Naturwald

Naturwälder in Österreich sind wichtige Ökosysteme und Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere. Aber was ist eigentlich ein Naturwald und wo gibt es den in Österreich?

Naturwald

Was ist ein Naturwald?

Der nach der Eiszeit entstandene, ursprüngliche Naturwald (natürlicher Primärwald) bedeckte Europas Landschaft nahezu völlig. Je mehr Platz der Mensch für sich beanspruchte, desto mehr Naturwald wurde gerodet. Das so entstandene Kulturland wurde in weiterer Folge teilweise mit standortfremden Arten bepflanzt. Fichten etwa breiteten sich so in Österreich immer weiter aus.  Es entstand der lichtere, artenärmere Sekundärwald, ein Forstwald.

Lebensraum Wald

Der Naturwald ist ein Wald, der sich im Gegensatz zum Forst ohne menschliche Einflüsse entwickelt. Prozesse im Naturwald regulieren sich selbst. Merkmale sind einheimische Baumarten sowie eine natürliche Mischung. Alte Bäume sowie stehen- und liegengebliebenes Totholz sind Lebensgrundlage einer Vielzahl anderer Pflanzen, selten gewordener Tiere, Pilze und Flechten. Alte, urige Bäume werden auf Grund ihrer Bedeutung als Lebensraum auch Biotopbäume oder Habitatbäume genannt. Totholz liefert Nährstoffe für einen lebendigen Boden und speichert Wasser im Wald.

Zu den Bewohnern von Naturwäldern zählen zum Beispiel:

  • Auerhuhn
  • Äskulapnatter
  • Hirschkäfer
  • Alpenbockkäfer 
  • Juchtenkäfer
  • Feuersalamander
  • Habichtskauz
  • Mittelspecht
  • Schwarzspecht
  • Seeadler
  • Schwarzstorch
  • Uhu
  • Bechsteinfledermaus
  • Mopsfledermaus
  • Luchs
  • Wildkatze

SchwarzspechtSchwarzstorchSeeadlerÄskulapnatterHirschkäferAlpenbockkäferMopsfledermausMittelspecht

Gegen Krisen gewappnet

Naturwald kann sich nach Waldbränden, Windwurf oder Insektenbefall auch ohne die Hilfe vom Mensch schnell erholen. Die alten Bäume sind mit ihren tief reichenden Wurzeln gegen Stürme gewappnet. Totholz schützt außerdem vor Steinschlag und Lawinen. Der Naturwald ist gesünder, stabiler und resilienter als ein Forstwald. Dadurch kann er auch besser Insektenbefall bewältigen.

Gibt es in Österreich Naturwald?

Wald gibt es auf der ganzen Welt. Je nach Klimazone setzt er sich anders zusammen und ist mehr oder weniger artenreich. Fast die Hälfte von Österreich (47,9%) ist mit Wald bedeckt. Davon ist ein geringer Teil auch echter Naturwald. Grundsätzlich ist es um die Natürlichkeit des österreichischen Waldes weniger gut bestellt. 58% aller Bäume in Österreich sind Fichten, dabei wäre eigentlich die Buche die dominierende Baumart. Rotbuchenwälder gibt es nur in Europa. Diese gelten deshalb seit 2017 als UNESCO-Weltnaturerbe und ihr Schutz ist von globaler Bedeutung. Die Buche hat bei uns aktuell nur einen Anteil von 12%.

Der Wald in Österreich:

  • 75% sind mäßig bis stark verändert oder als künstlich eingestuft
  • 22% sind naturnah, aber auch durch die Eingriffe des Menschen geprägt
  • 3 % sind in Österreich Naturwälder

Gibt es in Österreich noch echten Urwald?

Besonders artenreicher Urwald wächst nicht nur im Amazonas oder in Indonesien, sondern auch bei uns in Europa. Der Urwald in Österreich macht weniger als 1% der Staatsfläche aus. Urwälder gibt es heute nur mehr dort, wo der Mensch bisher nicht eingreifen konnte oder wollte: aufgrund unzugänglichen Geländes oder bewussten Naturschutzes. Meist existieren nur mehr sehr kleine Urwaldreste von wenigen Hektar. Sie liegen an schwer erreichbaren und somit schwer bewirtschaftbaren Orten, wie an Steilhängen. Echter Urwald entsteht nur, wenn der Mensch über mehrere Jahrhunderte nicht in den Wald eingreift. Den größten Urwald Österreichs bildet ein Teil des Rothwalds. Er umfasst ungefähr 400 ha im niederösterreichischen Teil des Wildnisgebiets Dürrenstein-Lassingtal.

