Traktor der Pestizide am Feld ausbringt

Behörden haben im Interesse der Öffentlichkeit zu agieren. GLOBAL 2000 hat jedoch den begründeten Verdacht, dass europäische Zulassungsbehörden und die Industrie durch die inkorrekte Auswertung von Daten versucht haben, Glyphosat trotz seiner wahrscheinlich beim Menschen krebserzeugenden Wirkung auf dem europäischen Markt zu halten. Deshalb haben wir bei den Staatsanwaltschaften von Wien und Berlin Anzeige erstattet. Denn nach geltendem europäischem Recht, darf ein Pestizid, das als krebserregend eingestuft wird, nicht in der EU zugelassen werden.

Im Gegensatz zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), die Glyphosat im März 2015 als „wahrscheinlich beim Menschen krebserregend“ einstuften, konnten das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) keine Krebsgefahr durch Glyphosat feststellen. Damit ebneten die Behörden den Weg für eine Zulassung für weitere 15 Jahre.

Von uns in Auftrag gegebene Studien offenbarten jedoch schwere Verstöße der europäischen Kontrollbehörden gegen geltende Richtlinien zur Auswertung von Krebsstudien zum Vorschein. Dies erklärt weshalb sie das Krebsrisko diametral anders bewerten konnten als die WHO.

Fehlerhafte Auswertungen verschleiern Krebsbefunde

Um eine europäische Wiedergenehmigung von Glyphosat zu erhalten, reichte im Mai 2012 die Monsanto beim BfR fünf Krebsstudien an Mäusen ein. Doch in vier dieser fünf Studien wurden aufgrund ungeeigneter, nicht OECD-konformer Auswertungsverfahren signifikante Krebseffekte verschleiert.

Das BfR verließ sich ursprünglich auf diese Bewertung und erklärte unter Hinweis auf diese Studien im Dezember 2013, dass Glyphosat nicht krebserregend sei. Unter dem Druck der gegensätzlichen WHO-Einstufung als “wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ musste das BfR diese Mäusestudien neu bewerten. Das BfR stellte anschließend zwar fest, dass die Monsanto-Studien bei Leitlinien-konformer Auswertung sehr wohl signifikante Krebseffekte zum Vorschein brachten, verwarf anschließend aber diese Ergebnisse als irrevelant -  unter grober Verletzung wissenschaftlicher Prinzipien.

Die europäische Kontrollbehörde EFSA übernahm im November 2015 die BfR-Schlussfolgerungen in ihren eigenen Bericht. Und machte so diese Einschätzung zur wissenschaftlichen Basis für die bevorstehende EU-Abstimmung über Glyphosat – obwohl 96 internationale Experten diese Bewertung als "wissenschaftlich inakzeptabel" und "fundamental fehlerhaft" kritisierten.

Auch neues Gutachten beweist systematische Falschauslegung von Glyphosat-Studien
 

„Es ist unverständlich, wie das BfR die Angaben von Monsanto ohne weiteres übernehmen kann. Monsanto ist schon öfters mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und hat nicht das erste mal bei Angaben zu Glyphosat falsche Angaben gemacht“, meint Unterweger weiters.
Behörden haben im Interesse der Öffentlichkeit zu agieren. Politische Entscheidungsträger müssen sich auf wissenschaftlich fundierte und korrekten Informationen verlassen können. Im aktuellen Falle von Glyphosat ist aber all das massiv in Zweifel zu stellen.
Auch ein neues, weiteres von uns in Auftrag gegebenes Gutachten zeigt, dass nahezu alle Studien, die Glyphosat einen krebserzeugenden Effekt nachweisen, vom BfR unbegründet als “nicht zuverlässig“ verworfen wurden.

„Mein Eindruck ist, dass auf diese Weise praktisch alle epidemiologischen Studien, die der Wiederzulassung von Glyphosat im Wege stehen, systematisch aussortiert wurden“, sagt Prof. Dr. Eberhard Greiser (Universität Bremen), der in unserem Auftrag die Studie erstellt hat.
In Anbetracht der zahlreichen nachgewiesenen Mängel im Zulassungsverfahren entsteht fast zwangsläufig der Eindruck, dass Behörden und Hersteller Hand in Hand arbeiten, um Glyphosat mit allen Mitteln auf dem europäischen Markt zu halten.

Sollte es im Wiederzulassungsverfahren von Glyphosat zu vorsätzlichen Manipulationen gekommen sei, um einen krebserregenden Stoff auf den europäischem Markt zu halten, wäre das Betrug an 508 Millionen EU-Bürgern.

Aus diesem Grund stellen wir Strafanzeige gegen Monsanto, das BfR und die EFSA. Uns unterstützen dabei das Pesticide Action Network (PAN) Germany, Générations Futures France, WeMove Europe, PAN Europe, PAN UK und Nature & Progrès Belgique. Es erfolgt zudem eine Eingabe bei der europäischen Betrugsbekämpfungsbehörde OLAF.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: