Plastiksackerl

Die Regierung Bangladeschs hat bereits vor zehn Jahren verwirklicht, was inzwischen immer mehr Länder der Welt tun: Sie hat gesetzlich das Plastiksackerl Verbot erwirkt und damit aus dem öffentlichen Leben verbannt. Seit 2011 sind die Kunststofftaschen auch aus italienischen Supermärkten verbannt. Nun greift die Debatte zum Plastiksackerl-Verbot auch auf Österreich über.

Bis zu einer Billiarde Plastiksackerl werden jährlich hergestellt, das sind über eine Million pro Minute. Jedes davon wird nur durchschnittlich 12 Minuten benutzt, bevor es auf der Mülldeponie oder in der Umwelt landet, wo es 100 bis 400 Jahre braucht um in sandkorngroße Teile zu zerfallen. Gänzlich auflösen kann sich das Plastik nicht. Allein in Österreich werden jährlich etwa 350 Millionen Plastikbeutel verbraucht.

Entsorgung problematisch

Die Herstellung des Kunststoffsackerls benötigt Erdöl, Energie und Wasser und belastet die Umwelt. Die Entsorgung der Sackerl ist problematisch. Verbrennen lässt sich das Material nicht gefahrlos. Dabei können je nach Zusatzstoffen klimaschädliche und giftige Substanzen wie Formaldehyd und Phenole freigesetzt werden. Was fast keiner weiß: entsorgt wird der Kunststoff vor allem in den Ozeanen. Es wird kaum darüber gesprochen, dass sich in den Weltmeeren riesige Plastikinseln und Müllstrudel befinden! Mehr als sechs Millionen Tonnen Plastik bilden im Meer schwimmende Müllhalden, setzen sich auf den Meeresböden ab oder verschmutzen die Küsten. „Es gibt keine Rechtfertigung mehr, Einwegsackerln irgendwo zu produzieren“, sagt Achim Steiner, Direktor des UN-Umweltprogramms UNEP.

Kampf den Plastiksackerln

Einige Länder haben die Dringlichkeit des Problems erkannt und erste Lösungsstrategien zur Einschränkung des Plastikwahns entwickelt. In San Francisco beispielswiese dürfen seit März 2007 in großen Supermärkten nur noch Stoff- oder Papiertaschen ausgegeben werden. Verstöße werden mit Geldstrafen geahndet. Seitdem spart die Stadt rund fünf Millionen Plastiksackerl pro Monat ein. Viele US-Städte - darunter Los Angeles, Boston, Portland, Seattle und Phoenix - wollen diesem Beispiel folgen. Auch in Australien, China, Eritrea, Tansania, Wales und Spanien gibt es Verbote oder Steuern auf Plastiktüten. Desweiteren wurden in Rwanda, Taiwan, Singapur, Israel, West-Indien, Botswana, Kenia, Tanzania und Süd-Afrika Kampagnen gestartet, um Plastiksackerl zu verbieten.

Irland spart schon

Seit März 2002 gibt es in Irland eine Steuer von 15 Cent pro Einmal-Plastiksackerl. In den ersten fünf Monaten der Steuer hat die Regierung laut BBC 3,5 Millionen Euro eingebracht. Die Einnahmen sollen Umweltprojekten zu Gute kommen. Der Verbrauch wurde um 90 Prozent gesenkt, im ersten Viertel des Jahres nach der Einführung wurden nur 23 Millionen Sackerl ausgegeben. Das sind 277 Millionen weniger als zuvor.

Sammelbehälter

In New York will der Stadtrat die Geschäfte verpflichten, spezielle Sammelbehälter aufzustellen, um die Plastiksäcke sammeln und besser recyceln zu können. Auch europäische Großstädte, wie London und Paris, ziehen inzwischen in Erwägung, den Verbrauch von Plastikbeuteln einzudämmen.

Österreich

In Österreich sind bisher keine derartigen Aktionen geplant, obwohl laut Umweltministerium jährlich 7.000 Tonnen Plastiksäcke in den Umlauf gebracht werden. Davon werden jährlich sogar rund 700 Millionen importiert. Die Säcke legen im Durchschnitt 30.000 Kilometer zurück, um nach kurzer Verwendung gleich wieder weggeworfen zu werden.

Plastiksackerl Verbrauch in Österreich 7.000 Tonnen im Jahr

Aufklärung wichtig

Ein Plastiksackerl-Verbot hat sich auf EU-Ebene noch nicht durchgesetzt und ist somit weder in Italien noch Frankreich gesetzeskonform. Supermarktketten lenken erste Maßnahmen zur Reduktion der leichten, billigen Umweltgefahr ein. Doch es ist unbedingt notwendig, in viel größerem Maße auf das Problem aufmerksam zu machen. Der Film „Plastic Planet“ ist ein Anfang, um die Menschen schonungslos mit der Realität vertraut zu machen. Wenn wir wirklich etwas gegen die alltägliche Plastikflut unternehmen wollen, ist ein radikales Umdenken gefordert. Und zwar von allen. Politik und Industrie müssen dringend Zeichen setzen, aber auch jeder Einzelne sollte seinen Plastikkonsum reduzieren.

Weitere Informationen:

Kunststoffe im Alltag: Produkte, Probleme und Gefahren

(Von Henriette Werner)