Baby mit Mutter

Wie wirkt Bisphenol A auf unseren Körper?

BPA ist der bekannteste und meist untersuchte Vertreter unter den hormonellen Schadstoffen (EDC). Gesundheitliche Störungen die mit BPA in Verbindung gebracht werden sind:

  • Fehlbildungen der Geschlechtsorgane
  • Unfruchtbarkeit
  • Lernstörungen bei Kindern
  • hormonell bedingte Krebsarten wie Hoden-, Prostata- oder Brustkrebs

Neuere Studien sehen BPA auch als Mitverursacher von:

  • Diabetes Typ 2
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Übergewicht

Paare mit Kinderwunsch sind heutzutage immer öfter mit Problemen in Zusammenhang mit ihrer reproduktiven Gesundheit und Fortpflanzungsfähigkeit konfrontiert. Der Anstieg der Unfruchtbarkeit wird in Zusammenhang mit verschiedensten Umweltbedingungen gebracht. Für WissenschaftlerInnen als besonders besorgniserregend gelten hier die steigende Konzentration an synthetischen Chemikalien wie BPA in unserer Nahrung, unserem Trinkwasser und unserer Luft.

Auswirkungen von BPA auf den Mann

Verschiedene Studien zeigen, wie sich BPA auf die Fruchtbarkeit männlicher Säugetiere und Menschen auswirken kann. Ein Versuch an trächtigen Ratten ergab bei bereits kleinsten über die Nahrung verabreichten Dosen von BPA negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Hoden des männlichen Nachwuchses. Eine ForscherInnengruppe aus Michigan kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Eine Studie an chinesischen Fabrikarbeitern, die der gefährlichen Chemikalie bei ihrer Arbeit ausgesetzt waren, kam zu dem Ergebnis, dass diese Arbeiter eher an sexueller Lustlosigkeit, Erektions- und Ejakulationsproblemen litten. Darüber hinaus waren sie generell unzufriedener mit ihrem Sexualleben.

Auswirkungen von BPA auf die Frau

Auch bei Frauen zeigen die Studien einen Zusammenhang zwischen BPA und Unfruchtbarkeit. BPA kann den Hormonhaushalt gravierend stören und zu Erkrankungen der Eierstöcke führen. So besteht ein Zusammenhang zwischen BPA und dem polyzistischen Ovariensyndrom (PCOS). Schätzungsweise 5-10 % der weiblichen Bevölkerung im zeugungsfähigen Alter leiden an PCOS, das durch Störungen im Hormonhaushalt verursacht wird und als Hauptverursacher weiblicher Unfruchtbarkeit gilt. BPA stört die Reifung der Eizellen und kann auch den Verlauf einer Schwangerschaft beeinträchtigen. Wiederholte Fehlgeburten werden ebenfalls mit erhöhten BPA-Gehalten im Blutserum in Verbindung gebracht.

Welche Mengen von BPA sind schädlich?

Die niederländischen Gesundheitsbehörde (RIVM) hat im Februar 2016 festgestellt, dass BPA schon in sehr geringen Dosierungen das Immunsystem von Ungeborenen im Mutterleib und von Kleinkindern angreifen kann. Die Betroffenen seien deshalb später anfälliger für Lebensmittelallergien und Infektionskrankheiten.

Für hormonelle Schadstoffe, die ja bereits in sehr geringen Konzentrationen wirken können, lassen sich nach Stand der Wissenschaft keine sicheren Grenzwerte festlegen. Daher sollte es Anlass zur Sorge geben, dass in den Industrieländern BPA im Blut und im Urin von über 90 Prozent der Bevölkerung nachweisbar ist.

Der Niedrigdosiseffekt

2009 behauptete die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) noch, dass BPA bis zu einer Menge von 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gänzlich unbedenklich sei. Doch schon damals war bekannt, dass BPA eine hormonell wirksame Chemikalie ist. Bei solchen Chemikalien können – so paradox das klingen mag – unter bestimmten Voraussetzungen niedrige Dosen größeren Schaden anrichten als höhere. 

Zahlreiche unabhängige WissenschaftlerInnen, darunter auch jene des deutschen Umweltbundesamts, bestätigten diese Einschätzungen und warnten davor, dass Niedrigdosiseffekte möglicherweise bereits bei Konzentrationen, die um Zehnerpotenzen niedriger sind als jene von der EFSA als sicher angesehenen, die menschliche Gesundheit schädigen könnten. Mehrere nationale Gesundheitsbehörden in der EU zweifelten ebenfalls an der Bewertung der EFSA. Frankreich etwa setzte 2015 ein generelles BPA-Verbot für Lebensmittelkontaktmaterialien um.

Schließlich senkte die EFSA die duldbare tägliche Aufnahmemenge von BPA von 50 auf 4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht herab. Wir sind allerdings der Ansicht, dass BPA in Lebensmitteln überhaupt nichts verloren hat.

BPA ist eine Massenchemikalie

Bisphenol A ist Grundstoff für das Hartplastik Polycarbonat (PC), aus dem Trinkflaschen, mikrowellenfeste Kunststoffboxen, Brotdosen und andere Lebensmittelbehältnisse hergestellt werden. Und auch Epoxidharze, die zur Innenbeschichtung von Konserven und Getränkedosen sowie zur Sanierung maroder Wasserleitungen dienen, enthalten BPA. Bei Kassenbons und anderen Thermopapieren fungiert BPA als Entwicklersubstanz. Beim Erhitzen in Kassen- oder Ticketautomaten wird nur ein Teil dieser Chemikalien verbraucht, der Rest verbleibt in ungebundener Form auf der Papieroberfläche. Kassenbons landen häufig im Papierrecycling. In der Folge enthalten aus Recyclingpapier hergestellte Pizzakartons dann ebenfalls BPA. Die EFSA gibt zu, dass der Mensch BPA vor allem über die Nahrung aufnimmt. Der Grund, warum BPA noch immer in großem Stil eingesetzt wird, obwohl dessen Gesundheitsschädlichkeit hundertfach bewiesen wurde ist, dass der Einsatz von BPA ein lukratives Geschäft ist. Und eben darum wird alles getan, um es auf dem Markt zuhalten, statt es durch sichere Alternativen zu ersetzen.

"Besonders besorgniserregender Stoff"

Am 4. Februar 2016 hat der REACH-Ausschuss für eine Einstufung von Bisphenol A als reproduktionstoxisch der Kategorie 1B gestimmt. Wie auch krebserregende oder erbgutverändernde Stoffe der Kategorie 1, könnte BPA somit nach Artikel 57(a) der EU-Chemikalienverordnung REACH in die Kandidatenliste für besonders besorgniser­regenden Stoffe aufgenommen werden. Nun muss das EU-Parlament den Regulierungsentwurf prüfen, bevor er von der Kommission umgesetzt und im offiziellen Amtsblatt veröffentlicht werden kann. Die neue Regelung würde 20 Tage nach Veröffentlichung formal in Kraft treten, käme aber erst nach einer Übergangszeit von 18 Monaten zur Anwendung.

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