Klimaschutz im Burgenland

Klimaschutz hat in der Bevölkerung Österreichs einen hohen Stellenwert, der mit zunehmendem Wissen um die Gefahr der Klimakrise weiter ansteigen wird. Dementsprechend hat sich die Politik ambitionierte Ziele gesetzt. Viele der Kompetenzen dafür liegen großteils oder teilweise auf Bundesländer-Ebene. Wie ambitioniert und fortschrittlich das Burgenland im Bereich Klimaschutz agiert, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Wir haben uns für den Klimareport sowohl die gesteckten Klimaziele, als auch den Status Quo der einzelnen Bundesländer angesehen. Folgende Analyse bezieht sich auf das Bundesland Burgenland. Den gesamten Klimareport mit alles Bundesländern und einem Vergleich mit Österreich können Sie im GLOBAL 2000 Klimareport nachlesen.

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Klimaziele vom Burgenland

Langfristige Ziele

Laut der 2019 veröffentlichten Klima- und Energiestrategie soll das Burgenland im Jahr 2050 klimaneutral sein. Erreicht soll dieses Ziel durch Energieautonomie und Verzicht auf fossile Energieträger werden. Das bedeutet, dass das Burgenland bis zum Jahr 2050 seinen gesamten Energieverbrauch aus heimischen und zu 100 % erneuerbaren Quellen selbst decken will.

Mittelfristige Ziele

In der Klima- und Energiestrategie wurden auch Etappenziele für 2030 gesteckt:

  • Reduktion der Treibhausgasemissionen (ohne EH) im Vergleich zu 2005 um 36 %. Während der Periode 2021 bis 2030 soll dabei ein linearer Zielpfad eingehalten werden.
  • Reduktion des Endenergieverbrauch im Vergleich zu 2017 um 3 %.
  • Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien beim Energieverbrauch auf 70 %.
  • Allgemeine Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien bis 2020 auf mind. 50 %. Mit einem Anteil von von 48,3 % im Jahr 2018 ist dieses Ziel noch in Reichweite.
  • Austausch alle Ölheizungen bis 2030, aber “sozial verträglich”.
  • Steigerung der Sanierungsrate auf 2 % bis 2030.
  • Steigerung des Bio-Anteils in der Landwirtschaft bis 2027.

Entwicklung der Treibhausgasemissionen

Im Burgenland sind die Treibhausgas-Emissionen seit 2010 um 1,6 % auf 1,8 Mio. t CO₂-e im Jahr 2017 angestiegen. Während die Emissionen im Gebäudesektor um 17,3 % auf 0,33 Mio. t gesenkt werden konnten, was in etwa im Bundesdurchschnitt liegt, sind die Verkehrsemissionen überdurchschnittlich um 9,6 % auf 0,95 Mio. t angestiegen. Letztere machen damit mehr als die Hälfte der Gesamtemissionen des Landes aus.

Die Pro-Kopf-Emissionen blieben seit 2010 unverändert bei 6,2 t und damit über dem Bundesdurchschnitt. Davon werden durchschnittlich 3,3 t, also mehr als die Hälfte, im Verkehrssektor emittiert, was den höchsten Wert in Österreich darstellt. Im Gebäudesektor werden 1,1 t pro Kopf emittiert.

Treibhausgasemissionen im Burgenland

Entwicklung des Energieverbrauchs & Anteil erneuerbarer Energien

Auch der Energieverbrauch (inkl. Verluste und Verbrauch des Energiesektors) ist in Burgenland seit 2010 um 1,8 % auf 35,7 PJ im Jahr 2018 angestiegen (+0,6 PJ). Es gab jedoch eine deutliche Verschiebung in Richtung erneuerbarer Energiequellen. Während der Verbrauch erneuerbarer Energien um 5,4 PJ angestiegen ist (+45,7 %), ist der Verbrauch fossiler Energien gleichzeitig um 4,8 PJ gesunken (-20,5 %).

Energieverbrauch im Burgenland

Der Anteil erneuerbarer Energien steigerte sich um 14,5 %-Pkt. und war damit deutlich höher als in anderen Bundesländern und liegt nun bei 48,3 %. Damit liegt das Land an zweiter Stelle hinter Kärnten.

Erneuerbare Energien im Burgenland

Ökostrom-Anteil

Die Stromproduktion erfolgte in Burgenland im Jahr 2018 zu 96,5 % aus erneuerbarer Energie. Die größten Anteile werden aus Windkraft (82,5 %) und Bioenergie (11,8 %) gewonnen. Auf die Photovoltaik und die Geothermie entfallen gemeinsam 2,0 %. Pro EinwohnerIn und Jahr werden 169,9 kWh PV-Strom produziert. Die im restlichen Österreich sehr bedeutende Wasserkraft ist im Burgenland kaum vertreten (0,2 %).

