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Atomenergienutzung

In den Niederlanden läuft noch einer von ehemals zwei Atomreaktoren. Dieser lieferte 2016 3,39 Prozent der Stromproduktion des Landes.

Atompolitische Debatte

In den Niederlanden war die Debatte von einer weitgehenden Ablehnung der Atomenergienutzung geprägt. So sprachen sich in einer Umfrage im Jahr 2004 80 Prozent der NiederländerInnen gegen die Atomkraft aus. Schon 1994 wurden Subventionen für die Atomforschung gestrichen, 1996 beschloss das niederländische Parlament mit knapper Mehrheit den Ausstieg. 1997 ging das AKW Dodewaard vom Netz. Die für 2004 geplante Abschaltung des zweiten Standorts hingegen wurde durch eine erfolgreiche Klage verhindert: ein skurriler Gerichtsbeschluss garantiert seither die volle Lizenzlaufzeit. Da eine Laufzeitbegrenzung allerdings gar nicht besteht, peilte ein Regierungsbeschluss die Abschaltung im Jahr 2013 an. Aber auch dessen rechtliche Bindung ist unklar.

Im Februar 2006 vollzog die niederländische Regierung eine drastische Kehrtwende: nicht nur will die Regierung das letzte Atomkraftwerk der Niederlande in Borssele plötzlich nicht mehr schließen, sondern spricht sich dafür aus das Atomkraftwerk in Borssele nicht wie vorgesehen im Jahr 2013 zu schließen und bis 2033/2034 zu nutzen. Damit einher ging der Beschluss, dass Essent und Delta, die beiden Eigentümer, zusammen mit der Regierung € 500 Millionen in erneuerbare Energien investieren sollen. Dieser Geldbetrag sollte ursprünglich den Besitzern des AKW als Schadenersatz gezahlt werden.

Ein möglicher neuer Reaktor muss nach Rechtslage ein sogenannter Generation III Reaktor sein, also ein Reaktor der neuesten Generation. Bevor ein neuer Reaktor in Betrieb geht, und nicht später als 2016, muss eine Entscheidung über die Abfallstrategie für hochradioaktiven Abfall gefällt werden. Im März 2008 empfahl der Sozial- und Wirtschaftsausschuss der niederländischen Regierung in zwei Jahren und im Zusammenhang mit der Überarbeitung der Klimastrategie über den Ausbau der Atomkraft zu diskutieren und zu entscheiden. Im September 2008 kündigte der Energiekonzern Delta, der 50% am AKW Borssele hält, den Bau eines zweiten Reaktors am Standort Borssele an (1000-1600 MW). Im Januar kaufte sich der deutsche Energieriese RWE beim niederländischen Konzern Essent für € 8.2 Milliarden ein und kündigte ebenfalls an einen neuen Reaktor bauen zu wollen. Allerdings gibt es kartellrechtliche Bedenken gegen den Eigentümer RWE, daher ist die weitere Entwicklung derzeit nicht absehbar.

Auf politischer Ebene weiterhin antinuklear eingestellt sind die linken Parteien (Sozialdemokraten und Sozialisten) sowie die Grünen und die Tierschutzpartei. Auf der Seite der Atombefürworter finden sich die konservativen Parteien. Eine ganze Reihe von Anti-Atom-Organisationen rüstet sich für die kommende Auseinandersetzung um Laufzeitverlängerung und Neubau, darunter Friends of the Earth Netherlands, Greenpeace, Natuur en Milieu, WISE und LAKA, unterstützt von wissenschaftlicher Seite durch das Clean Energy Centre in Delft und auch Medien wie das populäre Programme Vroege Vogels (Early Birds).

Urananreicherung

Die Urenco Gruppe mit Hauptsitz in den Niederlanden beschäftigt sich mit der Urananreicherung und der Produktion von Urananreicherungsanlagen. Am Standort Almelo in den Niederlanden betreibt Urenco Urananreicherung und produziert Zentrifugenanlagen zur Urananreicherung. 2007 geriet die Firma öffentlich in die Kritik, da ein Beitrag der ZDF-Sendung Frontal21 berichtete, dass das Unternehmen abgereichertes UF6 nach Russland zur Wiederaufbereitung bringe, ohne sich um die dort vorherrschenden, mangelhaften Sicherheitszustände und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken für die russischen Arbeiter zu kümmern.

Anti-Atom-Proteste

Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre gab es eine starke Bewegung gegen die Nutzung der Atomenergie. Es gab Kampagnen gegen die Erweiterung der Uranium-Anreicherungsanlage Urenco in Almelo, Demonstrationen gegen das AKW Borssele und gegen den Transport von Atommüll. Viele Proteste richteten sich auch gegen das Versenken von radioaktivem Müll im Atlantik - eine Praxis, die erst 1982 verboten wurde. AtomgegnerInnen gelang es 1976 und 1987 den Bau von zwei Atommülllagern zu verhindern. Nach intensiven politischen Diskussionen über Energiepolitik wurden die Pläne neue AKW zu bauen, vor allem nach der Katastrophe von Tschernobyl, vorerst ad acta gelegt.

Atommüll

In den 70er Jahren entschieden sich die Niederlande für die Wiederaufbereitung der abgebrannten Brennstäbe vom AKW Dodewaard in Sellafield und vom AKW Borssele in La Hague. 1984 fiel die Entscheidung für ein Langzeitzwischenlager (100 Jahre) für den gesamten radioaktvien Abfall und die Untersuchung endgültiger Lösungen. Dies führte zur Gründung der zentralen Organisation für redioaktiven Müll (COVRA - Centrale organisatie voor radioactief afval) in Vlissingen. 1992 wurde dann ein Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall in Borssele geschaffen. 2001 kam eine Studie des Committee on Radioactive Waste Disposal (CORA) zum Schluss, dass eine geologische Tiefenlagerung an mehreren Stellen in den Niederlanden möglich ist. 2006 wurde festgelegt, dass eine endgültige Entscheidung bis 2016 erfolgen muss. Der zweite, kleinere Reaktor am Standort Dodewaard wurde 1997 stillgelegt und wird derzeit rückgebaut.

Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt 3,39 Prozent.

Standort Borssele

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor 482 MW 07/1973

Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre

Standort Dodewaard

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Siedewasserreaktor 57 MW

10/1968 - 03/1997

stillgelegt

Links
ECN/Niederlande
Friends of the Earth Netherlands
Greenpeace
Wise
LAKA Documentation and Research Center on Nuclear

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