Gerberei in Bangladesch (c) gmb Akash

Für die Herstellung von beispielsweise Lederschuhen, müssen die Tierhäute erst in einer Gerberei für die Weiterverarbeitung vorbereitet werden. Daher gibt es in Ländern mit großen Textilindustriefabriken oft viele Gerbereibetriebe. Doch wo liegt hier das Problem? Beim Gerben wird eine Vielzahl an verschiedenen Chemikaliten eingesetzt, darunter auch Chrome, dass die Umwelt rund um die Gerbereien schädigt.

Gerben ist ein giftiges Geschäft

Weltweit leiden viele Menschen unter Giften, die ihre Ursprünge in der Lederindustrie haben. ArbeiterInnen der Schuhindustrie werden krank, die Umwelt ist verseucht und lokale Gemeinden, die in der Nähe von Gerbereien angesiedelt sind, ernähren sich von giftigem Wasser und giftigen Nahrungsmitteln, welche durch verschmutzte Böden und Flüsse in die Nahrungsmittelkette gelangen. Selbst die KonsumentInnen der Lederschuhe können von Restbeständen giftiger Stoffe, wie dem hexavagenten Chrom (Chrom VI) betroffen sein, welches beispielsweise Kontakt-Dermatitis hervorrufen kann.

Unter den Top 10

Die Vergiftung der Umwelt durch Chrom im Umfeld von Gerbereien ist bekannt und wurden vom Blacksmith Institute unter den ersten zehn Problemen weltweiter Umweltverschmutzung eingeordnet. Dem Blacksmiths´s-Umweltgiftbericht zufolge befinden sich die meisten Gerbereien in Asien und Südamerika. In deren Umfeld sind etwa 1,8 Millionen Menschen unmittelbar der Vergiftung durch Chrom ausgesetzt. Allein in der Region Hazaribagh in Bangladesch fallen jährlich 7,7 Millionen Liter Schmutzwasser und 88 Millionen Tonnen Restmüll aus über 200 Gerbereibetrieben an. Chrom gelangt so direkt in den Boden und ins Grundwasser.

Chrom ist nicht gleich Chrom

Chromate haben abhängig von der Oxidation des Chroms unterschiedlich Auswirkungen auf die Umwelt und Lebewesen. Relevant sind hier zwei stabile Formen von Chrom: Trivalentes Chrom (Chrom III), das natürlich vorkommt, und hexavalentes Chrom (Chrom VI). Hexavalentes Chrom ist eine hochgiftige Allergie auslösende, erbgutschädigende und krebserregende Substanz für Mensch und Tier. Das Chrom (VI)-Ion durchdringt die Haut leichter als Chrom III und ebenso die Zellmembran. Vergiftungserscheinungen sind Entzündungen der Schleimhaut, Geschwüre und Ekzeme sowie Allergien.

Sparen auf Kosten der Umwelt

Hexavalentes Chrom (Chrom VI) in toxisch relevanten Mengen kann also in den Abwässern und in den Feststoffabfällen der Gerbereien nachgewiesen werden. Da beim Gerben eine Vielzahl von verschiedenen Chemikalien eingesetzt wird, sind die Abwässer dieser Industrie oftmals auch mit weiteren Schadstoffen belastet. Dazu zählen: Kobalt, Kupfer, Azodyen, Kadmiumkompenenten, Antimone, Barium, Blei, Selenium, Quecksilber, Zink, Arsen, polychlorierte Biphenyle (PCB), Nickel, Formaldehydharze und Pestizidreste. In vielen Ländern sind Gerbereistandorte dicht beisammen und belasten die Umwelt enorm. Denn aufgrund von Preisdruck und hoher Kosten zur Behandlung von Abwasser werden teilweise Gesetze umgangen und Abfälle sowie Abwässer unsachgemäß entsort.