Klimaschutz in Oberösterreich

Klimaschutz hat in der Bevölkerung Österreichs einen hohen Stellenwert, der mit zunehmenden Wissen um die Gefahr der Klimakrise weiter ansteigen wird. Dementsprechend hat sich die Politik ambitionierte Ziele gesetzt. Viele der Kompetenzen dafür liegen großteils oder teilweise auf der Bundesländer-Ebene. Wie ambitioniert und fortschrittlich Oberösterreich im Bereich Klimaschutz agiert, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Wir haben uns für den Klimareport sowohl die gesteckten Klimaziele, als auch den Status Quo der einzelnen Bundesländer angesehen. Folgende Analysen bezieht sich auf das Bundesland Oberösterreich. Den gesamten Klimareport mit allen Bundesländern und einen Vergleich mit Österreich können Sie im GLOBAL 2000 Klimareport nachlesen.

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Klimaziele von Oberösterreich

Langfristige Ziele

Laut seiner 2017 veröffentlichten Energiestrategie möchte sich das Land Oberösterreich langfristig als internationale Energie-Leitregion etablieren. Die energiebedingte Treibhausgas-Emissionsintensität soll bis 2050 um 70 – 90 % im Vergleich zu 2014 reduziert werden.

Damit steckt sich Oberösterreich nur relative Ziele, aber kein absolutes Reduktionsziel, wie es notwendig wäre. Damit wird der Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle, sowie die klare klimawissenschaftliche Erkenntnis, dass eine absolute Treibhausgasreduktion von 90 – 95 % notwendig ist, um Klimaneutralität zu erreichen, in Oberösterreich nicht abgebildet.

Mittelfristige Ziele

  • Reduktion energiebedingter Treibhausgas-Emissionsintensität um 25 – 33 % bis 2030 im Vergleich zu 2014.
  • Steigerung erneuerbarer Energien beim Stromverbrauch auf 80 – 97 % bis 2030.

Im Energiebericht 2018 wurde der derzeitige Stand der Zielerreichung vom Land Oberösterreich selbst evaluiert. Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch liegt bereits jetzt mit 76,8 % in der Nähe der unteren Bandbreite des angepeilten Ziels. Nicht erreicht werden konnte hingegen die Verringerung der energiebedingten Treibhausgas-Emissionsintensität. Im Gegenteil ist sie zwischen 2014 und 2017 insgesamt um rund 1 % gestiegen.

Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Oberösterreich

In Oberösterreich sind die Treibhausgasemissionen seit 2010 um 1,4 % auf 10,68 Mio. Tonnen CO2-equ im Jahr 2017 angestiegen. Während die Emissionen im Gebäudesektor nur unterdurchschnittlich um 13 % auf 1,41 Mio. Tonnen gesenkt werden konnten, sind die Verkehrsemissionen überdurchschnittlich um 8 % auf 4,43 Mio. Tonnen angestiegen.

Treibhausgasemissionen in Oberösterreich

Die Pro-Kopf-Emissionen sind seit 2010 um 2,7 % und damit nur im Burgenland weniger stark gesunken und mit 7,3 t höher als in allen anderen Bundesländern. Davon werden durchschnittlich 3 t im Verkehrssektor und 1 t im Gebäudesektor emittiert.

Entwicklung des Energieverbrauchs & Anteil erneuerbarer Energien

Auch der Energieverbrauch (inkl. Verluste und Verbrauch des Energiesektors) ist in Oberösterreich seit 2010 um 0,2 % auf 274,9 PJ im Jahr 2018 leicht angestiegen (+0,6 PJ). Während der Verbrauch erneuerbarer Energien um 1,4 PJ nur leicht gestiegen ist (+1,8 %), ist der Verbrauch fossiler Energie gleichzeitig um 0,8 PJ ebenfalls nur leicht gesunken (-0,4 %).

Energieverbrauch in Oberösterreich

Der Anteil erneuerbarer Energien konnte nur um 0,5 % gesteigert werden und liegt nun bei 30,3 % – nur Wien und die Steiermark haben einen niedrigeren Anteil.

Erneuerbare Energie in Oberösterreich

Ökostrom-Anteil

Der Ökostrom-Anteil an der Produktion liegt in Oberösterreich mit insgesamt 74,3 % leicht unter dem Österreichschnitt und ist nur in Wien und der Steiermark niedriger. Der größte Anteil wird aus Wasserkraft (63,4 %) gewonnen. Weitere erneuerbare Quellen sind die Bioenergie (8,1 %), die Photovoltaik und die Geothermie (gemeinsam 2,2 %) und die Windkraft (0,6 %). Pro EinwohnerIn und Jahr werden 200,8 kWh PV-Strom produziert.

