In den letzten beiden Maiwochen haben wir in Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark, Wien und Kärnten Wasserpfützen getestet. Nach starken lokalen Regenfällen haben wir insgesamt 32 Proben entnommen, die sich in Pfützen auf landwirtschaftlichen Flächen gebildet hatten. Die Proben, die von Mais-, Raps-, Soja-, Getreide-, Obst- Feldgemüse- und Weinbau-Flächen, sowie von einem an eine Ackerfläche angrenzenden privaten Hausgarten stammten, wurden an der Lebensmittelversuchsanstalt (LVA) Klosterneuburg auf Pestizide untersucht. In Summe ließen sich all den untersuchten Pfützen 58 verschiedene Pestizide nachweisen, darunter zahlreiche Unkrautvernichtungsmittel (Herbizide), Pilzbekämpfungsmittel (Fungizide) und Insektenvernichtungsmittel (Insektizide). Teilweise fanden wir Pestizide in hohen Konzentrationen, die auf eine kürzliche Anwendung hindeuten, aber auch im Spurenbereich, was entweder aus länger zurückliegenden Pestizidbehandlungen oder aus Altlasten im Boden herrührt. In zahlreichen untersuchten Pfützen waren Abbauprodukte von Atrazin, eines Pestizids, das aufgrund seiner chemischen Langlebigkeit schon 1995 verboten wurde.

Jede vierte Pfütze enthält fatalen Cocktail

Im Durchschnitt fanden wir zehn Pestizide in einer Pfütze. Jeder vierte Pfützencocktail enthielt dabei eine für Bienen fatale Kombination aus dem bislang nicht verbotenen Neonicotinoid Thiacloprid und einem Pilzbekämpfungsmittel. Thiacloprid gilt bekanntlich als bienenverträglich, da Bienen im Gegensatz zu den meisten anderen Insekten über einen Mechanismus verfügen, um dieses Neonicotinoid zu entgiften. Pilzbekämpfungsmittel aus der Gruppe der Azolfungizide sind aber in der Lage, genau diese Entgiftungsmechanismen zu blockieren und erhöhen so die Bienengiftigkeit von Thiacloprid um das 100- bis 1000-fache, wie Laborversuche gezeigt haben. Dass wir in acht von 32 Pfützen beide Insektizide in Kombination angetroffen haben, ist mehr als beunruhigend.

EFSA: Ackerpfützen als Hauptpfade der Pestizidexposition

Honigbienen sammeln Wasser - bei entsprechender Witterung bis zu einem halben Liter pro Tag für einen Bienenstock. Pestizide sind je nach Dosis für Bienen sofort tödlich oder schwächen die Immunabwehr, das Orientierungsvermögen oder die Kommunikationsfähigkeit. Deshalb hat die mit der europäischen Pestizidzulassung befasste Behörde EFSA zeitgleich mit den europaweiten Neonic-Verboten auch Leitlinien vorgegeben, wie zukünftig im Rahmen der gesetzlichen Pestizidzulassung das Risiko einer chronischen oder wiederholten Exposition für Bienen besser berücksichtigt werden soll. Pfützen auf landwirtschaftlichen Flächen werden dort erstmals als Hauptpfade der Pestizidexposition für Bienen genannt und sollen daher in die Bewertung der Risiken miteinfließen. Eine weitere in diesem EFSA-Vorschlag enthaltene substantielle Verbesserung des Bienenschutzes ist, dass zukünftig bei der Zulassung von Pestiziden auch das Risiko für Hummeln und Wildbienen Berücksichtigung finden soll.
Wir fordern deshalb, dass diese schon vor zwei Jahren präsentierten Verbesserungsvorschläge des Zulassungsverfahrens für Pestizide endlich in die Tat umgesetzt werden. Weitere Verzögerungen oder gar Verwässerungen gegenüber dem EFSA-Vorschlag können wir uns in Anbetracht des Rückgangs an Wildbienen und der regelmäßig wiederkehrenden Völkerverluste bei Honigbienen nicht leisten.