Klimakrise ist das Symptom, Überkonsum ist die Krankheit

Was sind die wahren Ursachen der Krise? Was können wir tun, um die Krankheit Überkonsum zu behandeln? 

1. Die Krankheit 

Die auf Wachstum basierende Wirtschaft in Österreich und in der Europäischen Union führt zu einer Erschöpfung der endlichen Ressourcen der Erde. Dies führt zu einem doppelten Burnout von Mensch und Planet.

  • Das derzeitige System extrahiert, produziert, verbraucht und verschwendet mehr als je zuvor. Viel schneller, als sich die Ressourcen der Erde und die Natur regenerieren können.  
  • Dabei geht es nicht nur um individuellen Konsum wie Kleidung und Telefone, sondern um die gesamte Gesellschaft: Infrastruktur für Verkehr, Gebäude, Energiesysteme, Versorgungsketten, Militär und vieles mehr.
  • Die Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen, Brennstoffen und Nahrungsmitteln macht etwa die Hälfte der gesamten Klimaemissionen aus. Sie sind für mehr als 90 % des Verlusts an biologischer Vielfalt und den Mangel an sauberem Wasser verantwortlich.
  • Der Verbrauch ist nicht gerecht verteilt. Auf die 1,2 Milliarden ärmsten Menschen entfällt nur 1 % des weltweiten Verbrauchs, auf die eine Milliarde reichsten Menschen dagegen 72 %.
  •  
 
 

 

 

 

 

 

 

 

  • Der materielle Fußabdruck Europas ergibt sich aus der Gesamtmenge der verbrauchten fossilen Brennstoffe, Biomasse, Metalle und Mineralien, einschließlich der Importe. Dieser ist doppelt so hoch wie ein nachhaltiges Niveau. Der Tag, an dem wir die Menge natürlicher Ressourcen verbraucht haben, die unser Planet im gesamten Jahr regenerieren kann, wird als Welterschöpfungstag bezeichnet. In Österreich liegt dieser schon Anfang  April. Unsere Lebensweise verbraucht damit die Ressourcen von mehr als drei Erden – würden alle Menschen so leben wie wir.
  • Die Menschen und Nationen, die am wenigsten verbrauchen, zahlen den höchsten Preis, darunter Frauen, indigene Völker und andere Randgruppen. Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen beklagen 90% der durch Luftverschmutzung verursachten Todesfälle.  Diese sind wiederum auf industrielle Aktivitäten zurückzuführen, die den übermäßigen Konsum der westlichen Welt fördern. 
  • Und zu allem Überfluss macht ein solcher Überkonsum die Menschen nicht glücklicher

2. Das falsche Medikament

Die Entscheidungsträger:innen in Österreich und in der Europäischen Union versuchen, die durch den Überkonsum verursachten Probleme mit noch mehr Materialien und Ressourcen zu lösen.

  • Die Rhetorik von Politik und Industrie über die "Ökologisierung der Wirtschaft" und eine "Kreislaufwirtschaft" nimmt zu insbesondere im Rahmen des viel gepriesenen europäischen Green Deal. Doch der übermäßige Verbrauch und die daraus resultierenden Schäden für Mensch und Umwelt bleiben unangetastet. 
  • Wenn wir diesen Ressourcenhunger beibehalten, sind wir auf dem besten Weg, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen durch eine Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen zu ersetzen. Batterien für Elektrofahrzeuge und Energiespeicher würden bedeuten, dass die EU bis 2050 fast 60 Mal mehr Lithium und 15 Mal mehr Kobalt benötigt. 
  • Die EU behauptet, sie habe ihre Kohlenstoffemissionen reduziert. Würden wir jedoch die in den Importen enthaltenen Emissionen mit zählen, gäbe es keine Gesamtreduktion. 
  • Gleichzeitig gibt die Werbeindustrie in der EU jedes Jahr mehr als 100 Milliarden Euro aus, um neue Bedürfnisse für Dinge zu wecken, die die Menschen nicht brauchen. 

 

Als Umweltschutzorganisation setzen wir uns für ein grundlegendes Umdenken und die Herbeiführung eines ökologisch-nachhaltigen Systemwandels ein. Dafür sind wir auf Ihre regelmäßige Unterstützung angewiesen. Werden Sie jetzt Umweltpatin/Umweltpate.

3. Die Grundursache

Der übermäßige Konsum wird im Wesentlichen durch eine systemische Besessenheit vom Wachstum angeheizt. 

  • Unser derzeitiges Wirtschaftssystem strebt nach ständigem Wachstum und bricht ohne dieses zusammen. Es ernährt sich von endlosem Profit, Gewinnung, Produktion und Konsum, was zu mehr Emissionen, Abfall, Umweltzerstörung und Ungleichheit führt.

 

 

 

 

  • Unsere derzeitigen Volkswirtschaften über Wasser zu halten, ist eine schwere Aufgabe für unsere Erde, und sie wird jedes Jahr exponentiell schwerer. Das heutige BIP-Wachstum von 3 % entspricht der gesamten Weltwirtschaft von 1970. 
  • Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass wir nicht in der Lage sein werden, das Wirtschaftswachstum von den Umweltauswirkungen und dem Ressourcenverbrauch abzukoppeln. Wir brauchen einen grundlegenden Neustart der Wirtschaft und müssen uns von diesem Wachstumszwang verabschieden. 

4. Die Behandlung

Die Klimakrise und andere ökologische und soziale Krisen können nur bewältigt werden, indem der Überkonsum bekämpft wird. Dafür brauchen wir den Übergang zu einem neuen Wirtschaftsmodell, das nicht von einem kontinuierlichen Wirtschaftswachstum abhängig ist. Die Europäische Kommission muss Maßnahmen für systemische Lösungen vorantreiben, indem sie in ihr Arbeitsprogramm für 2023 Verpflichtungen aufnimmt:

  • Bewertung der Ressourcenmenge, die die EU innerhalb der planetarischen Grenzen nachhaltig und gerecht verbrauchen kann;
  • Festlegung eines verbindlichen Reduktionsziels für den materiellen Fußabdruck der EU und detaillierter Pläne zur Erreichung dieses Ziels. Dies hat das Europäische Parlament bereits in drei Berichten allein für das Jahr 2021 gefordert. 
  • Die Behandlung des übermäßigen Verbrauchs in der EU ist der einzige Weg nach vorn. Er wird jedoch nur dann zu Wohlstand für alle Menschen und den Planeten führen, wenn die EU ihr Wirtschaftssystem auf eine Postwachstumsökonomie umstellt.
  • Auch in Österreich ist die Bundesregierung gefordert, Maßnahmen gegen den Überkonsum durchzusetzen und absolute Reduktionsziele für den Ressourcenverbrauch einzuführen. 

 

 

---- Diese Website basiert auf der englischen Version "overconsumption" von Friends of the Earth Europe, dem European Environmental Bureau und dem European Youth Forum. --