Die geplante Lobau-Autobahn und der Widerstand von GLOBAL 2000 gegen dieses Wahnsinnsprojekt sind seit Jahren eng miteinander verbunden. Denn es gibt kaum eine zweite Straße in Österreich, die so unnötig, umweltschädlich und teuer ist.

Die sogenannte Lobau-Autobahn soll Teil eines Autobahnrings rund um Wien werden und stellt den Abschnitt der Schnellstaße S1 zwischen den Knoten Schwechat und Süßenbrunn dar. Die Lobau-Autobahn soll sowohl die Donau, als auch den Nationalpark Donau-Auen (an dessen breitester Stelle!) unterirdisch queren, um zwischen Eßling und Groß-Enzersdorf aufzutauchen. Dann geht die Trasse an der Oberfläche entlang der Landesgrenze zwischen Wien und Niederösterreich bis zum im Autobahnknoten Süßenbrunn. Dieses 19 km lange Straßenstück soll nach offiziellen Angaben 1,6 Milliarden Euro kosten und 2018 in Betrieb gehen.

Geschichte der Lobau-Autobahn

Eine für das Verkehrsministerium im Jahr 1999 erstellte Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine sechste Donauquerung (=Lobau-Autobahn) nicht notwendig ist. 2003 schloss die Stadt Wien die “Strategische Umweltprüfung für den Nordosten Wiens" (SUPerNOW) ab. Dabei wurden unterschiedliche Varianten untersucht. Am besten schnitt jene Option ab, bei der auf den Bau der Lobau-Autobahn verzichtet wird und stattdessen die Öffentlichen Verkehrsmitttel massiv ausgebaut werden.

Argumente gegen die Lobau-Autobahn:

  • Hochrangige Straße und Nationalpark schließen sich aus, denn ein Nationalpark hört nicht 60 Meter unter der Erdoberfläche auf. Der Tunnel wird durch zwei sensible Grundwasserhorizonte führen. Zudem herrscht im Nationalpark ein sogenanntes Verschlechterungsverbot, was im Bezug auf Autoabgase sicherlich gebrochen wird.
  • Die derzeit geplante Querung der Lobau an der breitestmöglichen Stelle des Nationalparks ist laut Strategischer Umweltprüfung der Stadt Wien die mit Abstand schlechteste Trasse: Sie ist am wenigsten “verkehrswirksam” für Wien , führt zum höchsten CO2- und Abgasanstieg und verursacht den größten Baudruck auf den Grüngürtel. Deshalb auch die Bezeichnung mehr als "Speckgürteltrasse" auch gerechtfertigt.
  • Die Lobau-Autobahn wird gerne als notwendige Ableitung der Nord-Autobahn dargerstellt. Tatsächlich würde die Nordautobahn ohne Lobau-Autobahn in die ohnehin überlastete Südosttangente münden. Dieser Wahnsinn soll nach offizieller Planung aber sowieso stattfinden, nämlich zwischen 2010 (Inbetriebnahme der Nordautobahn) und 2018 (Fertigstellung der Lobau-Autobahn). Langfristig soll die Lobau-Autobahn Teil einer Transitstrecke zwischen Polen und Tschechien einerseits und Südosteuropa anderseits werden.
  • Lobau-Autobahn löst keine Verkehrsprobleme. Oft wir die Lobau-Autobahn als Entlastung des Südost-Tangente gesehen. Doch nur 5 % "Entlastung" werden prognostiziert. Eine Studie der Boku Wien zeigt: Trotz Lobau-Autobahn und anderer damit verbundener Straßenbau-Projekte wird die Anzahl der überlasteten Straßen in Wien zu- und nicht abnehmen.
  • Durch die Lobau-Autobahn werden die Öffentlichen Verkehrsmittel einen Passagierrückgang erleiden. Das trifft sowohl für die im Bau befindliche U-Bahnline U2, als auch die Schnellbahnlinien der Region zu.
  • Die Lobau-Autobahn führt zur Gänze durch Feinstaub-Sanierungsgebiet. Die Straße wird eine Zunahme von Autoverkehr verursachen, was wieder zu mehr Feinstaub- und Treibhausgas-Emissionen führen wird.

Im Sommer 2004 startete GLOBAL 2000 eine Kampagne gegen die Lobau-Autobahn mit zahlreichen Aktionen vor Ort. Noch im Dezember 2004 präsentierte GLOBAL 2000 eine repräsentative Umfrage zur Lobau-Autobahn: Die Mehrheit der Wienerinnen und Wiener lehnt den Bau der Lobauautobahn strikt ab beziehungsweise hält ihn für unwichtig. 63 Prozent der Befragten waren gegen den Bau der Lobau-Autobahn, 77 Prozent der Befragten hielten den Bau für schlicht unwichtig. Im Februar 2005 machte ein junges Architekten-Duo im Auftrag von GLOBAL 2000 Gestaltungvorschläge für eine verkehrsberuhigte und attraktive Raffineriestraße. Die staatliche Autobahnerrichtungsgesellschaft ASFINAG ließ ihre ursprünglichen Pläne, diese Straße zu einer vierspurigen Schnellstraße auszubauen, fallen.

