Erwachsenen, die es davor in der Region nicht gab. Deshalb haben Sofia Gatica und Maria Godoy die Initiative "The Mothers of Ituzaingó" gegründet, um den Ursachen für die vielen Erkrankungen auf den Grund zu gehen. Sie setzten sich unter anderem dafür ein, großflächigen Einsatz von Glyphosat auf den GV-Sojafeldern zu unterbinden. Früher wurde noch mit Flugzeugen gesprüht und die Pestizide breiteten sich weitflächig in die umliegenden Dörfer aus. Zumindest das Sprühen mit Flugzeugen wurde inzwischen tatsächlich verboten.

Auf der internationalen Konferenz der Gentechnikfreien Regionen haben Gatica und Godoy 2012 in Brüssel davon berichtet. Sofia Gatica, deren Tochter kurz nach der Geburt an einem damals nicht erklärbaren Nervenversagen starb, wurde für ihren Einsatz 2012 mit dem Goldman Environmental Prize ausgezeichnet.

Beispiel Paraguay

Auch Paraguay ist von ähnlichen Problemen betroffen. Hier ein Video über die katastrophalen sozialen Folgen von Gentechnik im Sojaanbau in der Region.