Stromproduktion in Oberösterreich

Da Oberösterreich mehr Strom verbraucht, als es produziert, mussten im Jahr 2018 18,7 % (netto) des verbrauchten Stroms importiert werden. Der Anteil der inländischen Ökostromproduktion am Stromverbrauch (Bruttoinlandsverbrauch) liegt demnach bei rund 60 % und ist nur in Wien und der Steiermark niedriger.

Wärmewende

Der Anteil der Fermwärmeerzeugung aus erneuerbaren Quellen liegt bei 40,9 % und ist nur in Wien noch niedriger. Der Anteil aus KWK-Anlagen liegt mit 66,2 % über dem Österreichschnitt. Die Bioenergie hat einen relativ niedrigen Anteil von 37,7 %. Auf die Solar- und Geothermie fallen 3,2 %. Das ist österreichweit der höchste Wert. In Oberösterreich sind 28,0 % der Hauptwohnsitze an das Fernwärmenetz angeschlossen, damit liegt man in etwa im Österreichschnitt.

Heizungsarten in Oberösterreich

Die thermisch-energetische Sanierungsrate lag in Oberösterreich im Jahr 2018 bei 1,9 % und damit gleichauf mit dem durchschnittlichen Wert der letzten 10 Jahre. Dieser wiederum liegt über dem Österreichschnitt (1,7 %). Oberösterreich weist zwar die höchste Sanierungsrate in Österreich auf, kommt allerdings auch nicht an die für die Wärmewende notwendige Rate von 3 % heran.

Sanierungsrate in Oberösterreich

Der Anteil der Wohnsitze mit einem Einzel- oder Zentralheizsystem, das mit fossilen Rohstoffen betrieben wird, liegt unter dem Österreichschnitt bei 35,1 %, wobei 18,4 % mit Heizöl, 16,6 % mit Erdgas und 0,1 % mit Kohle heizen. 22,2 % der Wohnsitze heizen mit Biomasse. Weitere 11,3 % sind mit einer Wärmepumpe ausgestattet oder nutzen ein solares Heizsystem. Nur Vorarlberg und das Burgenland haben hier einen höheren Wert. Die übrigen 3,4 % heizen überwiegend mit elektrischem Strom.

Mobilität

In Oberösterreich werden 69 % der Wege mit dem motorisierten Individualverkehr (MIV), 9 % mit dem öffentlichen Verkehr, 6 % mit dem Fahrrad und 16 % zu Fuß zurückgelegt. Nur in Kärnten und im Burgenland ist der MIV-Anteil höher und der ÖV-Anteil niedriger. Der Radanteil ist nur in Kärnten niedriger.

Mobilität in Oberösterreich

Der Stellenwert des Umweltverbunds ist vergleichsweise niedrig. Anreize zum Umstieg auf den öffentlichen Verkehr in Form einer landesweit gültigen Jahreskarte sind nicht vorhanden. Durchschnittlich schneidet Oberösterreich beim Fahrradverkehr ab. Mit dem Fahrrad fahren die OberösterreicherInnen durchschnittlich 0,61 km pro Tag. Hier liegt das Land leicht unter dem Österreichschnitt.

Anteil der Bio-Landwirtschaft

Der Bio-Anteil bei den landwirtschaftlich genutzten Flächen liegt in Oberösterreich bei nur 17,8 % und ist in 3 Jahren (seit 2016) um nur 2,2 % gestiegen. Österreichweit hat das Land damit den niedrigsten Anteil. Bei den landwirtschaftlichen Betrieben liegt der Anteil mit 19,3 % ebenfalls unter dem Österreichschnitt und hat im gleichen Zeitraum ebenfalls um nur 2,5 % zugenommen.

Biologische Landwirtschaft in Oberösterreich

Unser Kommentar

Oberösterreich hat pro Kopf die höchsten Treibhausgasemissionen von allen Bundesländern. Gleichzeitig ist es eines der wenigen Bundesländer, das keine absoluten Treibhausgas-Reduktionsziele verfolgt. Damit wird der Konsens der Klimawissenschaft, der eine Reduktion der Treibhausgase um 90 – 95 % als notwendige Voraussetzung für das Erreichen von Klimaneutralität, nicht annähernd abgebildet. Stattdessen wurden relative Ziele gemessen am CO2-Ausstoß im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt festgelegt. Damit fehlen fixe Emissionsobergrenzen. Aber auch von der Erreichung dieser selbstgesteckten Ziele zur Reduktion von Treibhausgasemissionen ist man weit entfernt.

Positiv ist, dass Oberösterreich bei der thermischen Sanierung den höchsten Wert aller Bundesländer hat, allerdings ist man auch hier von der notwendigen Sanierungsrate von 3 % weit entfernt. Gerade in diesem für die Beschäftigung wichtigen Bereich, sind weitere Schritte zur Steigerung der Sanierungsrate und zum Tausch von fossilen Heizgeräten notwendig.