Im März 2005 einigten sich der damalige Verkehrsminister Gorbach und die Landeshauptleute Häupl und Pröll in einem politischen Kuhhandel auf die schlechtestmögliche Trasse für die Lobau-Autobahn. Der Querung der Donau in Form einer Brücke ist damit allerdings auch vom Tisch. Zwischen November 2006 und März 2007 will die ASFINAG mit Billigung der Stadt Wien 18 Probebohrungen im Nationalparkgebiet der Lobau durchführen. GLOBAL 2000 lehnt diese Bohrungen vehement ab und betrachtete sie als Beginn der Bauarbeiten zur Lobau-Autobahn. Um dies zu verhindern, errichteten AktivistInnen von GLOBAL 2000 sowie anderer Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen in Groß-Enzersdorf ein „Lobaucamp“ und bewachten – bei Wind und Wetter – die Einfahrten in die Lobau. Auf diese Weise konnten die Probebohrungen acht Wochen lang verhindert werden!

 Lobau

Im Dezember 2006 kommt es zu einer Vereinbarung zwischen den UmweltschützerInnen und den Behörden: Die UmweltschützInnen beendeten die Blockade der Probebohrungen sowie die Mahnwache. Im Gegenzug verpflichteten sich die Behörden zur Ausrichtung eines „Runden Tisches“, bei dem die Verkehrs- und Klimaschutzpolitik in Ostösterreich beraten werden sollte. Seit Beginn des Jahres 2007 zogen sich die Treffen des „Runden Tisches“ dahin. Die Erwartungen, hier zu einem akzeptablen Ergebnis zu kommen, waren denkbar gering. Denn erstens saßen am „Runden Tisch“ genau dieselben VertreterInnen der Länder Niederösterreich und Wiens, die den Bau der Lobau-Autobahn auf der denkmöglich schlechtesten Trasse durchgeboxt haben. Und zweitens weigerten sich diese beharrlich, über die Lobau-Autobahn selbst – also die Ursache für die Einsetzung des „Runden Tisches“ – ernsthaft zu diskutieren. Ende Juli 2007 reißt den UmweltschützerInnen die Geduld: Sie geben ihren Ausstieg aus dem Runden Tisch bekannt. Die Länder Wien und Niederösterreich haben nämlich jede ernsthafte verkehrspolitische Arbeit abgelehnt und sich als dialogunfähig erwiesen.

Im Laufe des Jahres 2007 sickerten immer mehr Ergebnisse über die Probebohrungen durch. Demnach ist die Geologie unter der Lobau kleinräumiger und komplizierter, als erwartet. Die Hoffnung der ASFINAG, den Tunnel hauptsächlich im wasserdichten tertiären Schluff zu bauen, hat sich nicht erfüllt. Auch die Behauptungen der ASFINAG, der Tunnel würde in einem tieferen Grundwasserhorizont geführt werden und damit keine Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Lobau haben, sind falsch. Der Tunnel wird sowohl beim Ab- als auch Auftauchen den oberen Grundwasserhorizont queren, was eine massive Beeinträchtigung bewirken kann. Zudem gehört der tiefere – in tertiären Schichten angesiedelte – Grundwasserhorizont zu den strategischen Trinkwasserreserven von Wien. Auch hier kann der Lobau-Tunnel massive und irreparable Schäden anrichten.

Am 13. Oktober 2009 startete die Umweltverträglichkeitsprüfung für die "Lobau-Autobahn", eines der wohl umstrittensten Großprojekte in Österreich. Während Gelder für wichtige Zukunftsinvestitionen fehlen, sollte im Naturschutzgebiet der Lobau eine Autobahn gebaut werden, die bis zu drei Milliarden Euro kostet. Das Projekt, würde zudem sicherstellen, dass der Transitverkehr von Danzig bis zur Adria über die beliebte Wohngegend rollt, von den ökologischen Folgen einer Autobahn im Naturschutzgebiet ganz zu schweigen.

Stoppt Autobahnbau

Teilerfolge

Verzögerung: Ursprünglich war Bau und Fertigstellung schon für 2015 geplant, mittlerweile liegt der Fertigstellungstermin 2018. Die Donauquerung kommt sicher nicht – wie ursprünglich geplant - als Brücke und die Raffineriestraße – sie verläuft direkt entlang des Nationalparks – wird nicht zur Schnellstraße ausgebaut!

Aktuelle News zur Lobau-Autobahn finden Sie hier: www.zukunft-statt-autobahn.at