Das EU-Moratorium für bienengefährliche Neonicotinoide und das Insektizid Fipronil zeigt Wirkung. Mit Blick auf die bevorstehende Entscheidung über Verlängerung oder Aufhebung dieser Bestimmung seitens der EU, untersuchten wir zwölf ausgewählte Bienenstandorte. Im Burgenland, in der Steiermark, in Ober- und Niederösterreich haben wir Bienenvölker auf ihre Belastung durch Pestizide sowie durch zehn der häufigsten Krankheitserreger getestet.

Das Ergebnis ist brisant

Während die verbotenen Neonicotinoide Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin sowie das Insektizid Fipronil in keinem der zwölf untersuchten Bienenstandorte nachweisbar waren, fanden wir in zwei Drittel der Bienenvölker das (noch) nicht verbotene Neonicotinoid Thiacloprid als Bestandteil eines bienengefährlichen Pestizidcocktails. Obwohl aktuelle Forschungen aus Deutschland zeigen, dass Thiacloprid bereits in umweltrelevanten Konzentrationen das Orientierungsvermögen und die Kommunikationsfähigkeit der Bienen beeinträchtigt, ist das Pestizid bislang von den EU-weiten Neonic-Verboten ausgenommen und wird von den Zulassungsbehörden sogar als „bienenverträgliches“ Insektizid der eingestuft. Begründet wird dies unter anderem dadurch, dass die akute Bienengiftigkeit des isolierten Wirkstoffs um rund drei Zehnerpotenzen niedriger ist, als jene der verbotenen Neonicotinoide.

Trifft nur auf isolierten Wirkstoff zu

Wenn Thiacloprid gleichzeitig mit anderen Pestizidwirkstoffen wie Piperonylbutoxid oder Propiconazol auf Bienen einwirkt, steigert das laut einer wissenschaftlichen Studie aus dem Jahr 2004 seine Bienengiftigkeit um das 154- bzw. das 559-fache. Daher ist die Tatsache, dass in acht der zwölf untersuchten Bienenstandorte genau solch explosive Pestizidmischungen aus Thiacloprid und Piperonylbutoxid bzw. Tebuconazol vorgefunden wurden, äußerst besorgniserregend.

Neben der Belastung durch Pestizide waren an allen untersuchten Bienenstandorten Viren und Bienenparasiten nachweisbar. Auf ein Bienenvolk kamen durchschnittlich zwei bis drei Krankheitserreger. Die Studie zeigt einmal mehr, dass die Bienenvölker einem hohen Infektionsdruck durch verschiedene Krankheitserreger ausgesetzt sind und eine funktionierende Immunabwehr bei Honigbienen daher besonders wichtig ist.

Imker und Studienteilnehmer Roland Netter stellt klar, dass Stressfaktoren wie Klimawandel, fehlende Blütenvielfalt, aber auch Pestizide die Biene schwächen. Ebenso verlieren sie die Fähigkeit, ohne chemische Keule mit Parasiten und Viren zurecht zu kommen. Die Freude darüber, dass die drei verbotenen Neonicotinoide nach Jahren endlich aus vielen Bienen verschwunden sind, wird durch den nun festgetellten Pestizidmix jedoch deutlich getrübt.

Industrie widerspricht

Die Anwendung von Imidacloprid, Thiamethoxam, Clothianidin und Fipronil wurde 2013 von der EU-Kommission aufgrund nicht akzeptabler Risiken für Bienen weitgehend eingeschränkt bzw. verboten. Die Pestizidhersteller Bayer, Syngenta und BASF – in Österreich vertreten durch die Industriegruppe Pflanzenschutz (IGP) – hatten daraufhin die EU-Kommission geklagt. Sie behaupten, dass sich kein Zusammenhang zwischen Bienenverlusten und Pflanzenschutzmitteln herstellen lasse, sondern vielmehr Parasiten wie die Varoamilbe für die Bienenverluste hauptverantwortlich seien. Warnungen von ImkerInnen und UmweltschützerInnen vor einem Rückgang der bestäubenden Insekten werden als populistische Angst- und Panikmache abgetan, unter Verweis auf eine weltweit steigende Zahl an Honigbienenvölker.

Der Imker Konrad Schneider aus dem Burgenland, welcher auch bei unserer Studie teilgenommen hat, sieht hier einen gravierenden Zusammenhang, denn Jahr für Jahr verlor er zwischen 30 und 80 Prozent seiner Bienenvölker. Jedes Jahr hat er neue Bienen nachgezüchtet. Seine Bienenstöcke stehen in eine Trappenschutzgebiet in der Nähe von Deutsch Jahrndorf. Trotzdem nimmt der Pestizideinsatz von Jahr zu Jahr zu. Die Störche bleiben aus, weil sie keine Heuschrecken mehr finden. In den Pfützen sieht man keine Insektenlarven und keine Frösche mehr. Schmetterlinge und Wildbienen werden von Jahr zu Jahr seltener. Die Honigbienen kann Konrad Schneider mit andern ImkerInnen nachzüchten, die Wildbienen und andere Arten jedoch nicht.