Da das Burgenland deutlich mehr Strom produziert, als es verbraucht, konnten 2018 immerhin 27 % netto) des produzierten Stroms exportiert werden. Der Anteil der inländischen Ökostromproduktion am Stromverbrauch (Bruttoinlandsverbrauch) liegt demnach bei 132,3 % und ist damit deutlich höher als in allen anderen Bundesländern.

Stromproduktion im Burgenland

Wärmewende

Die Fernwärmeerzeugung erfolgte im Burgenland im Jahr 2018 zu 99,9 % aus erneuerbaren Quellen. Das ist österreichweit der höchste Wert. Die Bioenergie hat einen sehr hohen Anteil von 99,6 %. Auf die Solar- und Geothermie fallen 0,4 %. Der Anteil aus KWK-Anlagen liegt mit 55,9 % unter dem Österreichschnitt. Im Burgenland macht die Fernwärme jedoch nur einen sehr geringen Anteil der Gebäudewärme aus, denn nur 5,4 % der Hauptwohnsitze sind an das Fernwärmenetz angeschlossen.

Der Anteil der Wohnsitze mit einem Einzel- oder Zentralheizsystem, das mit fossilen Rohstoffen betrieben wird, liegt bei 42,3 %, wobei 26,4 % mit Erdgas und 15,9 % mit Heizöl heizen. Damit gehört das Burgenland zu den Bundesländern mit einem sehr hohen fossilen Anteil. 34,4 % der Wohnsitze heizen mit Biomasse – österreichweit der höchste Wert. Weitere 11,8 % sind mit einer Wärmepumpe ausgestattet oder nutzen ein solares Heizsystem. Hier hat nur Vorarlberg einen höheren Wert. Die übrigen 6,1 % heizen überwiegend mit elektrischem Strom.

Heizungsarten im Burgenland

Die thermisch-energetische Sanierungsrate lag im Burgenland im Jahr 2018 bei 1,8 % und damit über dem durchschnittlichen Wert der letzten 10 Jahre (1,6 %). Dieser liegt leicht unter dem Österreichschnitt (1,7 %) und wird nur von Salzburg, Vorarlberg und unterboten.

Sanierungsrate im Burgenland

 

Mobilität

Im Burgenland werden 71 % der Wege mit dem motorisierten Individualverkehr (MIV), 8 % mit dem öffentlichen Verkehr, 6 % mit dem Fahrrad und 14 % zu Fuß zurückgelegt. Nur Kärnten weist einen höheren MIV-Anteil auf. Damit gehört das Burgenland zu den Bundesländern, die am stärksten aufs Auto setzen.

Mobilität im Burgenland

Der Motorisierungsgrad von 675,0 PKW/1.000 EW ist höher als in allen anderen Bundesländern und seit 2010 um 10,9 % stark angestiegen. Nur Kärnten hat einen noch höheren Anstieg des Motorisierungsgrades in diesem Zeitraum. Auffällig ist der mit 47,6 % sehr hohe Anteil der privaten Zweit- bzw. Drittwagen – auch das ist österreichweit der höchste Wert. Der E-Auto-Anteil liegt bei 0,4 %: Schlusslicht gemeinsam mit Kärnten.

Der Umweltverbund (Bus, Bahn, Fahrrad) hat einen vergleichsweise geringen Stellenwert und wird nur unterdurchschnittlich in Anspruch genommen. Für den öffentlichen Verkehr ist im Burgenland auch keine landesweit gültige Jahreskarte erhältlich. Mit dem Fahrrad fahren die BurgenländerInnen durchschnittlich 0,40 km pro Tag – österreichweit der niedrigste Wert.

Dementsprechend hoch ist der Flächenverbrauch für den Verkehr im Burgenland. Die gesamte Verkehrsfläche des Burgenlandes hat seit 2010 um 3,3 % zugenommen und beträgt 156 km². Das ergibt 532 m² Verkehrsfläche pro EinwohnerIn und ist damit österreichweit am höchsten.

Anteil der Bio-Landwirtschaft

Der Bio-Anteil bei den landwirtschaftlich genutzten Flächen liegt im Burgenland bei 36,4 % und ist in 3 Jahren um 8,0 %-Pkt. und damit stärker als in allen anderen Bundesländern gestiegen. Damit liegt das Land was den Bio-Flächen-Anteil angeht nun österreichweit an zweiter Stelle hinter Salzburg. Bei den landwirtschaftlichen Betrieben liegt der Anteil bei 25,7 % und hat damit im gleichen Zeitraum um 4,6 %-Pkt. zugenommen. Hier hat neben Salzburg auch Wien einen höheren Anteil.