Der Motorisierungsgrad liegt bei 635,6 PKW/1.000 EW und ist seit 2010 um 9,9 % gestiegen. 42,7 % der privaten PKW sind Zweit- bzw. Drittwagen. Das ist nach dem Burgenland der zweithöchste Wert. Der E-Auto-Anteil liegt wie im Österreichschnitt bei 0,6 %. Die gesamte Verkehrsfläche Oberösterreichs hat seit 2010 um 2,9 % zugenommen und beträgt 360 km2. Das ergibt 243 m2 Verkehrsfläche pro EinwohnerIn. Hier liegt das Land leicht über dem Schnitt. Positiv ist, dass Oberösterreich bei der thermischen Sanierung den höchsten Wert aller Bundesländer hat, allerdings ist man auch hier von der notwendigen Sanierungsrate von 3 % weit entfernt. Gerade in diesem für die Beschäftigung wichtigen Bereich, sind weitere Schritte zur Steigerung der Sanierungsrate und zum Tausch von fossilen Heizgeräten notwendig. Kritisch ist der hohe Anteil des motorisierten Individualverkehrs (MIV). Nach Kärnten und dem Burgenland hat Oberösterreich den höchsten Anteil des PKW-Verkehrs und ebenfalls nach Kärnten und dem Burgenland den niedrigsten Anteil des öffentlichen Verkehrs. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf mit einer Mobilitätsstrategie zur Stärkung des Umweltverbundes. Im Verkehrsbereich ist darüber hinaus eine Zusammenarbeit auf bundes- und europapolitischer Ebene notwendig, um insbesondere den stark wachsenden Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern.

Quellen zu den obigen Infografiken und Zahlen im Text finden Sie im gesamten "GLOBAL 2000 Klimareport - Die Bundesländer in Vergleich".

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Klimaprojekte & -initaitiven in OÖ

HELIOS-Sonnenstromkraftwerk

Die Helios Sonnenstrom GmbH ist ein Tochterunternehmen der Klima- und Energiemodellregion Freistadt, über das seit dem Jahr 2012 das HELIOS-Sonnenstromkraftwerk errichtet und betrieben wird. Dafür werden geeignete öffentliche und private Dachflächen in ganz Oberösterreich genutzt, die dem Unternehmen für 13 Jahre zur Verfügung gestellt werden. Danach geht die Anlage in das Eigentum des Dachbesitzers über. Doch auch für Personen ohne Dachfläche gibt es eine Beteiligungsmöglichkeit. Um je 500 € können sogen. Sonnenbausteine erworben werden. Das Darlehen wird in 13 Jahresraten inklusive 2,2 % Zinsen zurückgezahlt. Das Kraftwerk, das jährlich weiter wächst, besteht aus mehr als 350 PV-Anlagen und hat eine Leistung von über 7 MW.

Carployee – Die intelligente Mitfahr-App für Unternehmen

Carployee ist ein Linzer Start Up, das eine Software-Lösung (App) für Unternehmen und Businessparks entwickelt hat, die MitarbeiterInnen im Gründen von Fahrgemeinschaften für den täglichen Arbeitsweg unterstützt. Zu den Vorteilen die sich dadurch für die Unternehmen ergeben zählen neben einer messbaren CO2-Reduktion auch Parkplatzeinsparung und die Förderung von Emloyer Branding und Team Building. Für die MitarbeiterInnen ergeben sich wiederum Vorteile durch die Einsparung von Sprit- und Parkkosten und die Möglichkeit, die Fahrzeit sinnvoll zu nutzen und die Umwelt und das Klima aktiv zu entlasten. Für NutzerInnen gibt es außerdem Belohnungen vom eigenen Unternehmen (z.B. Tank- und Essensgutscheine, reservierte Parkplätze). Wer in einem Unternehmen arbeitet, das noch nicht registriert ist, kann Carployee auf deren Website dazu auffordern, sich mit diesem in Verbindung zu setzten.

Energiegenossenschaft Region Eferding eGen

Die Energiegenossenschaft Region Eferding ist ein Zusammenschluss von Gemeinden und öffentlichen Verbänden der Klima- und Energiemodellregion Eferding und setzt für diese Projekte im Bereich Energieeffizienz und erneuerbarer Energieträger um. Der Schwerpunkt liegt auf Photovoltaikanlagen mit BürgerInnenbeteiligung und Carsharing mit Elektroautos. Ziel des Carsharing-Projekts E[F]_mobil ist es, wenig genutzte Zweit- oder Drittautos zu ersetzen. Das mit Ökostrom betankte Auto steht interessierten BürgerInnen bereits an 5 Standorten zur Verfügung.

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