Publikation, 22.08.2022

Degrowth: 7 Ideen für eine neue Wirtschaft

Was ist eigentlich Degrowth? Und wie kann eine lebenserhaltende, gerechte neue Wirtschaft innerhalb der planetaren Grenzen aussehen? 

In einer idealen Zukunft wachen wir alle in einer sicheren Wohnung auf. Sie ist im Sommer mithilfe von erneuerbaren Energien angenehm gekühlt. Wir fahren mit dem Fahrrad oder den Öffis zur Arbeit. Anschließend holen wir uns beim Markt oder aus unserem Gemeinschaftsgarten frisches Gemüse fürs Mittagessen. Wir haben genug Freizeit, um den Nachmittag im Reparaturcafé oder im Nachbarschaftsverein zu verbringen. Unsere Grundbedürfnisse sind gedeckt – wir müssen uns keine Sorgen um hohe Energierechnungen, Wohnungslosigkeit oder Klimakatastrophe machen. Hört sich verlockend an?

Degrowth Neue Wirtschaft

Gestalten wir unsere Wirtschaft um! 

Das aktuelle, ausbeuterische Wirtschaftssystem zerstört unsere Lebensgrundlagen. Doch diese Wirtschaftsstrukturen sind das Ergebnis bewusster Entscheidungen. Wir können sie aber neu gestalten! 

Unter dem Titel "7 Ideen für eine neue Wirtschaft" finden sich sieben Visionen für ein neues Wirtschaftssystem. Es dient dem Wohl aller Menschen und steht im Einklang mit den Ressourcen unseres Planeten. Das Konzept entstand innerhalb des Netzwerks Friends of the Earth Europe. Dazu zählen strenge Klima- und Umweltverpflichtungen für Konzerne, erneuerbare Energiegemeinschaften und eine Neudefinition von Arbeit. Die 7 Ideen zeigen, wie wir unsere Wirtschaft in ein sozial- und umweltgerechtes System verwandeln können. Lebensqualität, Suffizienz und Empathie stehen im Mittelpunkt, statt Wachstum und Konzern-Gier. 

Die folgenden “7 Ideen für eine neue Wirtschaft“ zeigen, wie eine sozial gerechte und demokratische Umsetzung dieser Transformationen möglich ist:

  1. Eine Wirtschaft innerhalb der Grenzen unserer Erde. Dazu gehört ein Lieferkettengesetz mit bindenden Sorgfalts- und Rechenschaftspflichten für Konzerne, wie es derzeit auf EU-Ebene verhandelt wird.
  2. Eine wahrhaft demokratische und partizipative Wirtschaft und Demokratie, in der Wirtschaft nicht länger reiner Selbstzweck bleibt.
  3. Eine gemeinschaftliche Zukunft, in der die Grundbedürfnisse aller Menschen durch öffentliche Versorgung befriedigt sind.
  4. Eine neue Definition von “Arbeit”, die Sorgearbeit wertschätzt, Lohnarbeitszeit reduziert und soziale Sicherheit vom Wirtschaftswachstum entkoppelt.
  5. Kleinere, kollektiv geführte Unternehmen, die einem gemeinschaftlichen Zweck dienen, anstatt hierarchisch geführter transnationaler Großkonzerne, 
  6. Fairer, nachhaltiger und demokratischer Handel mit mehr lokalen und regionalen Wertschöpfungsketten, 
  7. Suffizienz, Fürsorge und Empathie, Gleichberechtigung und Inklusion und Autonomie als neue Grundwerte

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Degrowth als Lösung

Die Grundpfeiler einer Gesellschaft, die gutes Leben für alle innerhalb der planetaren Grenzen ermöglicht, sind physische und mentale Grundbedürfnisse. Dazu gehören Nahrung, Unterkunft, Teilhabe und Freiheit, nicht jedoch materieller Luxus und Überkonsum. Im Sinne der Degrowth-Bewegung (und der “7 Ideen für eine neue Wirtschaft”) können Wirtschaftssektoren, die Grundbedürfnisse erfüllen und dem Wohlergehen der Allgemeinheit dienen, stabil bleiben oder weiter wachsen. 

Zu diesen Zukunfts-Sektoren gehören zum Beispiel:

  • Die energetische Renovierung von Gebäuden
  • Erneuerbare Energien
  • Wiederverwendbare Verpackungen
  • Infrastruktur für das Radfahren
  • Aktivitäten der Teilhabe wie kommunale Theaterproduktionen 
  • Agrarökologische Lebensmittelnetzwerke

Degrowth Neue Wirtschaft

Sektoren, deren Aktivitäten umweltschädlich sind und die kaum oder keinen gesellschaftlichen Nutzen haben, sollen geordnet zurückentwickelt werden. Dazu gehören zum Beispiel der militärische Sektor, die Luft- und Raumfahrt, schnelllebige Mode und Einwegverpackungen.  

Unendliches Wachstum ist unmöglich

Lieferkettenprobleme, Verlagerung dreckiger Industrien in ferne Länder mit niedrigeren Umwelt- und Menschenrechtsstandards und weiter steigende Emissionen zeigen nur eines: Wachstum und Überleben auf globaler Ebene schließen einander aus. Unendliches Wirtschaftswachstum in einem System mit endlichen Ressourcen ist unmöglich. 
Viele Menschen merken, dass ein ‘Weiter wie bisher’ keine Zukunft hat. In dieser Zeit der Krisen, geprägt von Krieg, Erderhitzung, Knappheit und fossiler Inflation, ist ein wirklicher Paradigmenwechsel notwendig. Kosmetische Maßnahmen sind nichts weiter als die Installierung lebensverlängernder Maßnahmen. 

Gemeinsam können wir die Transformation zu einem sozial- und umweltgerechten Wirtschaftssystem einfordern und umsetzen. Die 7 Ideen zeigen, wie es geht. 

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