Urwaldinseln gibt es etwa im:

Naturwald Kamptal

Warum ist Wald wichtig?

Der Wald liefert uns nicht nur lebensnotwendigen Sauerstoff, sondern er sorgt für saubere Luft, Trinkwasser und Nahrungsmittel. Er ist unersetzlicher Lebensraum für unzählige Arten sowie Erholungsraum für den Menschen. Außerdem liefert uns der Wald wichtige Ressourcen. Eine unendlich große Palette an Wirkstoffen für die Pharma-Industrie, Papier, Baumaterial für Häuser und Möbel und Heizmaterial.

Wald als Kohlenstoffspeicher und Klimaanlage

Der Wald, und insbesondere der Naturwald, ist potenter Kohlenstoffspeicher und bindet CO2. Außerdem ist er als natürliche Klimaanlage wichtig für ein stabiles Klima. Eine Stabilität, die in der Klimakrise essenziell ist. Dies gilt vor allem für alte funktionstüchtige Waldökosysteme. Sie binden CO2 und speichern Kohlenstoff in lebenden Baumbeständen, in Totholz, in der Streuschicht und im Boden. Wälder sind bekannt dafür, eine essenzielle Rolle in der zu bewältigenden Klimakrise einzunehmen. 

Wer bedroht den Naturwald?

Ist der Borkenkäfer eine Gefahr für den Wald?

Immer mehr Holz wird hierzulande wegen dem Borkenkäferbefalls gefällt. Der auch Buchdrucker genannte Käfer ist ein natürlicher Bestandteil des Kreislaufsystems Wald. Gesunde Fichten wehren sich gegen die Käferattacken mit Harz. Wenn die Bäume austrocknen und von der Hitze geschwächt sind, funktioniert die Abwehr nicht mehr ausreichend. Die Käfer können sich massenhaft vermehren und ganze Wälder befallen.  Die Lösung lautet daher: weg von borkenkäferanfälligen Monokulturen hin zu einem artenreichen und widerstandsfähigen, gesunden Wald. Der Borkenkäfer hat rund 300 natürliche Feinde, darunter viele Insekten, z.B. Ameisenbuntkäfer, Pilze oder auch Spechte. 

Wie problematisch ist die massive Holzernte?

HolzschlagDie aktuelle Intensität der Holznutzung schwächt die Stabilität und Resilienz von Wäldern. So sind die Anfälligkeit für Windwurf, Schädlingsbefall oder negative Folgen von Dürrestress bereits gestiegen. Intensive Holznutzung und der voranschreitende Klimawandel reduzieren die Kapazität des Waldes CO2 zu binden. 

Sowohl die Gewinnung des Holzes aus dem Wald, sowie die Verbrennung von Biomasse setzen CO2-Emissionen frei. Deshalb sollte Holz vorrangig in langlebigen Produkten genutzt werden. Zum Beispiel als Bau- oder Möbelholz, denn nur dann bleibt der Kohlenstoff gebunden und Treibhausgasemissionen werden eingespart. 

 

Wie sieht eine nachhaltige Waldnutzung aus?

Oft wird Nachhaltigkeit darauf beschränkt, dass weniger Holz entnommen wird als nachwächst. Jedoch ist das Ökosystem Wald weitaus komplexer und nicht nur der Zuwachs zählt. Prozessschutz und Sicherung von essenziellen Ökosystemleistungen müssen ebenfalls betrachtet werden.

Ein nachhaltige Waldnutzung kann nur unter bestimmten Bedingungen stattfinden:

  • Es wird weniger Holz genutzt als nachwächst.
  • Die Biodiversität des Waldes ist durch den Holzeinschlag nicht gefährdet.
  • Es werden keine alten Naturwälder abgeholzt.
  • Es werden keine Biotopbäume gefällt.
  • Die Kohlenstoffspeicherfunktion des Waldes wird nicht beeinträchtigt. 
  • Die Stabilität und Resilienz von Wäldern bleibt erhalten.
  • Bewirtschafteter Wald wird natürlich verjüngt oder mit einer standortgerechten Artenmischung wieder aufgeforstet.
  • Nutzung von Reststoffen und Abfallprodukten.
  • Holz wird vorrangig in langlebigen Produkten genutzt

Der Wald ist ein komplexes Ökosystem, ein Zusammenspiel aller darin lebenden Organismen und auftretenden Phänomene. Seine Bedeutung kann nicht genug geschätzt und er selbst nicht genug geschützt werden. Schützen wir gemeinsam die letzten Naturwälder Österreichs.

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