Mode & Lifestyle

Die Modeindustrie ist auf großen sozialen und ökologischen Missständen aufgebaut. Umweltzerstörung, Kinderarbeit und unmenschliche Arbeitsbedingungen sind der Preis für ein 3€ T-Shirt. Aber warum ist Fast Fashion so problematisch? Und welche Alternativen gibt es? Hier erfahren Sie, wie wir unseren Mode-Konsum ändern können - damit Mode nicht nur Freude macht, sondern auch nachhaltig, fair und ökologisch ist.

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Produktion, Konsum, Müll: Die Modeindustrie ist ein Wirtschaftszweig der Superlative. Von wenigen Mega-Konzernen, wie H&M oder Inditex beherrscht, produziert dieser Markt weltweit jedes Jahr rund 80 Milliarden Kleidungsstücke. Jede:r Österreicher:in kauft jährlich ca. 60 davon. Rund die Hälfte davon werfen wir noch im selben Jahr weg. Um diese neue Kleidung jährlich herzustellen, werden (für Österreich berechnet) etwa 3,7 Millionen Tonnen CO2eq verbraucht.

Was bedeutet Fast Fashion?

Müllberg

Katie Rodriguez / Unsplash

Die Modeindustrie fußt auf großen sozialen und ökologischen Missständen. Einen gravierenden Anteil daran hat die Fast Fashionexternal link, opens in a new tab Industrie. Für günstige, kurzlebige und trendbasierte Mode sowie große Profite leiden Menschen und die Umwelt. Massenkonsum und Wegwerfgesellschaft werden weiter befeuert - Kleidung ist schnell und immer austauschbar. Aber zu welchem Preis?

Was bedeutet Fair Fashion?

Fair Fashionexternal link, opens in a new tab (auch: Slow Fashion, Green Fashion) setzt diesen Missständen einen nachhaltigen Zugang entgegen. Anbieter produzieren Stoffe und Kleidungsstücke unter fairen Arbeitsbedingungen und ökologischen Richtlinien. Arbeiter:innen werden gerecht entlohnt und die Herstellung zertifizierter Ware untersteht oft regelmäßigen Überprüfungenexternal link, opens in a new tab. So resultiert die Herstellung für Produzenten und Konsument:innen zwar in höheren Preisen, aber auch in einer gesunden Umwelt und qualitativ besseren Kleidungsstücken. 

Warum ist Fast Fashion so problematisch?

Die Fast Fashion Industrie bringt jedes Jahr etliche Kollektionenexternal link, opens in a new tab auf den Markt. Um schnell und günstig zu produzieren und Profite zu steigern, vernachlässigt die Branche eine nachhaltige Produktion. Das hat drastische Folgen.

Die Umweltauswirkungen der Modebranche sind enorm. Einige Beispiele:

Personen in einer Näh-Fabrik

Rio Lecatompessy / Unsplash

Damit Kleidungsstücke bei uns für wenige Euros verkauft werden können, arbeiten Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern unter untragbaren Bedingungen. Auch Kinderarbeit ist keine Seltenheit. Neben Gesundheitsrisiken für Ernte- und Textilarbeiter:innen sind Überstunden und mangelnde Arbeitsplatzsicherheit gang und gäbe. Bei der Ernte und bei der Arbeit in Fabriken kommen sie mit gefährlichen Chemikalien in Kontakt. Für ihre gefährliche und harte Arbeitexternal link, opens in a new tab erhalten sie Niedrigstlöhne.  

Es braucht ein strenges Lieferkettengesetz

Die Missstände werden auch durch undurchsichtige Lieferketten ermöglicht. Wer sind die Lieferant:innen? Wo, von wem und unter welchen Bedingungen wird mein T-Shirt hergestellt?

Unternehmen haften bisher nicht für die ökologischen und sozialen Missstände entlang ihrer Lieferkette. Damit Konzerne für diese Problematiken haften und Betroffene rechtlich gegen Missstände vorgehen können, braucht es ein starkes Lieferkettengesetz. So wird der Modekauf auch für Konsument:innen transparenter.  Denn die Konsument:innen haben zwar das (Nachfrage-)Ruder in der Hand, aber die großen Schritte für eine nachhaltigen (Mode-)Konsum müssen von der Industrie und Politik gesetzt werden. Die Verantwortung an jede:n Einzelne:n abzugeben, ist die falsche Lösung. 

Schamloses Greenwashing

Schaufenster eines Modegeschäfts mit der Aufschrift "we care about the future"

Markus Spiske / Unsplash

Viele Fast Fashion Konzerne arbeiten zudem schamlos mit Greenwashingexternal link, opens in a new tab, um ihre Mode als "recycelt, fair und nachhaltig” zu verkaufen. Die Realitätexternal link, opens in a new tab ist jedoch eine andere. Entlang der undurchsichtigen Lieferketten geschehen weiterhin unmenschliche Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörung. Deshalb sollten Sie beim Kleiderkauf generell - auch bei “nachhaltiger” Mode - auf Labelsexternal link, opens in a new tab und Zertifizierungen achten. Denn Greenwashing ist für Konsument:innen oft nicht eindeutig erkennbar und “grüne” Mode garantiert beim Kauf nicht immer eine “weiße Weste”. 

Welche Möglichkeiten gibt es, um Fast Fashion zu ersetzen?

Der wichtigste Treiber des Fast-Fashion-Teufelskreises sind die Produzenten und letztlich die Konsument:innen, die die Ware kaufen. Sie sind jedoch auch ein wichtiger Treiber für Veränderung. Was wäre also, wenn wir anders produzieren und konsumieren? Wie geht das und warum sollten wir das tun?

