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Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat nach Einschätzung eines Plagiatsprüfers für seinen Glyphosat-Bericht zur Gesundheitsgefahr des Pestizids wesentliche Angaben von Chemiekonzernen übernommen.

Es sei „offensichtlich, dass das BfR keine eigenständige Bewertung der zitierten Studien vorgenommen hat“, sagt Dr. Stefan Weber, der im Auftrag von GLOBAL 2000 ein Plagiatsgutachten erstellt hat. Über „zahlreiche Seiten hinweg“ seien Textpassagen „praktisch wörtlich übernommen“ worden.

Der Bewertungsbericht des BfR und damit die wissenschaftliche Grundlage für die von der EU-Kommission vorgeschlagene Zulassungsverlängerung von Glyphosat erfülle in wesentlichen Teilen die „Kriterien eines Textplagiats“. Und: Das systematische Unterlassen von Quellenangaben und das gezielte Entfernen von Hinweisen auf die tatsächlichen Verfasser lasse sich „nur als bewusste Verschleierung ihrer Herkunft deuten“.

Für GLOBAL 2000 hat Gutachter Stefan Weber drei ausgewählte Kapitel des BfR-Berichts zu den gesundheitlichen Risiken von Glyphosat mit entsprechenden Passagen aus dem Zulassungsantrag der Glyphosat-Hersteller verglichen (mehr dazu unten). Der Zulassungsantrag stammt von der „Glyphosat Task Force“ (GTF), in der sich die Glyphosat-Hersteller zusammengeschlossen haben und die von Monsanto angeführt wird.

Das Kapitel zur Gentoxizität, also zur erbgutschädigenden Wirkung von Glyphosat, wurde sogar fast vollständig und fast wortwörtlich übernommen. Rot markiert sind alle Passagen dieses Kapitels, die identisch mit dem Zulassungsantrag der „Glyphosat Task Force“ sind:

Abgeschriebene Stellen im BfR Bericht Kapitel Genotoxicity

Auch die Bewertung der Glyphosat-Hersteller übernommen

Besonders brisant ist, dass das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das im Auftrag der EU-Kommission die Gefahrenbewertung von Glyphosat durchgeführt hat, insbesondere auch die Bewertung von unabhängigen, kritischen Studien wortwörtlich übernommen hat. Gerade diese Studien wurden im Zulassungsantrag der Hersteller meist als „nicht zuverlässig“ („not reliable“) oder „nicht relevant“ („not relevant“) eingestuft. Das BfR übernahm diese Bewertung nicht nur, sondern verschleierte auch, dass es sich hierbei um die Einschätzung der „Glyphosat Task Force“ bzw. von Monsanto handelt, indem die Hinweise auf die tatsächliche Autorenschaft entfernt wurden. Unten z.B. ein Auschnitt aus dem Kapitel "Carcinogenicity" (zur krebserregenden Wirkung von Glyphosat) - wo das BFR mit "additional comments" verschleiert, dass diese Bewertung aus der Feder von Monsanto stammt (im Bild gelb markiert).

Auch die Bewertung der Studien hat das BfR von Monsanto übernommen

Unabhängige Glyphosat-Studien zeichnen ein anderes Bild

Hätte das BfR nicht blind die Bewertung der unabhängigen Studien durch Monsanto & Co. als „nicht zuverlässig“ übernommen, wäre das Ergebnis des BfR-Bewertungsberichts sicher anders ausgefallen. Denn die große Mehrheit dieser Studien stellt eine erbgutschädigende Wirkung von Glyphosat fest. Die Studien der Hersteller (die als Geschäftsgeheimnis gelten und nie veröffentlicht wurden) können dagegen keine Gesundheitsgefahren feststellen:

 

Glyphosat Studien

Glyphosat-Plagiatsskandal muss Konsequenzen haben

Wenn eine Kontrollbehörde all ihre Argumente auf Punkt und Beistrich von Monsanto abschreibt, ist es kein Wunder, wenn diese Behörde zu den gleichen Schlussfolgerungen kommt wie Monsanto. Und genau das ist auch passiert: Die EU-Behörde behauptete mit den Argumenten von Monsanto, dass Glyphosat harmlos sei. Also das genaue Gegenteil von dem, was die WHO sagt.

Höchst brisant ist dabei, dass das BfR mehrfach versichert hat, alle Studien eigenständig und unabhängig bewertet zu haben, da das ihr gesetzlicher Auftrag ist. Ebenso brisant ist, dass das deutsche Landwirtschaftsministerium, welches die Letztverantwortung trägt, mehrfach auf Anfragen der deutschen Grünen behauptet hatte, die von Monsanto abgeschriebenen Bewertungen würden „aus der Feder des BfR" stammen. Eine Behauptung, die sich nun als glatte Falschinformation herausstellt.

Das Vorgehen des BfR und der politisch Verantwortlichen verlangt nach politischen und rechtlichen Konsequenzen. Denn bei dieser Täuschung von Politik und Öffentlichkeit geht es um nicht weniger als eine europäische Pestizidzulassung, die die Gesundheit von 500 Millionen Menschen in Europa einem unverantwortlichen Risiko aussetzt.

 

Selbst nachschauen: Alle Dokumente zum Herunterladen

Hier finden Sie die auf Plagiatismus überprüften drei Kapitel – jeweils aus dem Zulassungsantrag der von Monsanto geführten „Glyphosat Task Force“ und vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Zudem finden Sie das Plasgiatsgutachten von Dr. Stefan Weber in deutscher und englischer Sprache.

Die Kapitel des BfR-Bewertungsberichts

1. Carcinogenicity (zur krebserzeugenden Wirkung von Glyphosat)
2. Genotoxicity (zur erbgutverändernden Wirkung von Glyphosat)
3. Reproductive Toxicity (zur fortpflanzungsschädigenden Wirkung von Glyphosat)

Im Text gibt es verschiedene Farbmarkierungen:

  • rot – Text, der sich mit dem Zulassungsantrag der „Glyphosat Task Force“ (geführt von Monsanto) deckt.
  • weiß (unmarkiert) – Text, der sich mit dem Zulassungsantrag der „Glyphosat Task Force“ nicht deckt
  • gelb und türkis – Text, der vom BfR zu zwei späteren Zeitpunkten hinzugefügt wurde. Für diesen Text lässt sich derzeit nicht überprüfen, ob er vom BfR selbst verfasst oder übernommen wurde, weil die später von der Glyphosat Task Force nachgereichten Dokumente bisher nicht freigegeben wurden.

Die Teile des Zulassungsantrags, aus denen Text übernommen wurde 

1. Carcinogenicity (zur krebserzeugenden Wirkung von Glyphosat)
2. Genotoxicity (zur erbgutverändernden Wirkung von Glyphosat)
3. Reproductive Toxicity (zur fortpflanzungsschädigenden Wirkung von Glyphosat)

Plagiatsgutachten zum Herunterladen

Plagiatsgutachten in deutsch
Plagiatsgutachten in englisch