Bisphenol A

Bisphenol A (BPA) ist eine hormonell wirksame Chemikalie. BPA ähnelt in der Wirkung dem weiblichen Hormon Östrogen und beeinflusst das Hormonsystem von Menschen und Tieren.

BPA ist allgegenwärtig

Bisphenol A gelangt bei der Produktion in die Umwelt und wird vor allem ständig aus Kunststoff-Gebrauchsartikeln freigesetzt. Es wurde in der Luft, in Staub, in Oberflächengewässern und auch im Meerwasser nachgewiesen. Selbst in frischem Treibhausobst und in Trinkwasser aus Kunststofftanks konnte BPA gefunden werden.

Jeder Mensch hat Plastik im Blut

Obwohl Bisphenol A nicht natürlich vorkommt, ist diese Chemikalie fast überall nachzuweisen, auch im menschlichen Körper: im Urin, Blut, Fruchtwasser, Follikelflüssigkeit, Gebärmuttergewebe und im Blut der Nabelschnur. Eine repräsentative Studie (über 2.500 TeilnehmerInnen) wies für 92,6 % der US-Bevölkerung BPA im Urin nach. Die Konzentrationen reichen dabei von 0,4 bis 149 Mikrogramm pro Liter (μg/l) (Calafat et al 2007).

Woher kommt Bisphenol A?

Seit 1953 wird Bisphenol A zur Herstellung des Kunststoffs Polycarbonat eingesetzt. Bisphenol A ist heute eine der meistproduzierten Industriechemikalien. 1,15 Million Tonnen im Jahr verbrauchen davon alleine Betriebe in Europa. Die Verwendung von BPA steigt in der EU jährlich um acht Prozent. Für die Polycarbonaterzeugung werden etwa 65 Prozent der weltweiten Produktion von Bisphenol A verwendet. Weitere 30 Prozent gehen in die Herstellung von Epoxidharzen (Lacke, Beschichtungen, Kleber).

Woran erkenne ich, ob ein Kunststoff Bisphenol A enthält?

Polycarbonat ist ein klarer, relativ stabiler und bruchfester Kunststoff, der bis 145°C temperaturbeständig und gegenüber vielen Säuren und Ölen widerstandsfähig ist. Viele (transparente) Haushaltsgeräteteile, Schüsseln für Lebensmittel, hitzebeständige Flaschen wie Babyflaschen und mikrowellengeeignete Kunststoffprodukte sowie CD-Hüllen und Lebensmittelverpackungen bestehen aus Polycarbonat. Auf dem Gegenstand oder der Verpackung kann die Abkürzung "PC" für Polycarbonat eingeprägt oder aufgedruckt sein. Der Aufdruck ist aber keine Pflicht: Bisphenol A muss nicht gekennzeichnet werden. Die Ziffer 7 als Recyclingcode (Bezeichnung für „andere“ als die mit den Ziffern von 1 bis 6 angegebenen Kunststoffe) gibt einen Hinweis, dass auch Polycarbonat im Produkt enthalten sein kann.
Bisphenol A ist ebenfalls der Ausgangsstoff für Epoxidharze, die unter anderem in Klebern, Oberflächenbeschichtungen, Nagellack, Innenbschichtungen von Getränke- und Konservendosen eingesetzt werden.

Darüber hinaus wird ein weiterer, kleinerer Teil der BPA-Produktion für Flammschutzmittel, ungesättigte Polyesterharze, Polyacrylate, Polyetherimide und Polysulphonharze sowie andere Anwendungen wie Bremsflüssigkeiten, als Hilfsmittel für den Pestizideinsatz und als Entwickler auf Thermopapier verwendet.

Ist in PET-Flaschen Bisphenol A enthalten?

Forscher der Universität Frankfurt haben in einer Studie (März 2009) auch in Mineralwasser, das in PET-Flaschen abgefüllt war, hormonell wirksame Substanzen wie Bisphenol A nachgewiesen. Es lassen sich daraus aber keine Rückschlüsse auf die PET-Flaschen als Verursacher ziehen. Man geht davon aus, dass Bisphenol A und andere Chemikalien bereits vorher (durch andere Kunststoffbehälter) ins Wasser gelangen. Das Deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung kommt zu dem Schluss: In PET-Flaschen ist kein Bisphenol A enthalten. Der Ursache des Eintrags östrogenartiger Substanzen solle allerdings nachgegangen werden.

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