Fast Fashion Konsum langfristig zu vermeiden, ist schon jetzt auf vielseitige Arten möglich. Auf Fair Fashion setzen, Mode upcyclen, Second Hand Kleidung kaufen und Kleider tauschen oder leihen sind nur einige Optionen. 

Sorgsamer Umgang mit Kleidung

Die logische Lösung gegen Massenkonsum und Wegwerfgesellschaft: weniger und bewusster konsumieren und sorgsam mit den eigenen Besitztümern umgehen. Am nachhaltigsten ist es, die Kleidung zu tragen, die schon in Ihrem Schrank hängt. Durchschnittlich besitzt jede:r Österreicher:in 156 Gewandstücke. Wenn wir achtsam mit diesen umgehen, braucht es meist gar nichts Neues. Zusätzlich können Sie in Anlehnung an den Gedanken der Kreislaufwirtschaftexternal link, opens in a new tab folgende Punkte beachten:

  • Refuse: Ich besitze schon genug
  • Rethink: Brauche ich das neue Kleidungsstück wirklich?
  • Reuse: Ich trage das, was ich schon besitze regelmäßig und entdecke Kleidungsstücke wieder, die schon lange in meinem Schrank hängen
  • Repair: kleine Risse kann ich oft einfach selbst reparieren; mein Lieblings-Gewand, das nicht mehr passt, lasse ich z.B. in Nähereien umnähen
  • Repurpose: ein altes T-Shirt eignet sich z.B. wunderbar als Putztuch; ich schenke meinem Gewand durch Upcycling ein neues Leben 

Ebenso lohnt es sich, auf zeitlose und qualitative Stücke zu setzen, anstatt jeden Trend zu verfolgen. So tragen wir unser Gewand regelmäßig, gerne und für eine lange Zeit. Und kommt nicht jeder Trend einmal wieder?

Kleider tauschen

Kleidertauschparty

GLOBAL 2000 / Christopher Glanzl

Ob mit Freund:innen, Kolleg:innen, Familie, Bekannten oder Unbekannten – Kleider tauschen ist eine willkommene Alternative zum Kleiderkauf. Was bei den Einen im Schrank verstaubt, bereitet den Anderen Freude. So ersetzen Sie unkompliziert nicht mehr getragene Kleidung und sorgen für Abwechslung im Kleiderschrank. Diese Möglichkeit bietet sich gerade dann an, wenn etwas nicht mehr gefällt, nicht passt oder wenn das Geld für neue Kleidung fehlt. Sogenannte Kleidertausch-Partys bieten nicht nur eine große Auswahl, sondern auch eine nette gemeinsame Freizeitaktivität.

Kleider leihen

Auch das Leihen oder Mieten external link, opens in a new tabvon Kleidung etabliert sich zunehmend als ernstzunehmende Kauf-Alternative. Bestimmte (Online-)Shops geben Kleidungsstücke für einen Kostenbeitrag oder ein Abo (z.B. einmalig, wöchentlich, monatlich) ab. Der/die Leihende wählt und bestellt seine Wunsch-Stücke, trägt das Gewand und schickt es nach einer gewissen Zeit wieder zurück. Wäsche und Reinigung der Kleidung werden oft kostenfrei vom Anbieter übernommen. So tragen Sie regelmäßig neue und vielfältige Kleidungsstücke, ohne den Fast Fashion-Markt zu unterstützen.

Diese Option bietet sich besonders für diejenigen an, die gerne etwas ausprobieren wollen. Viele Verleiher setzen sogar auf ein umfangreiches Fair Fashion Sortiment und achten auf einen möglichst nachhaltigen Versand. 

Second Hand Kleidung

Ihr Kind ist wieder um eine Kleidergröße gewachsen? Sie wollen kein Vermögen für einen neuen Anzug oder ein neues Kleid ausgeben? Second Hand Einkäufe (und Verkäufe) sind ein altbekannter und sinnvoller Ersatz für Fast Fashion Konsum. Nicht mehr getragene, zu große oder zu kleine Kleidung bekommt auf nachhaltige Weise neue Besitzer:innen und ein neues Leben. Obwohl es mittlerweile zahlreiche Online-Plattformen (z.B. widado, sellpy, willhaben, vinted, usw.) gibt, können Sie dabei vorrangig lokale Geschäfte unterstützen. Hier finden Sie unseren praktischen Second Hand Guide für Wien. 

Faire/Nachhaltige Mode kaufen

Der Umstieg auf faire und nachhaltige Mode ist ein notwendiger Schlüssel, um die Fast-Fashion-Dominanz zu durchbrechen und die großen Konzerne zum Umdenken zu bewegen. Hier finden Sie öko-faire Wiener Gewand-Geschäfte.

Statt 3€ für ein T-Shirt zu bezahlen, kosten die fairen und nachhaltigen Alternativen zwangsläufig mehr. So ist Fair-Fashion – geschweige denn eine Umstellung des gesamten Kleiderschranks – für viele nicht leistbar. Bestenfalls schätzen wir daher zuallererst die Kleidung, die schon in unserem Schrank hängt. Neue (faire) Kleidung zu kaufen, ist erst der zweite Schritt. 

Upcycling

Beim Upcycling werden ungenutzte und alte Materialien wiederverwertet und gleichzeitig aufgewertet. Statt sie zu entsorgen, bekommen sie ein neues Leben. Mit Do-It-Yourself-Projekten werden so auch wertvolle Ressourcen geschont und vor dem Müll bewahrt. Für das eigentliche Upcycling braucht es nur ein wenig Kreativität, handwerkliches Geschick und Zeit. So werden aus Schürzen praktische Taschen, aus Tetrapaks kleine Geldbörsen und aus alten Kleidungsstücken neue Lieblingsteile.