Neuigkeit, 24.02.2022

AKW Mochovce: Wir zeigen slowakische Atomaufsicht bei Kripo an

Die slowakische AKW-Pannenbaustelle Mochovce 3 ist um einen Bauskandal reicher: Zuletzt machte ein weitreichender Fälschungs-Skandal um minderwertige Rohrleitungen der Betreibergesellschaft zu schaffen. Recherchen von GLOBAL 2000 zeigen nun, dass die slowakische Atomaufsicht von dem Problem wusste – und lange nicht handelte. Deshalb zeigten wir sie nun bei der Kripo an.

Beim im Bau befindlichen AKW-Reaktor Mochovce 3 denkt man, man hätte schon alles erlebt – so viele Pannen, Bauskandale hat es in den letzten Jahren bereits gegeben. Nun ist die Liste der Skandale erneut länger geworden: Ein tschechisches Bauunternehmen lieferte der AKW-Baustelle minderwertige Rohrleitungen, die aus rostanfälligem Stahl waren. Diese Rohre wurden nicht irgendwo verbaut, sondern u.a. im Kernstück des Reaktors und im Primärkreislauf. Obwohl die Probleme mit den verbauten Rohren immer noch nicht behoben sind, wurde letzte Woche die Inbetriebnahme des Reaktors für den 3. März angekündigt.

Slowakische Atomaufsicht handelt nicht trotz Warnung – Anzeige bei der Kripo

Recherchen von GLOBAL 2000 haben nun ergeben, dass die slowakische Atomaufsichtsbehörde sehr rechtzeitig über die mangelhaften Rohrelitungen informiert war – und nicht einschritt. Die tschechische Atomaufsichtsbehörde entdeckte den Betrug der tschechischen Baufirma und informierte umgehend die Kolleginnen und Kollegen in der Slowakei: In der AKW-Lieferkette habe man rostanfälligen Stahl und gefälschte Dokumente entdeckt. Durch Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz an die tschechische Atomaufsicht kann GLOBAL 2000 belegen, dass dies bereits am 5. März 2019 passierte. Doch die slowakische Atomaufsicht schritt nicht ein. Erst ein Jahr später handelte die Behörde, nachdem zufällig eine andere Baufirma auf der AKW-Baustelle Mochovce 3 die minderwertigen Rohrleitungen entdeckte.

„Die uns vorliegenden Belege zeichnen leider ein Bild des völligen Kontrollversagens: Die slowakische Atomaufsicht handelte trotz Warnungen ihrer Partner nicht und unterließ wissentlich und bewusst die Kontrolle der sicherheitskritischsten Teile des Atomreaktors“, sagt die GLOBAL 2000-Geschäftsführerin Agnes Zauner. Deshalb haben wir Anzeige bei der slowakischen Kripo gegen die slowakische Atomaufsicht erstattet.

Mangelhafte Rohre wurden nie vollständig ausgetauscht

Über 50.000 potenziell rostanfällige Rohrleitungen wurden im Reaktor Mochovce 3 verbaut, wie uns am Bauprojekt beteiligte Atomingenieure berichten. Unsere Recherchen zeigen, dass davon überhaupt nur ein sehr kleiner Teil, nämlich 7962 Rohrleitungen untersucht wurden, nachdem die Mängel bei den Rohren festgestellt wurden. 3410 wurden auf ihre chemischen Materialeigenschaften untersucht, 61 Fälle von „Material-Konfusion“ und 293 von „Abweichungen vom Standard“ wurden entdeckt - nur 12 Rohrleitungen wurden tatsächlich ausgewechselt. Die anderen 4552 Rohrleitungen „wurden durch eine Computer-Bewertung“ analysiert.

Die slowakische Atomaufsicht scheint damit zufrieden zu sein: „Es kann mit absoluter Sicherheit davon ausgegangen werden“, dass keine weiteren Leitungen untersucht werden müssten („it can be assumed with absolute certainty“). Ein uns von Whistleblowern zugespielter, fünf Monate alter interner Schadensbericht vom Reaktor sagt jedoch etwas anderes: „Das Dokument belegt starke Rostschäden aufgrund von korrosionsanfälligem Stahl im Primärkreislauf“, so Agnes Zauner.

Fotos zeigen das Außmaß der Mängel:

Mochovce 3_Foto_Rostschäden

Foto: Ablagerungen auf dem Rahmen des Absperrschiebers

Mochovce 3_Foto_Rostschäden3

Foto: Auskristallisierte Borsäure auf dem Absperrschieberahmen des Transportkanals

Reaktor soll trotzdem ans Netz gehen

Trotz dieser ungelösten offensichtlichen Sicherheitsrisiken im Reaktor Mochovce 3, erteilte die slowakische Atomaufsicht dem Pannenreaktor am 24. Jänner 2022 die Betriebserlaubnis. Der Reaktor soll am 3. März in Betrieb genommen werden.
 
GLOBAL 2000 fordert daher die österreichische Bundesregierung auf, einzuschreiten. Wie im Regierungsprogramm vorgesehen sollte die Bundesregierung jetzt – vom Bundeskanzler abwärts – entschlossen für eine neue Prüfung der Anlage eintreten. Wann, wenn nicht jetzt?

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