Publikation, 19.01.2021

Fleischatlas 2021

In dieser Publikation finden Sie Daten und Fakten zum Fleischkomsum in Österreich und der EU.

Es schien wie ein Weckruf, als im Sommer 2020 Covid-19 in Deutschlands größtem Schlachthof ausbrach: Die erste Welle der Pandemie verklang gerade, da meldeten die Gesundheitsämter mehr als 1.500 infizierte Arbeiterinnen und Arbeiter in dem Mega-Schlachtbetrieb von Tönnies. Dort, wo am Tag knapp 30.000 Schweine geschlachtet werden, musste wegen der Pandemie alles stillgelegt werden. Infiziert waren vor allem Arbeiterinnen und Arbeiter aus dem Ausland, die für wenig Geld in der Fabrik arbeiten und unter prekären Bedingungen wohnen. In Österreich ist die Situation nicht viel besser:

Cover Fleischatlas 2021

Die Corona-Ausbrüche in oberösterreichischen Schlachthöfen im Juni zeigten einmal mehr, dass das System der industriellen Fleischproduktion an allen Ecken und Enden kracht. Es ist fast immer von extrem prekären und/oder gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen geprägt. Es basiert auf Ausbeutung – nicht nur von Menschen, sondern auch von Tieren und der Natur. Für uns ist es kaum nachvollziehbar, wie wenig sich ändert – trotz der seit nun fast zehn Jahren anhaltenden öffentlichen Kritik und der vielen Skandale.

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Jugend lehnt heutige Fleischindustrie ab

Eine repräsentative Umfrage unter Menschen zwischen 16 und 29 Jahren ergab, dass mehr als zwei Drittel die heutige Fleischindustrie ablehnen. Sie sehen in der Fleischproduktion eine Bedrohung für das Klima und ernähren sich doppelt so oft vegetarisch und vegan wie der Durchschnitt der gesamten Bevölkerung. Und sie sehen Handlungsbedarf beim Staat: Er soll Konsumentinnen und Konsumenten darin unterstützen, sich klimafreundlich zu ernähren. Das sind interessante Ergebnisse, denn im Gegensatz dazu proklamieren viele Politikerinnen und Politiker, dass Ernährung eine persönliche Entscheidung sei – und der Staat nichts gegen den Konsum von billigem Fleisch unternehmen könne. Doch das ist falsch. So wie die Produktionsbedingungen kann der Staat auch den Konsum beeinflussen. Ernährung ist zwar individuell. Doch Gesetze und Regeln können unsere Konsumentscheidungen zugunsten von Nachhaltigkeit und Gesundheit steuern. Instrumente dafür gibt es zahlreiche. Vor allem aber bedarf es eines entschiedenen politischen Willens zur Veränderung. Doch die Regierungen wollen von einer „Fleischwende“ trotz der sichtbaren Probleme offenbar nichts wissen. Ohne Kurswechsel wächst die Fleischproduktion bis zum Jahr 2029 noch einmal um 40 Millionen Tonnen auf dann mehr als 360 Millionen Tonnen Fleisch pro Jahr. Die Folgen kann man sich kaum vorstellen, weil bereits jetzt die ökologischen Grenzen unseres Planeten überschritten werden und die Klima- und Biodiversitätskrise für viele Menschen weltweit dramatische Auswirkungen hat.

Fakten über Fleisch und die Welt

  • Die globale Fleischproduktion wächst. Doch Klima und Biodiversität können nur geschützt werden, wenn die Industrieländer ihren Fleischkonsum halbieren.
  • Je mehr Wälder für Futtermittel gerodet werden, desto mehr schrumpfen die Lebensräume der Wildtiere. Der Kontakt zwischen Menschen und Tieren wird enger – das begünstigt die Übertragung von Viren und die Entstehung neuer Pandemien.
  • Der Strukturwandel in der Landwirtschaft geht weiter. Wenige Betriebe – die ihre Tiere unter industriellen Bedingungen halten – wachsen noch.
  • Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung führt zu immer mehr resistenten Keimen. Dies bedroht die Wirksamkeit von Antibiotika, einem der wichtigsten Mittel der Humanmedizin.
  • Die führenden Anbauländer von Futtermitteln gehören zu den größten Anwendern von Pestiziden – zum Schaden von Grundwasser und Biodiversität.
  • Die fünf größten Fleisch- und Milchkonzerne emittieren genauso viele klimaschädliche Gase wie Exxon, der größte Ölmulti der Welt.
  • Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Emissionen stammen in Österreich aus der Nutztierhaltung. Der Anbau von Futtermitteln im In- und Ausland verschlingt enorme Landflächen.
  • Die konventionelle, intensive Schweinehaltung in Österreich ist in der Fleischindustrie mit Massenproduktion und Preisdruck begründet.
  • Junge Menschen ernähren sich doppelt so häufig vegetarisch und vegan wie der Durchschnitt der Bevölkerung.
  • Der Markt für Fleischersatzprodukte wächst schnell. Ein großer Teil der jungen Konsumentinnen und Konsumenten findet, dass sie gut schmecken.
  • Trotz der globalen Auswirkungen hat kein Land der Welt eine Strategie zur Senkung des Fleischkonsums. Dabei können Regierungen durch Gesetze und finanzielle Anreize wichtige Beiträge dazu leisten.

Infografik aus dem Fleischatlas 2021
CC-BY 4.0 Bartz / Stockmar

Dieser Atlas soll all diejenigen in ihrer Arbeit und ihrem Engagement unterstützen, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzen. Er beleuchtet die Probleme, die aus der industriellen Fleischproduktion entstehen, und liefert neue Daten und Fakten zu Themen, die wir auch zuvor schon aufgegriffen haben. Auch wenn es noch an positiven Trends mangelt – es wird deutlich, dass viele Menschen, die die Machenschaften der Fleischindustrie nicht mehr hinnehmen wollen, sich zunehmend für Klima, Nachhaltigkeit, Tierwohl und Ernährung interessieren und einsetzen.  Mit diesem Atlas möchten wir dieses Engagement mit Informationen stärken.

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