Was für Mitglieder eines Tauschkreises bereits Alltag ist, setzt sich nun langsam auch in der breiteren Öffentlichkeit durch. Mitglieder aus Tauschkreisen bieten Leistungen und Produkte umsonst bzw. im Austausch mit Zeit an. So hilft beispielsweise der Innenarchitekt eine Stunde beim Einrichten der Wohnung, im Gegenzug bekommt er eine Stunde gratis Rechtsberatung von einem Anwalt, selbstgemachte Marmelde oder Bio-Fleisch vom Bauern. Ähnlich funktionieren auch andere Modelle des Teilens.

Lebensmittel wegwerfen war gestern

Legt man 380 Semmeln auf einen Haufen, so kann man damit einen riesigen Semmelberg bauen. Dieser Berg entspricht in etwa dem, was statistisch gesehen jedeR ÖsterreicherIn pro Jahr an essbaren Lebensmitteln in den Mistkübel schmeißt, nämlich an die 19 kg. Umgerechnet kommen dadurch jährlich etwa 300 weggeworfene Euro pro Haushalt und somit über 1 Milliarde Euro in ganz Österreich zusammen. Insgesamt reden wir hier von jährlich rund 157.000 Tonnen weggeworfenen Lebensmitteln. Am häufigsten müssen hierbei übrigens Brot sowie Süß- und Backwaren daran glauben, dicht gefolgt von Obst und Gemüse.

Aber wer ist nicht selber schon mal ratlos vor dem offenen Kühlschrank gestanden und hat sich gefragt, wie er diesen vor dem Urlaub noch leeren könnte. Neben altbekannten Möglichkeiten wie Einfrieren oder Verkochen/-backen, bietet sich Foodsharing an um übrig gebliebenen Lebensmittel die Verfütterung an den Mülleimer zu ersparen. Foodsharing bedeutet, Lebensmittel die man selbst nicht mehr braucht, weil man beispielsweise zu viel gekauft hat, es nur Großpackungen gab oder der Urlaub kurz bevorsteht und der Kühlschrank noch voll ist, an andere abzugeben.

Mitmachen ist ganz einfach! Jede/r kann sich zum Beispiel auf at.myfoodsharing.org registrieren und Lebensmittel abholen bzw. anbieten. Geld spielt dabei keine Rolle, Teilen ist die Devise. Somit gewinnen letztendlich alle: EssenkörbeanbieterInnen, EssenskörbeabholerInnen, und auf lange Sicht gesehen unsere liebe Mutter Natur.

In Wien gibt es aber bereits einige Lokale die einen sogenannten FairTeiler-Kühlschrank zur Verfügung stellen. Denn oft findet man auf die schnelle niemanden der das übriggebliebene Essen brauchen kann, dann bringt man die Sachen einfach in den öffentlichen Kühlschrank. Dort findet sich immer jemand der die Lebensmittel brauchen kann und Freude daran hat. Genauso wie jeder etwas in den Kühlschrank legen darf, darf sich auf jeder etwas rausnehmen.

Die bekanntesten FairTeiler in Wien sind hier:

Cafe 7*stern, Siebensterngasse 21, 1070 Wien

Die Schenke, Pfeilgasse 33, 1080 Wien

Tüwi Hofladen, Peter Jordan Str. 76, 1190 Wien

Kostnix-Laden, Zentagasse, 1050 Wien

Was für Leseratten

Einige Gemeinden in Österreich haben seit kurzem einen offenen Bücherschrank, das Prinzip ist das gleiche wie das der FairTeiler.  Man legt ein gelesenes Buch hinein und/oder nimmt sich eines gebrauchtes heraus. Trotz anfänglicher Bedenken funktioniert das meist sehr gut. Und das obwohl die Schränke nicht "überwacht" werden, wie es bei den Kühlschränken durch die Lokalbesitzer schon der Fall ist.

Mehr Infos und Standorte in Wien findest du hier: offener-buecherschrank.at

Neues Lieblingsstück gefällig?

Das dritte und letzte Sharing-Projekt dass ich vorstellen möchte ist noch ganz neu und in der Planungsphase. Und zwar der Kleider-Tausch. Zwar kennen viele sicher schon selbstorganisierte Kleidertausch-Parties, zu denen sich Freunde treffen und ihre Klamotten miteinander tauschen, aber vom "Offenen Kleiderschrank" haben bis jetzt die wenigsten gehört. Die Idee wurde vom GLOBAL 2000 Umweltclub entwickelt und es wird bereits mit Eifer daran gearbeitet die ersten Schränke in Wien unterzubringen. Mehr Infos hier: Offener Kleiderschrank