Biologische Landwirtschaft im Burgenland

Unser Kommentar

Die Bilanz des Burgenlandes ist durchwachsen. Einerseits setzt man sich ambitionierte Ziele und hat dabei durchaus Erfolge, andererseits bestehen gerade im Bereich der thermischen Sanierung und der Mobilität noch große Herausforderungen. Mit dem Ziel bis 2030 einen Anteil von 70 % erneuerbarer Energie zu erreichen, setzt sich das Burgenland ein ambitioniertes Ziel, das deutlich über den aktuellen österreichischen Zielen (45 – 50 % bis 2030) liegt. Ambitioniert und sinnvoll ist auch das Ziel bis 2030 sämtliche Ölheizungen auszutauschen. Problematisch ist hingegen, dass kein ambitioniertes Ziel gesetzt wird, was die Senkung des Energieverbrauchs betrifft. Ohne deutliche Senkung des Energieverbrauchs kann die Energiewende in Österreich nicht gelingen.

Positiv ist der hohe Anteil erneuerbarer Energie an der Stromproduktion (nahezu 100 %). Auch der starke Anstieg der Biolandwirtschaft in den letzten Jahren ist im Burgenland landesweit beachtlich. In keinem anderen Bundesland konnte der Anteil in den letzten Jahren so stark gesteigert werden. Damit ist auch das Ziel eines 50 %-igen Anteils bis 2027 in Reichweite.

Problematisch ist die zu niedrige Sanierungsrate im Burgenland, die weit entfernt vom Ziel einer 3 %-igen Sanierungsrate liegt. Hier braucht es deutlich mehr Initiative von der Politik. Kritisch ist auch der hohe

Motorisierungsgrad anzusehen. Das Burgenland ist das am stärksten motorisierte Land Österreichs. Es sollte dringend eine wirksame Strategie erarbeitet werden, mit der eine starke Umschichtung auf den Umweltverbund geschafft werden kann. Im Verkehrsbereich ist darüber hinaus eine Zusammenarbeit auf bundes- und europapolitischer Ebene notwendig, um insbesondere den Güterverkehr stärker auf die Schiene zu verlagern.

Quellen zu den obigen Infografiken und Zahlen im Text finden Sie im gesamten "GLOBAL 2000 Klimareport - Die Bundesländer in Vergleich".

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Klimaprojekte & -initiativen im Burgenland

„e-MABU“ - Der Mattersburger Stadtbus

Unter anderem mit dem Ziel, den Individualverkehr zu reduzieren, ist Mattersburg (7466 EW) seit Juni 2020 durch zwei gegenläufige E-Bus-Linien erschlossen. Von jedem Haushalt ist eine der insgesamt 59 Haltestellen in maximal 250 Metern zu erreichen. Die Linien verkehren von Montag bis Freitag zwischen 6:30 Uhr und 19:30 Uhr im Stundentakt, was bedeutet, dass es 2 Anbindungen pro Haltestelle pro Stunde gibt. Auch das Stadtzentrum, das Einkaufszentrum, das Fachmarktzentrum, die Schulen und der Bahnhof sind angebunden.

Energetikum und LowErgetikum in Pinkafeld

Am FH-Campus in Pinkafeld liegt der Forschungsschwerpunkt auf Energie- und Umweltmanagement, Gebäudetechnik und nachhaltigen Energiesystemen. Am Standort wurde mit dem Energetikum bereits 2015 ein 850 m² großes Modellgebäude für den High-Tech- Bereich errichtet. Da sich in der Gebäudetechnik jedoch zunehmend die Frage stellt, ob „HighTech“ oder „LowTech“ der bessere Ansatz für mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit ist, hat man sich nun dazu entschlossen mit dem LowErgetikum auch ein Forschungsgebäude im Low-Tech-Bereich zu entwickeln. Voraussichtlicher Baubeginn ist im September 2020.

Manufaba – Seewinkler Bio-Tofu-Manufaktur

Hier wächst ein pflanzliches Nahrungsmittel auf gesunder, pestizidfreier Erde und Menschen der Region werden über kurze Verkehrswege mit hochwertigen Proteinen versorgt. Klimaschutzexpertin Ulla Wittmann stellt gemeinsam mit ihrem Lebenspartner, einem Bio-Landwirten den Seewinkler Bio-Tofu aus den selbstgezogenen Sojabohnen her. Auch Tofu-Workshops werden angeboten.

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